Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten scheint tatsächlich mal wieder alles möglich zu sein. In diesem Fall dreht es sich um sehr viel Geld und um halbseidene Tricks, denn seit kurzer Zeit treten halblegale Online Spielbanken auch als Sponsoren auf, die Twitch-Streamern Millionen für mehr oder weniger dubiose Live-Glücksspiele mit Kryptowährungen bieten. Kein Wunder, könnte man denken, denn schließlich ziehen diese Live-Übertragungen regelmäßig bis zu 100.000 Zuschauer und mehr vor die Bildschirme. Einem Streamer soll sogar ein monatlicher Betrag angeboten worden sein, der sich um rund 1,5 Millionen US-Dollar bewegt.  

Mehrere Zehntausend US-Dollar pro Stunde

Twitch Online Streaming

Vor noch nicht allzu langer Zeit sahen sich zigtausend Jugendliche und junge Erwachsene auf Twitch eine Live-Übertragung an, bei der der populäre US-amerikanische Influencer Tyler Nikham, besser bekannt als „Trainwreck“, von jetzt auf gleich um 720.000,- US-Dollar reicher wurde, weil er mit Kryptowährungen zockte. Diese Aktion wurde von dem Online Glücksspielanbieter Stake.com lanciert, dem bisher in jedem Bundesstaat der Vereinigten Staaten von Amerika noch eine Lizenz fehlt. Sofern man von einem US-Bundesstaat aus versucht, die Seite zu erreichen, erhält man folgende Information: „Aufgrund unserer Glücksspiellizenz können wir keine Spieler aus den Vereinigten Staaten akzeptieren." Aus diesem Grund ist das Portal in den USA auch ausschließlich durch ein sogenanntes Virtual Private Network (VPN) zu erreichen. US-amerikanische Anwälte werfen dem Anbieter nun vor, illegales Glücksspiel durch solche Aktionen zu fördern. Der erst vor kurzem nach Kanada übergesiedelte Trainwreck gibt zu verstehen, dass er ja auch mehr als zwei Millionen US-Dollar verzockt hätte. Jetzt wirft ihm eine ganze Reihe von Kritikern vor, dass er seinen Umzug in das nordamerikanische Land dazu nutzt, um sein Handeln als nicht ganz so illegal erscheinen zu lassen.

Dabei ist er nicht der einzige Twitch-Star, der auf seinem Kanal das Spiel an diversen Online Slots streamt, und bei dem die Ergebnisse zum Teil sehr verfälscht sind. Für viele Influencer ist es ausgesprochen schwer, diesen finanziell lukrativen Anreizen zu widerstehen. Angeblich sollen einige Krypto-Casinos den Streamern pro Stunde mehrere Zehntausend US-Dollar dafür anbieten, dass sie an deren Slots live spielen. Das Glücksspiel-Portal „Duelbits“ scheint der aktuelle Spitzenreiter zu sein. Chat-Protokollen zufolge hat der Betreiber dem Influencer Adin Ross einen Betrag von monatlich rund zwei Millionen US-Dollar offeriert. Das ist wahrlich kein Pappenstiel. Dennoch kam es nicht zu diesem Deal, da Adin Ross ablehnte. Allerdings muss man dazusagen, dass Ross momentan ohnehin nicht auf Twitch streamen darf, da er dabei erwischt wurde, wie er beim Autofahren telefonierte. Auch Matthew Rinaudo äußerte sich im letzten Juni auf seinem Twitch-Kanal und gab offen zu: „Es war nicht mein Geld.“ Nach eigenen Aussagen hatte man ihm Angebote unterbreitet, für rund 35.000,- US-Dollar in der Stunde an Online Slots im Live-Stream zu zocken.  

Rechtliche Folgen für Werbe-Deals drohen

Eins der führenden US-amerikanischen Computer-Magazine Wired hat mittlerweile recherchiert, dass es insgesamt 64 Streamer gibt, die über solche Sponsoring-Verträge verfügen, in den USA halb- bis nicht legale Online Casinos beworben, oder zumindest einige der bekanntesten Krypto-Slot-Machines gestreamt haben. Unter diesen Streamern befinden oder befanden sich auch einige der absoluten Twitch-Top-Stars. Ihnen stellte man neben hohen Umsatzbeteiligungen on top auch noch etliche Special-Tools zur Verfügung. Besonders gut honoriert wurden wohl Personen, die für die Community als Vorbilder agieren. Unter ihnen befindet sich auch der populäre „xQx“, der Platz zwei in der Twitch-Rangliste belegt. Allerdings hat er im vergangenen Juni mit dem Streaming von illegalen Slots aufgehört.

Auch wenn es noch so sehr und so oft danach aussieht, als wenn die Akteure mit ihrem eigenen Geld zocken, so ist das doch häufig nicht der Fall. Die Streamer erhalten von ihren jeweiligen Sponsoren prall gefüllte Börsen mit Kryptowährungen, mit denen sie dann über mehrere Stunden die jeweiligen Slots spielen können. Auch „m0E“ wurde geködert. Der Streamer verriet, dass er über den Ausgang der Games schon im Vorfeld von den Sponsoren informiert worden war. So war es ihm möglich das Gewinn-Ergebnis in gewisser Weise zu manipulieren. In dem Wired-Bericht geht es u.a. auch um „FaZe Banks“. Er zockt mittlerweile für Roobet, ein weiteres Krypto-Casino. Der Mitinhaber des populären „FaZe-Clans“ streamte live aus Mexico. Bei dieser Übertragung verspielte er in nur wenigen Minuten Krypto-Einsätze in Höhe von 24.000,- US-Dollar beim sogenannten Minesweeper-Klon. Wie er dann zu Online Slots wechselte, beobachteten mehr als 40.000 Twitch-User. Dabei wies sein Konto „... wie von Zauberhand“ plötzlich ein Plus von 15.000,- US-Dollar auf. Er hörte erst auf zu zocken, als sich sein Konto bis auf 203.000,- US-Dollar angefüllt hatte und zeigte sich anschließend ausgesprochen großzügig. Von diesem enormen Gewinn verschenkte er etliche Tausende an seine Fans und Zuschauer und ließ sich noch in Mexico live ein Tattoo stechen, welches das Roobet-Logo zeigt, bevor er in die USA zurückkehrte.

Ob nun um US-Dollar oder um Kryptowährungen gespielt und dieses Spiel beworben wird, ist in den USA zunächst einmal egal. Ohne entsprechende Lizenz ist beides illegal. Die eingangs genannten Online Casinos haben ihren Hauptsitz beispielsweise in Curacao und können nur mittels VPN erreicht werden. Für die Twitch-Stars könnten ihre Werbe-Deals jedoch rechtliche Folgen nach sich ziehen, warnt Jeff Ifrah, ein Anwalt, der sich auf das Online Glücksspiel spezialisiert hat.