Die niederländische Glücksspielbehörde Kansspelautoriteit (KSA) hat Maßnahmen gegen Facebook angekündigt. Konkret geht es darum, dass Facebook nach Einschätzung der KAS in den Niederlanden Seiten zugelassen hat, auf denen für illegale Lottospiele geworben wurde. Die Seiten wurden aber nun komplett gelöscht. Der betroffene Facebook-Account war ein sogenannter Fake Account, sodass es keinen einfachen Weg gibt, den Betreiber ausfindig zu machen. Die Recherchen der Kansspelautoriteit haben ergeben, dass wohl zahlreiche Seiten, auf denen illegale Lottospiele beworben werden oder wurden, von diesem Account stammen. Der aktuelle Fall zeigt, wie wichtig es ist, auch die sozialen Medien bei der Regulierung des Online-Glücksspiels zu beachten.

Facebook kooperiert mit Kansspelautoriteit

Kansspelautoriteit Holland

Grundsätzlich sind Anbieter von sozialen Netzwerken wie Facebook, Instagram oder Twitter daran interessiert, illegale Angebote zu sperren oder zu löschen. Allerdings ist es im Einzelfall wohl nicht immer ganz einfach, illegale Angebote frühzeitig zu erkennen. Das Thema Glücksspielregulierung ist komplex und in den meisten Ländern gelten individuelle Regeln. Auch ein ambitionierter Facebook-Mitarbeiter hätte wohl keine Chance, für den gesamten europäischen Markt zu entscheiden, welche Werbung nun ordnungsgemäß ist und welche Werbung abgeschaltet werden muss. Deswegen ist es wichtig, dass die Glücksspielbehörden Strukturen aufbauen und personelle Kapazitäten schaffen, um in den sozialen Medien möglichst früh problematische Beiträge, Accounts und Werbeanzeigen zu finden. Angesichts der Größe der sozialen Medien in der heutigen Zeit dürfte das allerdings eine Aufgabe sein, die nie vollständig gelöst werden kann.

Der aktuelle Fall zeigt aber, dass zumindest Facebook dazu bereit ist, bei entsprechenden Belegen schnell und unkompliziert zu handeln. Ansonsten hätte die niederländische Glücksspielbehörde die Möglichkeit gehabt, auf juristischen Weg gegen Facebook vorzugehen. Die Chancen wären wahrscheinlich gut gewesen, denn bei der gelöschten Werbung handelte es sich dem Vernehmen nach um Werbung, die gezielt niederländische Kunden ansprach. Da in den Niederlanden aber nur Anbieter, die eine Konzession bzw. Lizenz haben, Glücksspiele im Internet anbieten dürfen, ist es relativ leicht nachvollziehbar, wenn ein Anbieter nicht legal arbeitet. Eine ganz andere Frage ist es, ob es möglich ist, die Anbieter von illegalen Seiten in den sozialen Medien zu belangen. Im aktuellen Fall scheint es keine Möglichkeit zu geben, dem Urheber auf die Schliche zu kommen. In solchen Fällen handelt es sich aber nicht selten um Betreiber, die nicht in der Europäischen Union ansässig sind. Entsprechend schwer wäre dann eine Strafverfolgung.

Glücksspielregulierung im Internet besonders schwierig

Was macht es schon, wenn auf Facebook ein paar Seiten für illegale Lotterien werben? Für die meisten Glücksspiel-Fans stellt sich wohl die Frage, wie viel Aufwand eine Glücksspielbehörde betreiben sollte, um derartige Seiten zu unterbinden. Wer sich ein bisschen mit dem Internet auskennen, hat vermutlich eine Vorstellung davon, dass der Kampf gegen illegale Angebote im Netz ähnlich vielversprechend ist wie der Kampf gegen die Hydra. Bei der Hydra wuchsen für jeden abgeschlagenen Kopf zwei neue Köpfe nach. Ähnlich ist die Situation auch bei lukrativer Werbung für illegale Angebote im Bereich Glücksspiel im Internet. Die kriminellen Betreiber werden nicht einfach auf ihre Verdienstmöglichkeiten verzichten, nur weil ein paar Seiten abgeschaltet werden.

Deswegen plädieren viele Glücksspielexperten dafür, die legalen Angebote so attraktiv zu machen, dass die illegalen Angebote überhaupt keine realistische Chance haben zu konkurrieren. In der Praxis ist das nicht ganz so einfach, wie es im ersten Moment vielleicht scheint. Ein einfaches Beispiel ist ein Einzahlungslimit. Ein Einzahlungslimit kann unter Umständen sinnvoll sein, um den Spielerschutz zu verbessern. Aber ein illegaler Glücksspielanbieter kann in der Regel ein höheres Einzahlungslimit zur Verfügung stellen als ein legaler Glücksspielanbieter, der sich an die Regeln der jeweiligen Jurisdiktion hält. Das gilt jedenfalls für die Jurisdiktionen, in denen es in irgendeiner Form ein Einzahlungslimit gibt. Aber je kleiner der Qualitätsunterschied zwischen den legalen und den illegalen Angeboten ist, desto eher entscheiden sich die Glücksspiel-Fans für die seriösen Online Casinos.

Deutsche Regulierung hat gerade erst begonnen

Die Regulierung des Online-Glücksspiels ist in Deutschland gerade ein paar Monate alt. Seit dem 1. Juli 2021 können Glücksspielanbieter Lizenzen beantragen, um Online Casinos mit deutscher Lizenz zu betreiben. Die zuständige Glücksspielaufsichtsbehörde in Sachsen-Anhalt hat noch keine Lizenzen vergeben. Das lizenzierte Verfahren dauert etwas länger als anfänglich vermutet. Aber es wird wohl nicht mehr lange dauern, bis die ersten Online Casinos mit deutscher Lizenz verfügbar sein werden. Doch die Lizenzvergabe kann nur der erste Schritt sein. Auf lange Sicht ist es deutlich wichtiger, dass der Schwarzmarkt und auch die Werbung für das illegale Glücksspiel möglichst effektiv bekämpft werden.

Die entscheidende Frage bei der Regulierung des Online-Glücksspiels ist, ob es gelingt, den Markt vernünftig zu kanalisieren. Werden die Glücksspiel-Fans zum überwiegenden Teil die legalen Angebote nutzen? Oder ist die deutsche Glücksspielregulierung so streng ausgefallen, dass viele Glücksspiel-Fans doch lieber bei den Anbietern aktiv sind, die keine Lizenz in Deutschland haben und bekommen? Das sind offene Fragen, die in der Praxis beantwortet werden. Eines ist jedoch sicher: So öffentlichkeitswirksam Aktionen gegen illegale Facebook-Seiten sind, so wenig wirken sich derartige Aktionen auf die Kanalisierung des Glücksspielmarkts insgesamt aus. Auch in den Niederlanden ist es keineswegs sicher, dass die neue Online-Glücksspielregulierung gut funktionieren wird.