Für den spanischen Verbraucherschutzminister Alberto Garzón ist Spielerschutz bei der Regulierung des Glücksspiels die zentrale Aufgabe des Staates. Dabei geht es vor allem darum, die Problemspieler zu schützen. Auf der anderen Seite ist es aber auch wichtig, dass der Staat ein attraktives legales Glücksspielangebot zur Verfügung stellt, um den großen Bedarf nach Glücksspiel in vernünftige Bahnen zu lenken. Experten nennen dies Kanalisierung. In einem aktuellen Interview mit La Opinión de Málaga gibt Alberto Garzón interessante Einblicke in die spanische Glücksspielregulierung. Insbesondere erklärt der Minister auch, warum die Werbung für Glücksspiele in Spanien in Zukunft eingeschränkt wird. Die spanischen Sportverbände laufen gerade Sturm gegen das geplante Werbeverbot im Sport.

Spielerschutz an erster Stelle bei spanischer Glücksspielregulierung

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Der Verbraucherschutzminister von Spanien, Alberto Garzón, hat sich erstaunlich offen und klar zur Glücksspielregulierung geäußert. Spanien erlaubt Glücksspiele in vielen verschiedenen Varianten. Auch das Online-Glücksspiel ist zulässig. Seriöse Online Casinos können viele unterschiedliche Glücksspiele zur Verfügung stellen, wenn die nötigen Rahmenbedingungen vorhanden sind. Insbesondere brauchen alle Casino-Betreiber eine spanische Lizenz, um fair und legal Glücksspiele im Internet anbieten zu können. Eine besondere Rolle sollen beim Spielerschutz in Zukunft die Werberichtlinien spielen. Für Alberto Garzón ist wichtig, dass die Werbung für Glücksspiele umfassend eingeschränkt wird. Das ist ein altes Konzept, das auch in Deutschland nicht unbekannt ist. Beispielsweise dürfen Spielhallen in Deutschland keine Werbung machen, um Kunden anzulocken. Aber die spanischen Werberichtlinien werden in Zukunft deutlich weiter gehen als alles, was in Deutschland umgesetzt und geplant ist. Insbesondere soll es nicht mehr erlaubt sein, für Glücksspiele im Sport Werbung zu machen. Besonders hart trifft die Sportvereine das geplante Verbot von Trikotwerbung. Nicht nur die großen Clubs nehmen viel Geld ein mit Trikotsponsoren, die nicht selten aus der Glücksspielbranche kommen.

Darüber hinaus will die spanische Regierung laut Alberto Garzón dafür sorgen, dass Werbung im Fernsehen und im Radio nur noch mitten in der Nacht läuft. Damit soll der Jugendschutz gewährleistet werden. Ob es wirklich sinnvoll ist, Werbung im Fernsehen und im Radio stark zu reglementieren, während es rund um die Uhr möglich ist, Werbung im Internet zu machen, sollte in Studien untersucht werden. Die geplanten Neuerungen bei den Werberichtlinien werden im dritten Quartal 2021 umgesetzt. Allerdings hofft vor allem der spanische Fußball immer noch, dass es doch noch irgendwie möglich sein wird, Glücksspielanbieter als Sponsoren zu nutzen. Ansonsten müssten viele Verträge, die in der jüngeren Vergangenheit abgeschlossen worden sind, aufgelöst werden. Doch Alberto Garzón lässt keinen Zweifel daran, dass der Spielerschutz wichtiger ist als die finanziellen Interessen der Sportverbände und Sportvereine. Das ist ein Stück weit überraschend, denn Spanien hat in den letzten Jahrzehnten oft Gesetze so gestaltet, dass gerade die großen Clubs wie Real Madrid und der FC Barcelona im internationalen Wettbewerb nicht benachteiligt wurden. In Zukunft könnte es aber so sein, dass die spanischen Clubs anders als die meisten anderen Clubs in Europa nicht für Glücksspielanbieter werben dürfen.

Verbraucherschutzminister sieht Online-Glücksspiel nicht benachteiligt

Aus dem Sport und auch aus der Glücksspielbranche war zuletzt viel Kritik an den geplanten Werberichtlinien zu lesen. Aber Alberto Garzón weist im aktuellen Interview darauf hin, dass die Anbieter von Online-Glücksspielen, um die es bei den Werberichtlinien in erster Linie geht, während der Gesundheitskrise gegen den Trend deutlich gewachsen sind in Spanien. Deswegen gebe es keinen Grund für Klagen aus der Branche. Die Klagen aus dem Sport werden normalerweise gehört von spanischen Regierungen. Aber in diesem Fall scheint der Spielerschutz dann doch das entscheidende Argument zu sein. Es wäre gut, die neue Gesetzgebung und die Umsetzung der Werberichtlinien mit Studien zu begleiten, um die tatsächlichen Auswirkungen festzustellen. Es ist keineswegs sicher, dass ein Werbeverbot im Sport dazu führt, dass der Spielerschutz besser wird. Gerade die Problemspieler sind wahrscheinlich nicht darauf angewiesen, dass Werbung geschaltet wird. Wer Lust darauf hat, Glücksspiele und Sportwetten zu nutzen, wird das auch dann machen, wenn keine Werbung geschaltet wird. Ohnehin weiß jeder Glücksspiel-Fan, welche Angebote verfügbar sind.

Spanien macht einen bemerkenswerten Versuch, das Glücksspiel durch die Reduzierung von Werbung sicherer zu machen. Allerdings könnten auch die Glücksspielanbieter profitieren, die vor allem darauf setzen, über das Internet neue Kunden zu gewinnen. In erster Linie sind es die großen Glücksspielanbieter, die ein Budget haben, um Werbung im Fernsehen und im Radio zu machen. Wenn diese Kanäle wegfallen, werden die Glücksspielanbieter profitieren, die über soziale Medien und andere Kanäle neue Kunden finden. Ohnehin argumentiert die Glücksspielbranche, dass es bei der Werbung nicht darum gehe, neue Glücksspiel-Fans zu kreieren. Vielmehr wollen die Unternehmen sicherstellen, dass die Glücksspiel-Fans bei ihnen spielen und nicht bei der Konkurrenz. Auch das ist eine Thematik, die mit Studien untersucht werden sollte. Bei der Regulierung des Glücksspiels geht es viel zu oft um Emotionen, Ideologien und Vorurteile. Es wäre besser, wenn die Glücksspielregulierung nicht nur in Spanien auf der Basis wissenschaftlicher Fakten umgesetzt würde. Dann wäre es auch im aktuellen Fall schwerer für die Sportverbände und die Glücksspielbranche, gegen neue Beschränkungen zu argumentieren.