Am 18. Juni 2021 findet die Generalversammlung des Schweizer Casino Verbands statt. Im Rahmen dieser Sitzung soll Gerhard Pfister, der eidgenössische Mitte-Präsident, zum Präsidenten gewählt werden. Damit tritt er die Nachfolge von Beat Vonlanthen (CVP) an. Beat Vonlanthen hatte im Kanton Freiburg bereits vor rund zwei Jahren sein Ständerat-Mandat verloren. Damit übernimmt Gerhard Pfister nun mittlerweile das zweite Präsidium des Schweizer Politikers. Erst im September vergangenen Jahres war Pfister Vonlanthen bei Cemsuisse, dem Verband der Schweizerischen Zementindustrie, als Präsident gefolgt.

Schweizer Casino Verband setzt auf Pfister als neuen Präsidenten

Schweiz Glücksspiel

Die eidgenössische Casino-Branche legt großen Wert auf einen guten Draht in die Hauptstadt Bern. Das zeigte beispielsweise schon die „Abstimmung zum Glücksspielgesetz“, die vor drei Jahren stattgefunden hatte. Bei dieser Abstimmung war das Voting der Stimmbürger eindeutig. Sie entschieden sich dafür, dass Online Glücksspiel-Lizenzen ausschließlich an schweizerische Anbieter vergeben werden sollten und ausländische Online Casinos in Zukunft auf den Index kommen. Bei der Durchführung des Gesetzes waren zwei Punkte ausschlaggebend: Zum einen verpflichtete sich die Branche, einen Löwenanteil von rund 40 Prozent der Erträge, die durch das Online Glücksspiel erzielt werden, an die Alters- und Hinterlassenen-Versicherung (AHV) abzuführen, und zum anderen führte sie härtere Maßnahmen gegen die Spielsucht ein. Dazu gehörten u. a. ein Nachweis der Finanzierung von höheren Einsätzen sowie eine umfassende Kontrolle der Identität der Spieler. In der Zeit der weltweit anhaltenden Gesundheitskrise gehörte das Online Glücksspiel-Geschäft zu den absoluten Highlights der Branche. An insgesamt 101 Tagen waren allein im vergangenen Jahr die Schweizer Spielbanken, Casinos und Spielhallen geschlossen. Diese Situation führte unweigerlich dazu, dass der Bruttospielertrag (BSE) einbrach, und zwar um rund 40 %. In Zahlen ausgedrückt bedeutete dies, dass unterm Strich nur noch 450 Millionen Schweizer Franken übrig blieben. Im Gegensatz zu den stationären Spielbetrieben konnten jedoch die Online Casinos ihren Ertrag deutlich steigern. Dieser wuchs von ehemals 23 Millionen Schweizer Franken auf ganze 187 Millionen Schweizer Franken an. Hierbei darf allerdings nicht unerwähnt bleiben, dass auch die Anzahl der Online Betriebe zugenommen hatte. Waren es im Jahr 2019 lediglich vier Online Glücksspielbetreiber, die ihre Angebote ab dem zweiten Halbjahr 2019 in der Schweiz offerierten, so waren es im vergangenen Jahr bereits sieben Online Casinos, die rund um die Uhr besucht werden konnten.

Der Spitzenreiter ist in diesem Zusammenhang das Casino Luzern. Mit knapp 70 Millionen Schweizer Franken gelang es dem Unternehmen, sich mit seinen Gesamt-Erträgen auf den ersten Platz zu schieben, da es gut zwei Drittel seiner Einnahmen aus dem Geschäft mit dem Online Glücksspiel erzielte. Dies führte dazu, dass die Luzerner aufgrund ihres Online-Erfolgs in diesem Jahr rund 43 Millionen Schweizer Franken an die Alters- und Hinterlassenen-Versicherung (AHV) abführen können. Guido Egli ist der Präsident des Casinos Luzern. Er betonte: „Wir verfügen heute unter den Schweizer Casinos über die stärkste Position in diesem Geschäft“, und ergänzte: „Unser Marktanteil liegt bei etwa 37  Prozent.“ Gemeinsam mit seinem Team begann er vor schon vor ca. 12 Jahren damit, den Online-Bereich aufzubauen und bietet inzwischen die größte Spiel-Vielfalt an. Als Präsident der noch jungen Mitte-Partei, die erst im Januar 2021 durch einen Zusammenschluss der Christlich-Demokratischen Volkspartei (CVP) und der Bürgerlich-Demokratischen Partei (BDP) entstand, hat Gerhard Pfister in seinem neuen Amt allerdings auch mit sogenannten Reputations-Risiken zu rechnen.

Daher ist davon auszugehen, dass seine zentralen Argumente den potenziellen Kritikern gegenüber, der beständige Kampf gegen die Spielsucht sein wird sowie die üppigen Abgaben an die AHV. Der Posten des Präsidenten des Schweizer Casino Verbandes hat für die Christlich-Demokratischen Volkspartei (CVP) bereits Tradition. Bevor Beat Vonlanthen im Jahre 2017 dieses Amt übernahm, hatte es bereits Christophe Darbellay inne. Bei beiden Präsidenten handelte es sich um CVP-Politiker. Nun soll Gerhard Pfister folgen. Über sein zukünftiges Honorar ist derzeit noch nichts bekannt. Es ist davon auszugehen, dass es bei rund 50.000,- Franken liegen wird.

Der Schweizer Casino Verband und das eidgenössische Glücksspielgesetz

Das neue schweizerische Glücksspielgesetz, das Anfang 2019 in Kraft trat, ließ zunächst die Befürchtung zu, dass die heimischen Casinos aufgrund der Investitions-Anforderungen der Eidgenössischen Spielbankenkommission (ESBK) für Online Konzessionen in eine Art Bredouille gebracht werden könnten, doch diese Sorge stellte sich bald als grundlos heraus. Die Schweizer Spielbanken hatten nicht nur erfolgreich ihr Vorrecht auf den Betrieb von Online Casinos verteidigt, sondern starteten schon im gleichen Jahr mit einem attraktiven Online Angebot. Sehr groß war die Freude bei den eidgenössischen Glücksspielbetreibern, dass durch das neue Gesetz die ausländischen Anbieter ohne Konzession abgewehrt werden konnten und sich die heimischen Casinos nicht weiter nur den sinkenden Bruttospielerträgen (BSE) an ihren Spieltischen ausgesetzt sahen. Denn die Bilanzen des Jahres 2017 sahen nicht gerade rosig aus. Zwar hatte die Branche mehr Spieltische angeschafft und in modernere Spielautomaten investiert, dennoch sank der BSE um mehr als ein Drittel auf gut 680 Millionen Schweizer Franken.