Im Internet werden jährlich Unsummen durch das Online Glücksspiel umgesetzt. Seitdem nun auch in Deutschland ein neuer Glücksspielstaatsvertrag in Kraft getreten ist und mit ihm die Legalisierung von Online Casinos und Co, könnte der Markt nochmal so richtig in Bewegung geraten. Dies prognostiziert jedenfalls eine Reihe von Experten. Bisher war das Online Glücksspiel ausschließlich in Schleswig-Holstein erlaubt und stand auch nur den Einwohnern des nördlichsten Bundeslandes zur Verfügung. Damit ist jetzt Schluss. Mittlerweile gilt eine einheitliche bundesweite Gesetzgebung.

Löwe und Gauselmann kämpfen um den deutschen Glücksspielmarkt

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Möglicherweise ist immer noch der ein oder andere verwundert, dass Online Casinos in der BRD erst jetzt in die Legalität rutschen. Schließlich wurden doch gerade TV-Zuschauer schon seit Monaten mit Spots von Glücksspiel-Anbietern wie beispielsweise Wunderino oder Mr. Green regelrecht bombardiert. Auch Popstar H. P. Baxxter verkündete lauthals die Vorzüge von Hyperino. Doch all diese Anbieter waren bisher offiziell nur in Schleswig-Holstein zugelassen. Parallel warben Online Sportwetten-Veranstalter wie das maltesische Tipico oder der britische Entain-Konzern mit seiner Marke bwin um deutsche Spieler. In Deutschland agierten diese Unternehmen bisher jedoch höchstens „halblegal“. Dennoch wird laut der European Gaming & Betting Association (EGBA) in der BRD rund 11% des Umsatzes der europaweiten Online Glücksspielangebote generiert. 2,7 Milliarden Euro waren es noch 2019 und die Tendenz bleibt weiterhin steigend. Nach den britischen Inseln mit satten 30% ist Deutschland somit der zweitwichtigste Markt. Von dem Milliarden-Kuchen möchten sich nun auch noch einige andere ein Stück abschneiden. Ganz vorn dabei sind die Gauselmann-Gruppe aus Espelkamp und die Löwen-Gruppe aus Bingen. Seit Jahrzehnten gehören beide im Bereich des stationären Glücksspiels zu den Big Playern. Nun wollen sie auch ins Online-Geschäft einsteigen und müssen nochmal ganz klein anfangen.

Es wird nicht einfach sein, Marktanteile von den ganz Großen der Online-Szene zu ergattern. Für Löwe und Gauselmann bietet der Online Markt ein zusätzliches Standbein zum bereits existierenden Geschäft. Beide Unternehmensgruppen gehen jedoch nicht davon aus, dass durch den neuen Glücksspielstaatsvertrag mit einem Marktwachstum für den Online Bereich zu rechnen ist. Daniel Henzgen ist ein Mitglied der Löwen Entertainment Geschäftsführung. Er sagt: „Ich gehe nicht davon aus, dass es ab dem 1. Juli zu einem besonderen Wachstumsschub im Online-Bereich kommen wird" und fügt hinzu: „Online-Angebote für Spieler gibt es in Deutschland de facto seit etwa zehn Jahren. Jetzt kommen lediglich neue Anbieter hinzu - und es wird künftig eine klarere Trennung zwischen legalen und nicht-legalen Angeboten geben." Auch Georg Stecker, der Vorstandssprecher des Verbandes Die Deutsche Automatenwirtschaft e.V. sieht es ganz ähnlich: „Menschen haben unterschiedliche Interessen und Motive. Viele gehen in die Spielhalle, weil sie dort die Atmosphäre und den sozialen Kontakt schätzen. Andere sind lieber allein, wenn sie spielen, und nutzen daher Online-Angebote."

Sind deutsche Online Glücksspielanbieter im Nachteil?

Experten halten es für ausgesprochen fraglich, ob es durch den neuen Glücksspielstaatsvertrag gelingt, illegale Angebote vom bundesdeutschen Markt zu verdrängen. Die Löwen-Gruppe und auch die Gauselmann-Gruppe sehen sich durch die neue Regulierung den illegalen ausländischen Anbietern gegenüber im Nachteil. Ein Beispiel hierfür ist das monatliche Einsatzlimit, welches Löwe-Mit-Geschäftsführer Henzgen so kommentiert: „Vor allem Vielspieler - sogenannte High-Roller - werden sich dadurch abschrecken lassen. Sie werden auch künftig illegale Angebote, die sich nicht an derartige Einschränkungen halten, attraktiver finden." Ein weiterer Kritikpunkt ist die Besteuerung, die sich von zahlreichen anderen Ländern enorm unterscheidet, da hierzulande jeder Einsatz, den ein Spieler getätigt hat, versteuert werden muss. Dabei spielt es keine Rolle, ob er seinen Gewinn wieder einsetzt. Mario Hoffmeister ist der Pressesprecher der Gauselmann-Gruppe. Er erklärt, warum es dadurch unmöglich wird, bei der branchenüblichen Auszahlungsquote von 96% zu bleiben. „Die Folge ist klar. Die Spieler können dann nur deutlich weniger Geld von ihren Einsätzen als Gewinne zurückbekommen.

Unter der Voraussetzung dürfte es schwierig werden, Spieler von illegalen Plattformen mit deutlich höheren Auszahlquoten auf legale zu lenken." Dass diese Bedenken nicht ohne Grund bestehen, hat die Branche in der vorübergehenden Duldungsphase am eigenen Leib erfahren dürfen. Marktkenner hatten beobachtet, dass ein signifikanter Teil der Spieler von den neuen Regeln und den starken Einschränkungen abgeschreckt waren, an die sich die seriösen Anbieter halten mussten. Eine Sprecherin des Deutschen Online Casino Verbands (DOCV) sagt: „Erste Marktdaten zeigen, dass bis zu 25 Prozent der Kunden auf den Schwarzmarkt abwandern. Damit zeigt sich, dass eines der wichtigsten Ziele, die mit dem Staatsvertrag verfolgt wurden, kaum erreicht werden wird, nämlich die illegalen Angebote des Online-Glücksspiels in Deutschland zu bekämpfen."

Es sind nicht nur die legalen Online Casinos, die von der neuen Regulierung betroffen sind, sondern auch die Anbieter des sogenannten stationären Glücksspiels. Vielen Betreibern drohen drastische Veränderungen. Das betrifft nicht nur Branchen-Riesen wie die Löwen-Gruppe oder den Gauselmann-Konzern, sondern vor allen Dingen viele kleine und mittelständische Unternehmen. Insbesondere in Baden-Württemberg sind die Existenzängste groß, da in diesem Bundesland die neuen Gesetze extrem streng umgesetzt werden. Bis zu 80 % der baden-württembergischen Standorte sollen von der Schließung bedroht sein, und bis zu 10.000 Arbeitsplätze sind in Gefahr. Und einfach umzusatteln und ins Online-Geschäft einzusteigen, ist den meisten Betreibern nicht möglich, da sie nicht über die notwendigen Ressourcen verfügen, wie die großen Glücksspielkonzerne. Wer einen solchen Schritt wagt, braucht nicht nur technisches Know-How, sondern auch enorme finanzielle Mittel, betont Georg Stecker.