Wo Licht ist, da ist auch Schatten. Das ist bekannt. Und neben dem legalen Glücksspiel gibt es natürlich auch immer noch eine ganze Reihe von illegalen Aktivitäten, egal ob es sich dabei um Sportwetten, Online Casinos oder stationäres Glücksspiel handelt. Dies zu bekämpfen ist nicht nur schwierig, sondern kann mitunter sogar richtig gefährlich sein. Doch ab und an gelingen den Behörden dann doch spektakuläre Erfolge, wie soeben in Italien. Dort, genauer gesagt in der Stadt Catania, wurden 65 mutmaßliche Mafiosi festgenommen, die mit illegalem Glücksspiel Millionen verdient haben sollen. Dazu nutzten sie u. a. Scheinfirmen in Österreich.

Illegales Glücksspiel durch österreichische Scheinfirmen „rein gewaschen“

Poker in der Spielbank

Für die italienische Anti-Mafia-Spezialeinheit DIA war es ein großer Erfolg. Im Zuge der Aktion „Apate“ wurde ein groß angelegtes Netzwerk von illegalen Online Wetten und Online Glücksspiel zerschlagen. Ausgangspunkt der Aktivitäten war die 300.000 Einwohner zählende Stadt  Catania, das nicht nur wegen ihres traditionellen Fischmarkts bis weit über die Grenzen Siziliens hinaus bekannt ist, sondern auch als Hauptsitz vieler Mafia-Familien gilt. Es wird gemutmaßt, dass die soeben Festgenommenen auch sehr engen Kontakt zu einigen Clans hatten, insbesondere zu den „Familien“ Santapaola und Cappello. Während der Clan Cappello keiner größeren Organisation zugerechnet wird, gehört der Clan Santapaolo der Cosa Nostra an. Die dürfte über die Polizeiaktion gar nicht glücklich gewesen sein. Der Kopf der Bande in Catania nutzte bereits konzessionierte Wettbüros um dort illegale Wett-Terminals aufzustellen. Wer als Inhaber eines dieser Wettbüros nicht mitmachen wollte, wurde wohl mit diversen „Argumenten“ davon überzeugt, dass eine Kooperation gesünder sei.

Die Glücksspiel-Terminals hätten es den Nutzern der Wettbüros ermöglicht, auf verschiedenen Online-Glücksspiel-Webseiten zu spielen, dabei soll es sich laut der Polizei konkret um folgende fünf Plattformen handeln: Asso, Vegas, Vegasbet, Netslot.net und Imperium-Games.net. Für diese Plattformen liegt in Italien keine staatliche Lizenz vor. Um Einnahmen zu verschleiern seien nur Bareinsätze möglich gewesen und um die Gewinne aus diesem illegalen Glücksspiel zu waschen, wurden Scheinfirmen in Österreich, Bulgarien und Malta genutzt. Der Chef der kriminellen Organisation und sein Sohn befinden sich inzwischen in Haft, gegen weitere 12 Verdächtige wurden Hausarreste verhängt. 65 andere befinden sich wieder auf freien Fuß. Den Angeklagten werden neben dem Betreiben von illegalem Glücksspiel auch Erpressung, Nötigung, Steuerhinterziehung und andere Delikte vorgeworfen. Bei der Durchsuchung der illegalen Wettbüros wurden Güter, Immobilien, Bankkonten und Bargeld im Wert von rund 30 Millionen Euro beschlagnahmt.

Illegales Glücksspiel ist eines der Standbeine der Mafia

Erst vor kurzem kam es zu einem weltweiten Schlag gegen das organisierte Verbrechen, in dessen Zuge auch in Berlin gegen illegales Glücksspiel vorgegangen wurde. Die Aktion unter dem Namen „Trojan Shield“ fand unter der Federführung des amerikanischen FBIs, der US-Drogenbehörde FDA, der Polizei von Schweden und den Ordnungshütern der Niederlande statt und war jahrelang akribisch vorbereitet worden. Dabei war es amerikanischen Ermittlern geglückt, verschlüsselte Mobilfunktelefone unter den Gangstern zu etablieren. Zuvor war es bereits gelungen, die verschlüsselte Kommunikationsplattform „ANOM“ populär zu machen. So wurden 18 Monate lang Telefongespräche und andere Kommunikationsformen abgehört und ausgewertet. Mehr als 27 Millionen Nachrichten sind dabei gefiltert worden.

„Dies war einer der größten und ausgeklügeltsten Einsätze überhaupt", sagte Europol-Vizechef Jean-Philippe Lecouffe in Den Haag bei der Präsentation der Ergebnisse. Mehr als 800 Verdächtige in 16 Ländern wurden festgenommen, unter anderem auch in Berlin. Dort rückte die Polizei getarnt mit einem Bus der Berliner Verkehrsbetriebe, zu einem Hotel am Alexanderplatz aus, um dort eine Durchsuchung durchzuführen. Weltweit wurden mehr als 700 Gebäude und Wohnungen auf den Kopf gestellt. In Deutschland waren es allein 100 - vor allem in den Bundesländern Hessen und Nordrhein-Westfalen. Es wurden tonnenweise Bargeld, Drogen, Waffen und Juwelen sichergestellt sowie zahlreiche Hinweise auf illegales Glücksspiel. In der BRD kam es so zu 70 Festnahmen.

Wie stark das illegale Glücksspiel auch in Deutschland vertreten ist, beweisen einige Zahlen. So wurden die Bruttospielerträge aus dem illegalen Glücksspiel in der BRD auf rund 2.2 Millionen Euro geschätzt. Den größten Anteil hat dabei das Segment der unerlaubten Sportwetten mit rund 1.3 Millionen Euro was 59% ausmacht, gefolgt von nicht lizenzierten Online Casinos mit  23%. Bei den Sportwetten wurden dabei 70% der illegalen Wetten im stationären Betrieb und 30% online abgesetzt. Insgesamt wurden rund 290 Veranstalter auf dem unerlaubten Markt beobachtet. Davon sind rund 160 Sportwetten-Veranstalter, und diese zu 90% online. Die Bruttospielerträge wuchsen dabei sehr stark. Auch ist eine Zunahme von unerlaubten Online Glücksspiel in Online Casinos zu verzeichnen gewesen.

Oftmals kommt es dabei aber auch zu einer Vermischung der Angebote, das heißt: Online Glücksspiel und Sportwetten werden häufig von demselben Anbieter zur Verfügung gestellt. Das illegale Glücksspiel ist demnach ein recht lukrativer Geschäftszweig für Verbrecher. Deswegen wird man wohl auch in Zukunft noch mehr über entsprechende Polizeiaktionen lesen können. Nutzer, die sicher gehen möchten, dass sie sich bei einem seriösen Online Casino befinden, sollten sich über dessen Lizenz schlau machen. Sofern diese aus einem EU-Mitgliedstaat stammt, ist man auf der sicheren Seite.