Der in Österreich sehr aktive Verein Spielerhilfe wirft dem amtierenden Finanzminister Gernot Blümel vor, beim Glücksspiel grob fahrlässig zu handeln und insbesondere in puncto Spielerschutz seinen Verpflichtungen nicht vollständig nachzukommen. Hinsichtlich des Glücksspiels würde er in letzter Zeit nur noch öffentliche Statements abgeben, wenn seiner oder einer anderen Behörde mal wieder ein gelungener Schlag gegen illegale Anbieter geglückt ist, lautet einer der konkreten Vorwürfe. In einer ganzen Reihe anderer Bereiche bliebe der Staat hingegen untätig, so der Verein.

Selbstsperren nahezu unmöglich

Spielerschutz Online Casino

Bei legalen Betreibern, die über eine österreichische Glücksspiel-Lizenz für eine Spielbank oder ein Online Casino verfügen, gibt es zahlreiche Fälle, die darauf hindeuten, dass es sich bei dem dortigen Spielerschutz um nichts anderes als um ein „Feigenblatt“ handelt. Effektive Schutzmaßnahmen werden oft nicht vollzogen, mahnt der Verein Spielerhilfe. Stattdessen hätte man den Eindruck, dass die Sucht bei auffälligen und sogar spielsüchtigen Menschen eher noch beschleunigt wird und nicht ausgebremst. Sperren oder Beschränkungen der Casinobesuche kommen oftmals gar nicht zum Tragen oder erst, wenn es schon zu spät ist. Außerdem dürfen weiterhin Personen, bei denen laufende Sanierungs- oder Insolvenzverfahren anhängig sind, bei einigen Anbietern nach wie vor zocken. Auch die Selbstsperre wird bei manchen stationären Betreibern nahezu unmöglich gemacht, da das Casino-Personal dazu angehalten wird, die Spieler zu überreden, keine Selbstsperre auszulösen. Aus all diesen Gründen scheint es mit dem Spielerschutz bei einer Reihe von legalen Anbietern nicht so weit her zu sein. Dass da einiges im Argen liegt wird bereits dann deutlich, wenn man sich mal bei den österreichischen Beratungsstellen umhört, sagt die Spielerhilfe.

Auch wenn der Kampf gegen illegales Glücksspiel eine vernünftige Sache ist, so hat er doch rein gar nichts mit dem Schutz der Spieler zu tun. Und auch wenn Finanzminister Gernot Blümel nach außen eine andere Ansicht vertritt, so bleibt doch unter dem Strich nur festzustellen, dass die Gäste der stationären Spielstätten und die Nutzer von Online Angeboten zu legalen Betreibern gelenkt werden sollen, da somit die staatlichen Steuereinnahmen optimiert werden können. Christoph Holubar vom Verein Spielerhilfe sagt:  „Von einem funktionierenden Spielerschutz-Mechanismus kann man in Österreich beim besten Willen nicht sprechen."

Schreiben an das Finanzministerium blieben bisher unbeantwortet

Sehr hart wird nach wie vor bei stationären Glücksspiel-Anbietern ohne Lizenz durchgegriffen und auch bei solchen, die in irgendwelchen Hinterzimmern illegal Spielautomaten betreiben. Sofern ein Online Casino jedoch keine österreichische Konzession besitzt, dafür aber über eine ausländische Lizenz, wie beispielsweise aus Malta, verfügt, wird von staatlicher Seite nichts unternommen. Bei diesen Betreibern scheinen sich die Behörden in Gelassenheit zu üben, obwohl diese Online Glücksspielanbieter in Österreich verbotene Spiele offerieren, und zwar großflächig. Auch ansonsten scheint verantwortungsbewusstes Spielen nicht unbedingt zu deren Prioritäten zu gehören. Der Verein Spielerhilfe hat sich der Sache angenommen und einen Brief an das Finanzministerium geschrieben, dem die Zuständigkeit für das Glücksspiel noch immer unterstellt ist. Dabei ging es um die Frage, gegen wie viele Betreiber von Seiten des Ministeriums mittlerweile Verwaltungs-Strafverfahren eingeleitet wurden. Nachdem das erste Schreiben des Vereins nicht beantwortet wurde, folgten weitere mit dem gleichen Inhalt. Das Ministerium hüllt sich jedoch trotz häufiger schriftlicher Anfragen weiterhin in Schweigen. Eine Rückmeldung gab es bis heute nicht. Und das, nachdem Finanzminister Gernot Blümel erst vor Kurzem in einem langen Interview mit der österreichischen Tageszeitung „Der Standard“ sagte, dass er es als eine seiner wichtigsten Aufgaben empfindet „... ansprechbar zu sein“. Dennoch gelang es dem Verein Spielerhilfe nicht, Gernot Blümel für ein Gespräch oder einen Termin zu gewinnen.

Im Bereich des Spielerschutzes bleibt der Staat untätig

Dass eine derart hochrangige Persönlichkeit, wie der amtierende Finanzminister, zeitlich sehr eingebunden ist, mag ja noch verständlich sein. Das gab Blümel auch in dem Standard-Interview zu bedenken. „Es gibt 12.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Finanzverwaltung. Dass nicht jedes Anliegen an den Minister herangetragen wird, ist, glaube ich, auch nachvollziehbar,“ sagte er den Journalisten. Dass allerdings auch die zuständige Stabsstelle für den Spielerschutz im Ministerium für Finanzen einen Termin abgelehnt hat, bei dem es um das „Aufzeigen konkreter Fälle“ geht, ist doch sehr verwunderlich. Deshalb unterstellt der Verein Spielerhilfe dem Finanzminister und seiner Behörde kein „... ernst gemeintes Interesse am Spielerschutz.“ Christoph Holubar von Spielerhilfe äußerte sich daraufhin folgendermaßen: „Blümel ist offenbar im Bereich Glücksspiel nicht ansprechbar, oder will es schlicht nicht sein. Seine Untätigkeit im Bereich Spielerschutz - besonders auch bei den illegalen Online-Betreibern - ist unserer Meinung nach grob fahrlässig. Zur Auflage für das Glücksspielmonopol gehört es, dass Spielerschutz gewährleistet sein muss. Doch dieser ist in Österreich entweder schwer mangelhaft oder wie bei den illegalen Online-Betreibern einfach schlicht durch den Staat nicht gewährleistet. Dieses Verhalten müsste im Grunde das Glücksspiel-Monopol in Frage stellen".

Dieses Monopol wird auch noch von verschiedenen anderen Seiten in Frage gestellt, und es bleibt spannend zu beobachten, wie sich die Lage auf dem österreichischen Glücksspiel-Sektor weiter entwickeln wird. Wir bleiben für Sie am Ball.