Der Versuch, eine Rückzahlung von Casino-Verlusten zu erreichen, ist vor dem Landgericht München II gescheitert. Der verklagte Glücksspielanbieter muss keine Rückzahlung tätigen. In dem Verfahren ging es um 55.200 Euro, die ein Spieler in den Jahren 2017 und 2018 bei einem Online-Glücksspielanbieter verloren hatte. Mit der Begründung, das Glücksspielangebot sei nicht zugelassen gewesen, wollte der Spieler nun im Nachhinein versuchen, die Rückzahlung des verlorenen Geldes zu erreichen. Doch das Landgericht München II befand, dass der Spieler „gegen die guten Sitten verstoßen habe“. Mit einer Rückzahlung würde der Verstoß gegen die guten Sitten sogar noch belohnt. Das ist eine bemerkenswerte Begründung, die deutlich macht, dass es nicht einfach ist, Casino-Verluste einzuklagen.

Casino-Verluste müssen nicht zurückerstattet werden

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Beim jüngsten Fall vor dem Landgericht München II ging es nicht um ein Grundsatzurteil, sondern um einen konkreten Fall. Es ist wichtig zu verstehen, dass bei den zahlreichen Klagen, die in letzter Zeit durch die Medien gehen, Einzelfälle beurteilt werden. Aber es zeigt sich zunehmend, dass die Gerichte nur in Ausnahmefällen eine Rückzahlung von Casino-Verlusten beschließen. Warum ist das so? Das aktuelle Urteil in München legt nahe, dass ein Spieler, der an einem mutmaßlichen nicht zulässigen Online-Glücksspiel teilnimmt, nicht später einfach kommen und das Geld zurückverlangen kann. Die Begründung ist bemerkenswert: Wenn der Spieler wusste, dass es sich wahrscheinlich nicht um ein legales Angebot handelte, hätte er gar nicht erst spielen dürfen. Oder etwas vereinfacht ausgedrückt: Wer bei einem Glücksspielanbieter gespielt hat, obwohl klar war, dass der Anbieter keine deutsche Lizenz hatte, darf sich hinterher nicht beschweren, dass Verluste entstanden sind. Jeder Glücksspiel-Fan muss wissen, dass Verluste Teil des Spiels sind. Der Fairness halber muss aber angemerkt werden, dass in Deutschland und anderen europäischen Ländern Gerichte aus und anderen Einschätzung gekommen sind. Es wird wohl noch eine ganze Reihe von Verfahren geben, bevor sich eine klare Richtung bei den Entscheidungen ausbildet. Vielleicht müssen sogar höchstrichterliche Entscheidung kommen, um eine Klagewelle zu verhindern. In Deutschland gibt es nicht bzw. nur sehr eingeschränkt die Möglichkeit, eine Sammelklage anzustrengen. Deswegen müssen die Spieler, die Geld zurückhaben wollen, in der Regel individuell klagen.

Für die Glücksspielanbieter, die von Klagen betroffen sind, ist die Situation unschön. Jahrelang wurden Online Casinos in der Praxis mehr oder weniger geduldet. Nur deswegen konnte überhaupt ein riesiger Online-Glücksspielmarkt in Deutschland entstehen. Dass nun im Nachhinein die Möglichkeit bestehen könnte, nachträglich Verluste zurückzufordern, ist ein großes Problem. Wenn sich Spieler auf breiter Fläche mit ähnlichen Forderungen durchsetzen würden, könnten riesige finanzielle Belastungen auf die Glücksspielanbieter zukommen. Im Moment hat es nicht den Anschein, als ob die Gerichte in Deutschland in überwiegender Mehrzahl dazu bereit wären, die Klagen auf Rückerstattung von Casino-Verlusten zugunsten der Kläger zu entscheiden. Aber für die gesamte Glücksspielbranche wäre es gut, wenn Rechtssicherheit geschaffen würde. Aber nach den Erfahrungen mit der Glücksspielregulierung in Deutschland in den letzten zehn Jahren spricht nicht viel dafür, dass es allzu schnell zu einer klaren Entscheidung in die eine oder die andere Richtung kommen wird. In der Praxis könnte sich das Problem dadurch erledigen, dass viele Klagen abgewiesen werden. Für die Spieler, die im Moment über eine Klage nachdenken, würde sich dann die Frage stellen, ob es sich lohnt, das finanzielle Risiko eines Rechtsstreits einzugehen.

Verhindert neue Glücksspielregulierung in Zukunft Klagen?

Grundsätzlich gibt es viele Möglichkeiten, Unternehmen zu verklagen. Auch in Zukunft wird wahrscheinlich hin und wieder ein Spieler auf die Idee kommen, einen Glücksspielanbieter auf die Erstattung von Casino-Verlusten zu verklagen. Aber die Klage gegen ein Online Casino mit deutscher Lizenz wäre wesentlich komplizierter als die Klage gegen ein Online Casino ohne deutsche Lizenz. Die seriösen Glücksspielanbieter, die in Deutschland in Zukunft mit Lizenzen der deutschen Glücksspielbehörde unterwegs sein werden, müssen sich an gesetzlichen Regeln und Vorgaben halten. Auf dieser Basis wäre dann eine Klage wohl aussichtslos. Aber es kann durchaus sein, dass ein Spieler irgendwann einmal eine Klage anstrengt, weil ein Glücksspielanbieter sich trotz deutscher Lizenz nicht korrekt verhalten hat, zum Beispiel beim Spielerschutz.

Für den deutschen Glücksspielmarkt und auch für die vielen deutschen Glücksspiel-Fans ist es eine gute Sache, dass es endlich eine umfassende Regulierung des Online-Glücksspiels gibt. Dadurch gibt es einen sicheren Rechtsrahmen, der auch wichtig ist, wenn es um Klagen oder Forderungen gegen Glücksspielanbieter geht. In Zukunft wird die Frage bei Glücksspielanbietern sein, ob sie sich an die deutsche Regulierung halten und die deutsche Lizenz haben. Wenn diese beiden Vorgaben erfüllt sind, haben Klagen wahrscheinlich keine Aussicht auf Erfolg. Auch wenn die Glücksspielanbieter im Moment mit vielen Regeln auf dem neuen regulierten Glücksspielmarkt hadern, gibt es doch zumindest einen positiven Aspekt. In Zukunft muss niemand mehr raten, welche Anbieter in Deutschland legal sind. Mit einer deutschen Lizenz oder einer Konzession eines Bundeslands für Online-Tischspiele sind die Online-Glücksspiele im jeweils vorgegebenen Rahmen legal. Aber die deutschen Gerichte werden sich noch eine ganze Weile mit den Altlasten des nicht regulierten Glücksspielmarkt in Deutschland auseinandersetzen müssen.