Online-Slots bei der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) prüfen? Das klingt doch wie ein Traumjob? Oder handelt es sich in Wahrheit um Praktikanten-Folter? Wir beleuchten ein Detail der neuen Glücksspielregulierung, das viel zu wenig Aufmerksamkeit bekommt. Die Vertreter der Bundesländer, die den Glücksspielstaatsvertrag ausgehandelt haben, haben sich darauf verständigt, dass die Spielautomaten, die in Online-Casinos angeboten werden, individuell überprüft werden müssen. Jedes Spiel muss für jeden Glücksspielanbieter neu getestet werden. Beim Test wird überprüft, ob die Vorgaben der Glücksspielregulierung in Deutschland umgesetzt worden sind. Diese Regelung ist ein anschauliches Beispiel dafür, wie eine gute Idee mit undurchdachten Details in der Praxis scheitert.

Online-Slots bei Glücksspielbehörde prüfen – das wird gemacht

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Wenn ein Online-Casino in Deutschland eine Lizenz (Erlaubnis) erhält, muss der Betreiber eine Liste vorlegen mit den Spielen, die im Casino angeboten werden sollen. Zusätzlich muss der Glücksspielanbieter der Glücksspielbehörde alle Spiele zur Verfügung stellen, damit ein Test stattfinden kann. Grundsätzlich ist die dahinterstehende Idee sinnvoll. Die Spiele müssen bestimmte Auflagen erfüllen. Beispielsweise darf der Einsatz nicht über 1 Euro liegen. Ferner ist es nicht gestattet, einen Automodus oder einen Turbomodus anzubieten. Zudem muss jede Spielrunde mindestens fünf Sekunden dauern. Es liegt nahe, die Einhaltung dieser Regeln zu testen, bevor ein Spiel für den deutschen Markt zugelassen wird.

Aber was in Deutschland passiert, wird aktuell wahrscheinlich nirgendwo auf der Welt gemacht. In Deutschland überprüft die Glücksspielbehörde jedes Spiel für jedes Casino neu. Anstatt eine übergreifende Zertifizierung zu schaffen, die Spiele in bestimmten Versionen für den deutschen Markt freigibt, müssen die Casino-Betreiber alle Spiele individuell einreichen. Das führt zu einem riesigen Arbeitsaufwand. Nehmen wir einmal an, in Deutschland werden insgesamt 50 Online-Casinos zugelassen und in diesen Casinos werden im Durchschnitt 1.000 Spiele angeboten. Angesichts der Erfahrung der letzten Jahre wäre das eine vernünftige Annahme. Dann müsste die Glücksspielbehörde insgesamt 50.000 Spiele überprüfen. Nimmt man an, dass eine Prüfung inklusive der Dokumentation fünf Minuten dauert, müssten 5.000 Arbeitsstunden oder 208,3 komplette Tage oder 625 Personentage mit einer Arbeitszeit von acht Stunden aufgewendet werden, um alle Spiele zu überprüfen. Genau der richtige Job für einen Praktikanten, oder?

Wer testet all die Spiele in der Glücksspielbehörde?

Aktuell ist die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder noch nicht für die Glücksspielregulierung zuständig ist. Übergangsweise übernimmt diese Aufgabe bis Ende des Jahres das Landesverwaltungsamt Sachsen-Anhalt. Praktikanten, die mit der ehrenvollen Tätigkeit der Slots-Überprüfungen beschäftigt werden, gibt es aktuell nicht. Deswegen ist zu vermuten, dass gut bezahlte Beamte und Angestellte der Behörde damit beschäftigt sind, die zahlreichen Spiele für die Online-Casinos mit deutscher Lizenz zu überprüfen. Auch in der Gemeinsam Glücksspielbehörde der Länder werden es demnächst wohl Beamte und Angestellte sein, die sich mit den Spielautomaten beschäftigen werden, und zwar regelmäßig. Da ständig neue Spiele auf den Markt kommen, müssen auch ständig neue Spiele überprüft werden.

Eine Praktikanten-Folter findet aktuell und in Zukunft somit in der zuständigen Glücksspielbehörden wahrscheinlich nicht statt. Aber kann es wirklich sinnvoll sein, Beamte und Angestellte in einer deutschen Behörde damit zu beschäftigen, Spielautomaten zu überprüfen? Wäre es nicht viel sinnvoller, eine Zertifizierung zu schaffen, damit private Unternehmen diesen Job übernehmen können? Die Bezahlung müssten selbstverständlich die Spielehersteller oder die Casino-Betreiber übernehmen. Aktuell zahlt der Steuerzahler Beamte und Angestellte dafür, Online-Spielautomaten zu testen, in vielen Fällen sogar die gleichen Spiele mehrfach. Vielleicht sollten sich Vereine und Verbände, die sich mit Verschwendung von Steuergeldern beschäftigen, dieses Thema einmal näher anschauen.

Aufwändige Slots-Tests führen zu ernsten Problemen

Die Glücksspielbehörde sollte damit beschäftigt sein, Lizenzanträge zu überprüfen und den lizenzierten Glücksspielanbietern auf die Finger zu schauen. Keine europäische Glücksspielbehörde ist damit befasst, unzählige Slots-Tests durchzuführen. Warum gerade in Deutschland an dieser Stelle das Rad neu erfunden werden muss, lässt sich rational wohl kaum erklären. Das größte Problem ist aktuell, dass es nicht genug lizenzierte Online-Casinos gibt. Darüber hinaus gibt es in den lizenzierten Online-Casinos in Deutschland bislang nur eine überschaubare Anzahl von Spielautomaten, da das Landesverwaltungsamt Sachsen-Anhalt nicht mit der Freigabe der Online-Slots hinterherkommt. Wüsste man nicht es nicht besser, könnte man glatt vermuten, wir hätten es mit einem spektakulären Schildbürgerstreich zu tun.