Die niederländische Glücksspielbehörde Kansspelautoriteit (KSA) sieht den Kampf gegen das illegale Glücksspiel als langfristige Aufgabe. Eine schnelle Lösung erwartet die Regulierungsbehörde nicht. Das wurde jüngst deutlich in einer aktuellen Stellungnahme des Behördenleiters René Jansen. Vielmehr sei es das Ziel, durch langfristig wirkende Strukturen dafür zu sorgen, dass der Schwarzmarkt mit der Zeit kleiner werde. Das Problem sei insgesamt aber so komplex, dass einfache Lösungen nicht zu erwarten seien. In Deutschland wird mitunter der Eindruck erweckt, dass der Kampf gegen den Schwarzmarkt beim Online-Glücksspiel eine simple Aufgabe sei. Die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder steht allerdings vor einem genauso großen Problem wie die niederländische Glücksspielbehörde.

Kansspelautoriteit: Kampf gegen den Schwarzmarkt schwierig

Kansspelautoriteit Holland

Eines der wichtigsten Ziele jeder Regulierung des Online-Glücksspiels muss darin bestehen, den Schwarzmarkt auszutrocknen. Ansonsten kann der legale Glücksspielmarkt nicht funktionieren. Wenn es nicht nur seriöse Online-Casinos auf dem Markt gibt, besteht immer die Gefahr, dass sich Glücksspiel-Fans bewusst oder unbewusst für Anbieter entscheiden, die sich nicht auf legalem Boden bewegen. Dies Problem ist besonders ausgeprägt, wenn der legale Glücksspielmarkt sehr stark reguliert ist. Dann können die Anbieter auf dem Schwarzmarkt deutlich attraktivere Offerten machen. Deswegen ist es wichtig, dass die zuständigen Behörden den Schwarzmarkt bekämpfen und dafür sorgen, dass es möglichst wenige Angebote neben dem legalen Markt gibt.

Für René Jansen, den Leiter der niederländischen Glücksspielbehörde Kansspelautoriteit, scheint es aber ausgeschlossen zu sein, dass der Kampf gegen den Schwarzmarkt schnell zu einem großen Erfolg wird. Vielmehr geht Jansen davon aus, dass es sehr lange dauern wird, bis ein nachhaltiger Erfolg erzielt wird. Dafür gibt es verschiedene Gründe. Ein wichtiger Grund ist beispielsweise, dass viele Glücksspielanbieter, die sich nicht an die geltenden Regeln halten, nicht in der Europäischen Union beheimatet sind. Somit ist es schwierig oder unmöglich, Zugriff auf die dahinterstehenden Unternehmen zu bekommen. Aber selbst innerhalb der Europäischen Union ist es nicht einfach, wirksame Maßnahmen umzusetzen. Wenn dies doch funktioniert, dauert es meist recht lange, bis Erfolge sichtbar werden.

Illegales Glücksspiel: Kampf gegen Windmühlen?

Viele erfahrene Glücksspiel-Experten, die das Online-Glücksspiel in den letzten beiden Jahrzehnten aus nächster Nähe beobachtet haben, halten es für nahezu ausgeschlossen, dass der Kampf gegen den Schwarzmarkt nachhaltig zu gewinnen ist. Dafür ist zu viel Geld im Spiel. Zudem ist es enorm schwierig für die zuständigen Behörden, Glücksspielangebote im Internet konsequent auszusperren. Die IP-Sperren, die in Deutschland geplant sind, sehen auf dem Papier großartig aus. Aber in der Praxis gibt es viele Möglichkeiten, die IP-Sperren zu umgehen. Die Glücksspielanbieter sind gegebenenfalls sehr viel schneller unterwegs als die Behörden. Bedeutet dies, dass es sinnlos ist, gegen illegales Glücksspiel zu kämpfen?

Es ist immer gut und richtig, gegen kriminelle Machenschaften vorzugehen. Aber auf der anderen Seite wäre es auch sinnvoll, eine pragmatische Lösung für die Glücksspielregulierung anzustreben. In den Niederlanden sind die Regeln liberaler als in Deutschland beim Online-Glücksspiel. Trotzdem gibt es einen riesigen Schwarzmarkt, den die KSA bekämpfen muss. In Deutschland scheint das Problem noch größer zu sein, denn aktuell gibt es nur wenige Glücksspielanbieter mit einer deutschen Erlaubnis (Lizenz). Zudem ist die deutsche Glücksspielregulierung enorm streng ausgefallen, sodass die Attraktivität der illegalen Anbieter ungleich höher ist. Das Gesamtpaket ist in Deutschland äußerst problematisch, wenn es darum geht, die Glücksspiel-Fans zu den legalen Angeboten zu leiten.

Gelingt Kampf gegen Schwarzmarkt in Deutschland?

Die seriösen Glücksspielanbieter, die keine deutsche Lizenz beantragt haben, sind bereits vom deutschen Online-Glücksspielmarkt verschwunden. Der Markt ist somit an der seriösen Oberfläche kleiner geworden. Aber der Schwarzmarkt ist deutlich gewachsen, denn die deutsche Online-Glücksspielregulierung funktioniert noch nicht gut. Die Vergabe der Lizenzen stockt und die Gemeinsame Glücksspielbehörde Länder hat erst Mitte des Jahres mit dem Kampf gegen das illegale Glücksspiel begonnen. Viele Experten glauben nicht, dass die neue Glücksspielbehörde allzu schnell große Erfolge vermelden kann. Besonders wichtig wäre aktuell, deutlich mehr Lizenzen für Online-Casinos zu vergeben. Ein attraktiver legaler Glücksspielmarkt ist die beste Voraussetzung, um den Schwarzmarkt einzudämmen. Diese Erkenntnis scheint sich allerdings in der deutschen Politik noch nicht herumgesprochen zu haben.