Im schwedischen Parlament ist es zu einem Eklat gekommen. Der schwedische Sozialminister Ardalan Shekarabi, der auch für die Glücksspielregulierung zuständig ist, hat behauptet, dass der Umsatz beim Online-Glücksspiel während der Gesundheitskrise gestiegen sei. Allerdings wird sich diese Behauptung nicht mit Fakten unterlegen, denn die aktuellen Statistiken sehen ganz anders aus. Aber spätestens seit dieser Äußerung im schwedischen Parlament sollte klar sein, dass es der Regierung in Schweden derzeit nicht darum geht, faktenbasierte Politik bei der Online-Glücksspielregulierung zu machen. Vielmehr scheint es darum gehen, aus ideologischen Gründen das Online-Glücksspiel möglichst stark zu beschränken. Für die Glücksspielbranche ist das ein großes Problem.

Hat schwedischer Sozialminister die Wahrheit verdreht?

Online Spielbank Schweden

Politiker sind nicht zur Wahrheit verpflichtet. Das hat sich vermutlich auch Ardalan Shekarabi bei seiner Rede kürzlich im schwedischen Parlament gedacht. Obwohl alle verfügbaren Daten nahelegen, dass der schwedische Online-Glücksspielmarkt im Laufe der letzten 15 Monate nicht gewachsen und eventuell sogar kleiner geworden ist, hat der Sozialminister behauptet, dass der steigende Umsatz mit ein riesiges Problem sei. Der Fairness halber muss erwähnt werden, dass die Wissenschaftler, die sich mit dem Glücksspielmarkt in Schweden beschäftigen, noch keine eindeutigen Aussagen dazu machen können, wie sich der Markt während der Gesundheitskrise im Detail entwickelt hat. Aber es spricht einiges dafür, dass es keinen starken Anstieg gegeben hat. Viel wahrscheinlicher ist, dass der Markt nicht gewachsen ist. Warum behauptet der schwedische Sozialminister etwas anderes? Zum einen geht es darum, die im letzten Jahr beschlossenen Maßnahmen zur Reduzierung des Online-Glücksspiels zu rechtfertigen. Zum anderen befürchtet die Glücksspielbranche, dass schon das nächste Maßnahmenpaket auf dem Weg ist. Für viele Glücksspielanbieter ist der schwedische Markt mittlerweile problematisch. Wenn die Regeln ständig zu Ungunsten der Glücksspielanbieter verändert werden, ist das im Sinne einer fairen Marktentwicklung nicht korrekt. Dabei hatte Schweden nach der Einführung der neuen Glücksspielregulierung im Jahr 2019 bereits gute Erfahrungen mit den Online Casinos gemacht.

Doch im letzten Jahr hat die schwedische Regierung die Gelegenheit genutzt und unter anderem ein neues Einzahlungslimit eingeführt. Auch diverse andere Maßnahmen sind ergriffen worden, um die Angebote für schwedische Glücksspiel-Fans unattraktiver zu machen. Das Ergebnis scheint zu sein, dass die Kanalisierung auf dem schwedischen Glücksspielmarkt nicht gut funktioniert. Viele schwedische Glücksspiel-Fans sind mittlerweile in Online Casinos aktiv, die keine schwedische Lizenz haben. Warum ist das so? Wenn die legalen Angebote nicht attraktiv genug sind, weichen die Glücksspiel-Fans nicht nur in Schweden vermehrt zu den Anbietern aus, die sich nicht an die Regeln halten. Deswegen spricht schon aus logischen Erwägungen einiges dafür, dass der legale Glücksspielmarkt in Schweden in den letzten Monaten nicht gewachsen ist. Es wäre aus Sicht vieler Experten nicht einmal eine Überraschung, wenn der legale Glücksspielmarkt in Schweden deutlich geschrumpft wäre. Aber noch fehlen zuverlässige Daten, um die eine oder die andere Behauptung zu verifizieren. Genau deswegen ist es problematisch, dass der zuständige Minister in einer Rede im Parlament so tut, als sei schon alles völlig klar.

Ähnliche Probleme bald auch in Deutschland?

Die Glücksspielbranche ist für viele Politiker ein einfaches Opfer, da es keine große öffentliche Lobby gibt. Die meisten Menschen interessieren sich nicht dafür, ob Online Casinos streng oder weniger streng reguliert werden. Es handelt sich beim Online-Glücksspiel zwar um einen Milliardenmarkt. Aber die Anzahl der aktiven Glücksspiel-Fans ist dann doch vergleichsweise klein, jedenfalls in Relation zur Gesamtbevölkerung. Zudem hat das Glücksspiel seit jeher nicht den besten Ruf. Politiker, die sich öffentlich gegen Online Casinos positionieren, haben deswegen gute Chancen auf Zustimmung. Aber es gibt neben der subjektiven Wahrnehmung immer auch noch so etwas wie die Realität. Und zu Realität gehört es, dass es viele Menschen in Deutschland und auch in Schweden gibt, die Glücksspiele lieben. Die Nachfrage ist gigantisch und deswegen muss auch ein vernünftiges Angebot zur Verfügung gestellt werden. Genau das ist mit dem Begriff „Kanalisierung“ gemeint. Ist es in Deutschland auch denkbar, dass sich demnächst Politiker, die für die Glücksspielregulierung zuständig sind, öffentlich mit problematischen oder gar falschen Aussagen positionieren? Diese Einschätzung überlassen wir dem geneigten Leser. In den letzten Monaten war es einfacher denn je, die Qualität der Politik in Deutschland zu beurteilen.

Die Regulierung der Online Casinos ist ein Fortschritt für die deutsche Glücksspielpolitik. Aber erst in der Praxis wird sich zeigen, wie gut die Glücksspielregulierung funktioniert. Besonders problematisch könnte die neue Glücksspielsteuer sein, die es den Anbietern schwer macht, mit den vorhandenen Spielautomaten im Internet Geld zu verdienen. Die Auszahlungsquoten der Online-Slots sind schlichtweg zu hoch, um eine Glücksspielsteuer in Höhe von 5,3 Prozent von jedem Spieleinsatz abführen zu können. Aber auch für dieses Problem wird es Lösungen geben, zum Beispiel in Form einer Casino-Gebühr oder niedrigeren Auszahlungsquoten. Eine besonders spannende Lösung hat der deutsche Spielehersteller Hölle Games entwickelt. Mit dem sogenannten Bonus Spin ist es möglich, die Auszahlungsquote für den Spieler hochzuhalten und trotzdem die nominale Auszahlungsquote so zu gestalten, dass der Glücksspielanbieter Geld verdienen kann. Vielleicht ist diese besondere Spielmechanik in Zukunft das große Erfolgsmodell in Deutschland.