Es ist soweit: Ein Gericht in Como hat den Relaunch-Plänen für das Casino di Campione zugestimmt. Die Entscheidung fiel soeben im Rahmen des Konkursverfahrens rund um die hochverschuldete Spielbank in der kleinen italienischen Enklave am Luganer See. Demnach kann der Spielbetrieb drei Jahre nach seiner Schließung wieder fortgesetzt werden, wenn auch nicht ohne bestimmte Auflagen und stark verändert. Insider Informationen zufolge soll es schon Ende dieses Jahres soweit sein, dass die Kugel in Campione endlich wieder rollt.

Casino di Campione bekommt eine zweite Chance

Casino Di Campione Spielbank

An eine Wiedereröffnung war in den letzten Jahren überhaupt nicht zu denken, da ein immenser Schuldenberg auf dem einst so imposanten Casino und seinem alleinigen Eigner, der Gemeinde Campione, lastete. Bei der Schließung vor drei Jahren verloren Hunderte Angestellte von einem Tag auf den anderen ihre Arbeitsstelle. Doch das war nicht das einzige Desaster. Immerhin war die komplette Gemeinde von der Spielbank abhängig und rutschte quasi mit ihr in die Pleite. Schulden in Höhe von 175 Millionen Schweizer Franken gingen auf das Konto des Casinos, und die Gemeinde stand mit 140 Millionen Schweizer Franken in der Kreide. Ein kleines Altersheim, das Büro für Tourismus sowie ein Kindergarten mussten geschlossen werden. In der örtlichen Schule konnten nur noch die allernötigsten Räume beheizt werden und die rund 85 Angestellten der Gemeinde erhielten mehr als ein Jahr lang keinen Lohn mehr. Es soll nicht einmal mehr genug Geld für die Gemeindepolizei zur Verfügung gestanden haben, damit sie ihre Autos tanken konnte und zahlreiche Dorfbewohner hatten nicht mehr genug zu essen.

Die Situation war schlichtweg eine ökonomische Katastrophe. Und dabei war das Casino di Campione einst Europas größter und schillerndster Glücksspiel-Tempel. Heute thront das Gebäude, das der berühmte Tessiner Architekt Mario Botta entworfen hatte und das am 9. Mai 2007 feierlich eröffnet wurde, wie ein überdimensionales dunkles Monstrum am Ufer des Luganer Sees. Eine Entscheidung des Gerichts in Como sorgte soeben für Licht am Ende Tunnels. Es stimmte im Rahmen des laufenden Konkursverfahrens den Plänen für einen Relaunch zu, der eine Verkleinerung des Casinos vorsieht. Für die Zukunft sollen nicht mehr 500, sondern nur noch 174 Arbeitsstellen geschaffen werden, und auch die Löhne werden „nach unten angepasst“. Es wird zunächst von einem markanten Abfallen der Erträge ausgegangen. Über den Zeitraum von fünf Jahren soll die Gemeinde Campione nur noch 5,5 Millionen Schweizer Franken erhalten. Das sind 2,4 Millionen Schweizer Franken weniger, als noch in 2017, dem letzten „vollen“ Betriebsjahr, in dem die Abgaben 9,9 Millionen Schweizer Franken betrugen. Der geschätzte Bruttospielertrag liegt bei gut 105 Millionen Schweizer Franken für die ersten fünf Jahre. Diese Summe konnte früher in einem einzigen Betriebsjahr erwirtschaftet werden.

Es existiert auch ein „hypothetischer Gewinn pro Kunde“, der im soeben veröffentlichten Business-Plan von der Corriere di Como beziffert wird. Demnach wird davon ausgegangen, dass jede Spielerin, bzw. jeder Spieler, in den Besuch des Casino di Campione rund 150 Schweizer Franken investiert. Dass die diversen Gläubiger-Banken, die in das Konkursverfahren involviert sind, offensichtlich dem Projekt zugestimmt haben, ist nicht weiter verwunderlich. Schließlich hoffen sie darauf, dass ein erneut anlaufender Spielbetrieb zumindest einen Teil der alten Verpflichtungen tilgen kann. Hätten sie diesem Relaunch nicht zugestimmt, wäre mit einer Rückzahlung der Schulden wohl nicht zu rechnen gewesen. Die Immobilie allein wirft natürlich nichts ab.

Tessiner Spielbanken profitierten von Schließung des Casino di Campione

Mit großer Erleichterung wurde die Möglichkeit zur Wiedereröffnung der imposanten Spielbank in Campione d'Italia zur Kenntnis genommen. Allerdings fand Roberto Canesi, der Bürgermeister der kleinen Enklave, auch mahnende Worte: „Es darf keine Rückkehr zur totalen Abhängigkeit vom Casino geben, dieser ökonomischen Mono-Kultur.“ Er hofft darauf, dass sich Campione auch parallel zum Spielbetrieb im Bereich Touristik weiterentwickeln wird. Der Ort hat diese Botschaft zwar gehört, doch den Einwohnern mangelt es an dem Glauben daran. Das Problem mit dem Casino ist nicht die einzige Schwierigkeit, mit der man dort zu kämpfen hat. Seit dem 1. Januar letzten Jahres gehört Campione nicht mehr der eidgenössischen Zoll-Union an, sondern wurde in den Zollbereich der EU integriert. Die Folge sind enorme Komplikationen, wie beispielsweise die Tatsache, dass die rund 2.000 Seelen zählende Gemeinde keine Post mehr hat.

Problematisch ist auch die Situation mit Schweizer Versicherungsanstalten, die mir nichts Dir nichts die Policen ihrer Kunden aus Campione gekündigt hatten. Beim Import in die italienische Enklave müssen sämtliche Waren deklariert werden. Da wird auch für das von Tessiner Mineralölunternehmen georderte Heizöl keine Ausnahme gemacht. Zahlreiche Einwohner Campiones, die immer stolz auf ihren „Schweizer Status“ in Italien waren, sind mittlerweile sehr wütend und machen ihrem Zorn Luft: „Eine italienische Bürokratie der schlimmsten Sorte“. Die anderen Tessiner Casinos dürften allerdings weniger froh über die Wiedereröffnung in Campione sein. Sofern sie nicht aufgrund der anhaltenden weltweiten Gesundheitskrise geschlossen bleiben mussten, profitierten sie schließlich von der Gesamtsituation. Am meisten sicherlich das Casino in Lugano und das Casino Admiral in Mendrisio, denn deren Bruttospielerträge machten einen enormen Satz nach vorn. Die dritte Tessiner Spielbank, das Casino in Locarno, hatte jedoch nicht so viel davon.