Der Erfolg der Liechtensteiner Spielbanken hat viele Experten überrascht. Doch zunehmend gibt es Kritik. Nicht nur die Glücksspielgegner in Liechtenstein fordern, dass der Ausbau der Glücksspielangebote in Liechtenstein gebremst wird. Teilweise wird sogar gefordert, die Anzahl der Spielbanken zu reduzieren. Doch auch wenn die Regierung von Liechtenstein überrascht ist, dass die Spielbanken so gut angekommen, gibt es im Moment keine Mehrheit für eine Reduzierung des Angebotes. Zudem spricht einiges dafür, dass sich ein vernünftiges Gleichgewicht entwickeln wird, denn die Nachfrage wird nicht unbegrenzt steigen. Liechtenstein profitiert wirtschaftlich erheblich von den Spielbanken.

Noch mehr Spielbanken in Liechtenstein?

Pokerchips

Im Moment gibt es im kleinen Liechtenstein sage und schreibe fünf Spielbanken. Weitere Standorte sind im Moment in der Diskussion. Bis zu fünf weitere Spielbanken könnten noch kommen. Hat Liechtenstein demnächst wirklich zehn Spielbanken? Dann wird vielleicht sogar irgendwann der Traum oder Albtraum von Liechtenstein als europäischem Las Vegas wahr. Aber bis dahin ist es noch eine Weile. Liechtenstein profitiert von der zentralen Lage in Europa. Viele schweizerische Glücksspiel-Fans besuchen gerne die Casinos in Liechtenstein. Aber auch aus Österreich, Deutschland und Frankreich gibt es regelmäßig Besucher. Die Qualität der Spielbanken in Liechtenstein ist sehr hoch, sodass entsprechend viele Glücksspiel-Fans gerne auch einen etwas längeren Weg auf sich nehmen, um die Spielbanken zu besuchen. Aber selbstverständlich gibt es auch in Liechtenstein viele Glücksspiel-Fans, die gelegentlich oder regelmäßig in den Spielbanken zu finden sind. Wenn die Spielbanken allerdings darauf angewiesen wären, ausschließlich mit den liechtensteinischen Glücksspiel-Fans Geschäfte zu machen, wäre es völlig unmöglich, fünf oder zehn Spielbanken zu betreiben.

Nicht nur den notorischen Glücksspielgegnern ist es mittlerweile etwas unangenehm, dass das Glücksspiel in Liechtenstein so gut läuft. Dabei hat Liechtenstein durch die Spielbanken erhebliche wirtschaftliche Vorteile. Wie überall müssen auch in Liechtenstein die Spielbanken Steuern und Abgaben in erheblicher Höhe bezahlen. Deswegen profitiert der Staat unmittelbar von den Spielbanken. Eine ganz andere Frage ist es, wie gut die Spielbanken bei den Bürgern ankommen, die persönlich nichts mit Glücksspiel anfangen können. Als Arbeitgeber sind die Spielbanken zwar in einigen Regionen durchaus von Relevanz. Aber die meisten liechtensteinischen Bürger haben weder als Kunden noch als Arbeitnehmer etwas mit den Spielbanken zu tun. Deswegen ist es verständlich, dass sich ein gewisser Argwohn entwickelt, wenn plötzlich zahlreiche Spielbanken in Liechtenstein hohe Umsätze erwirtschaften. Auf der anderen Seite ist Liechtenstein seit Jahrzehnten als Bankenstandort bekannt. Ist es wirklich schlechter, Spielbanken zu betreiben, als Banken, die seit Jahren finanzstarken Menschen und Unternehmen als Zufluchtsort dienen? Aber diese philosophische Debatte wollen wir an dieser Stelle nicht führen. Vieles spricht dafür, dass sich die Casino-Frage in Liechtenstein von ganz alleine regeln wird.

Immer mehr Spielbanken bis Nachfrage gestillt ist?

An jedem Standort gibt es ein Limit bei der Nachfrage. Das gilt für alle Branchen, nicht nur für das Glücksspiel. Aber beim stationären Glücksspiel ist grundsätzlich zu berücksichtigen, dass das Kundenreservoir doch durch die räumliche Distanz relativ stark begrenzt wird. Es gibt Ausnahmen. Beispielsweise fahren und fliegen jährlich zahlreiche Touristen nach Las Vegas. Aber Liechtenstein ist nicht Las Vegas und deswegen darauf angewiesen, dass aus der näheren Umgebung viele Glücksspiel-Fans die Spielbanken besuchen. Es dürfte wenige Glücksspiel-Fans geben, die eine lange Flugreise auf sich nehmen, nur um in Liechtenstein ein paar Spielbanken zu besuchen. Wahrscheinlich wird es in Liechtenstein so sein, dass immer mehr Spielbanken um die irgendwann stagnierende Anzahl an Glücksspiel-Fans werben werden. Dann könnte es auch dazu kommen, dass einzelne Spielbanken wieder schließen müssen, weil sich das Geschäft nicht mehr lohnt. Für die Glücksspiel-Fans, die in die liechtensteinischen Casinos gehen, ist es in jedem Fall ein Vorteil, dass eine attraktive Konkurrenzsituation entsteht. Die Spielbanken in Liechtenstein sind räumlich nicht weit voneinander entfernt, sodass ein mittelmäßiges Angebot keine Chance hätte. Zudem wird ein Teil der Nachfrage auch von den Online Casinos aufgenommen, die zwar in Liechtenstein nicht lizenziert sind, aber problemlos von den liechtensteinischen Glücksspiel-Fans genutzt werden dürfen.

Liechtenstein hat eine sehr liberale Haltung zu den Online Casinos. Die liechtensteinischen Glücksspiel-Fans dürfen online spielen, auch wenn keine liechtensteinischen Lizenz bei dem Glücksspielanbieter vorhanden ist. Zwar ist das in der Praxis in den meisten anderen europäischen Ländern auch der Fall. Aber Liechtenstein gehört zu den wenigen Ländern, die gesetzlich geregelt haben, dass der Besuch von Online Casinos nicht zu rechtlichen Problemen führt. Somit können die liechtensteinischen Glücksspiel-Fans bedenkenlos online und offline spielen. Es wird spannend sein zu sehen, wie viele Spielbanken in Liechtenstein in den nächsten Jahren noch entstehen. Aber eines ist auch sicher: Viel mehr als zehn Spielbanken wird Liechtenstein kaum verkraften können. Nicht zuletzt dürften irgendwann auch Bürger, die gegen das Glücksspiel sind, mit ihren Bedenken im Parlament auf Resonanz stoßen. Aber einstweilen deutet nichts darauf hin, dass die Regierung oder das Parlament gewillt sind, den Ausbau der Spielbanken nachhaltig zu bremsen. Angesichts des großen wirtschaftlichen Erfolgs müsste es auch gute Argumente für ein Ende des Spielbanken-Ausbaus geben.