Eine aktuelle Studie in Schweden zeigt, dass gerade einmal zehn Prozent der Spielerinnen und Spieler zuverlässig erkennen, ob sie in einem legalen Online-Casino spielen. Die Studie wurde durchgeführt im Auftrag der schwedischen Glücksspielbehörde Spelinspektionen. Befragt wurden 1600 Erwachsene. Das Ergebnis ist dramatisch, denn wie soll die Kanalisierung funktionieren, wenn die Glücksspiel-Fans nicht einmal dazu in der Lage sind zu erkennen, ob es sich um ein zugelassenes Angebot handelt, oder nicht? Die Ergebnisse der Studie stellen die Arbeit der schwedischen Glücksspielbehörde in gewisser Hinsicht infrage, obwohl die Institution der Auftraggeber der Studie war.

Legale Online-Casinos in Schweden kaum zu erkennen

Schweden Online Casino

Es gibt eine einfache Wahrheit, die Politikerinnen und Politiker, die zuständig sind für die Glücksspielregulierung, nur selten in ihre Überlegungen einbeziehen: Die meisten Glücksspiel-Fans interessieren sich nicht einmal am Rande dafür, wo ein Online-Casino lizenziert ist. Entscheidend ist, ob der Anbieter in irgendeiner Weise attraktiv und seriös wirkt. Wenn das der Fall ist, genügt das den meisten Spielerinnen und Spielern schon. Es kann auch nicht ausgeschlossen werden, dass für manche Casino-Kunden die fehlende Lizenz im eigenen Land ein wichtiges Kriterium ist, weil dadurch bestimmte Regeln nicht eingehalten werden. Schweden hat etwa ein sehr niedriges Limit für den Casino-Bonus. Wer einen hohen Neukundenbonus haben will, spielt somit vielleicht eher in einem Casino ohne schwedische Lizenz.

Aber die aktuelle Studie zeigt, dass das Problem viel tiefer liegt. Wer sich bewusst für ein Casino ohne schwedische Lizenz entscheiden will, muss zunächst einmal wissen, dass das Casino keine schwedische Lizenz hat. Das scheint aber überhaupt nicht auf dem Schirm der meisten Spielerinnen und Spieler zu sein. Den Glücksspielanbietern ist das durchaus bewusst. Zwar schauen die meisten Glücksspiel-Fans auf Seriosität. Aber wenn etwa ein bekannter Markenname vorhanden ist, kann dies schon genügen. Für die meisten Spielerinnen und Spieler ist die Lizenz dann gar nicht entscheidende Faktor. Vielleicht haben viele Spielerinnen und Spieler in Schweden auch gar nicht mitbekommen, dass 2019 das Online-Glücksspiel erstmals reguliert in Schweden wurde.

Schwierige Aufgabe für schwedische Glücksspielbehörde

Es ist keineswegs so, dass die schwedischen Online-Casinos nicht zu erkennen sind. Auf der Startseite wird angegeben, dass die schwedische Lizenz vorhanden ist. Wenn dies nicht der Fall ist, hat der Anbieter keine schwedische Lizenz. Eigentlich ganz einfach, oder? Die meisten Glücksspiel-Fans in Schweden scheinen sich aber mit dieser Thematik gar nicht zu befassen und eröffnen lieber ein Konto und machen eine Einzahlung. Die niedrige Erkennungsrate bedeutet zudem nicht, dass die schwedischen Glücksspiel-Fans zu 90 Prozent in Casinos ohne schwedische Lizenz spielen. Aber die Spielerinnen und Spieler, die nur auf die Höhe der Bonusangebote, die Höhe der Limits und ähnliche Faktoren schauen, werden eher nicht in den zugelassenen Casinos landen. Das ist ein riesiges Problem.

Vielleicht muss die schwedische Glücksspielbehörde den legalen Online-Casinos auferlegen, die Lizenz deutlich prominenter als bisher zu präsentieren. Ferner dürfte kein Weg daran vorbeiführen, mit großen öffentlichen Kampagnen Aufmerksamkeit für das Thema zu erzeugen. Jeder schwedische Glücksspiel-Fan sollte darüber informiert werden, wie einfach es ist, ein Online-Casino mit schwedischer Lizenz zu identifizieren. Zudem muss die schwedische Glücksspielbehörde ihre Anstrengungen, den Schwarzmarkt einzudämmen, deutlich erhöhen. Aber genauso wie in Deutschland ist es auch in Schweden schwierig, das prinzipiell offene Internet für Glücksspielanbieter zu sperren, die sich nicht an nationale Regeln halten.

Bekommt Deutschland ähnliches Problem wie Schweden?

Die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) übernimmt zum Jahreswechsel die Regulierung des Online-Glücksspiels in Deutschland. Auch die GGL wird sich mit der Frage befassen müssen, wie die Spielerinnen und Spieler, die sich nicht regelmäßig mit der Glücksspielregulierung befassen, gezielt zu den legalen Online-Casinos geleitet werden können. Allerdings dürfte die GGL in den ersten Monaten vorrangig damit beschäftigt sein, die zahlreichen offenen Lizenzanträge abzuarbeiten. Es bleibt ferner zu hoffen, dass die neue Glücksspielbehörde ganz genau hinschaut, was in anderen Ländern passiert. Schweden hat in den vergangenen Jahren zahlreiche Erfahrungen gesammelt, die für Deutschland wertvoll sein könnten. Auch die aktuelle Studie könnte der GGL dabei helfen, Fehler zu vermeiden, mit deren Behebung die schwedische Glücksspielbehörde aktuell beschäftigt ist.