Gelegentlich stolpert man über sonderbare Meldungen im World Wide Web. Soeben berichtete doch tatsächlich faz.net, das Online Magazin der großen deutschen Tageszeitung Frankfurter Allgemeine (FAZ), dass die philippinische Regierung derzeit zu ausgesprochen unkonventionellen Mitteln greift, damit zusätzliches Geld in den Staatshaushalt fließt. Der äußerst umstrittene Präsident des 7.000 Eilande umfassenden Insel-Staates im West-Pazifik, Rodrigo Duterte, rief die Bevölkerung seines Landes dazu auf, am Glücksspiel teilzunehmen.

Vom Glücksspiel-Hasser zum Casino-Freund

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Der seit 2016 amtierende philippinische Staatspräsident Rodrigo Duterte wird aufgrund seiner oft unberechenbaren politischen Vorschläge und seiner „pöbelnden Art“ in den internationalen Medien sehr oft mit dem ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump verglichen. Auch wenn Duterte zwar berüchtigt für seine häufigen Seitenwechsel und Kehrtwenden ist, konnte wohl niemand ernsthaft mit einem so drastischen Kurswechsel rechnen. Um die finanziellen Folgen der weltweit anhaltenden Gesundheitskrise einigermaßen wieder in den Griff zu bekommen, hatte er eine neue Idee und rief unlängst ganz offiziell zum Glücksspiel auf. Auf diese Art und Weise hofft er darauf, mehr Steuern sowie andere Abgaben für die marode Staatskasse zu erzielen. „Zocken gegen die Krise“ ist demnach das neue Motto. Dies verwundert umso mehr, da er vor noch nicht allzu langer Zeit mehrere Tausend Bürgerinnen und Bürger seines Landes wegen Drogenmissbrauchs töten ließ und das Glücksspiel generell verteufelte, wobei es für ihn keine Rolle spielte, ob es sich dabei um das Zocken in stationären Spielbanken handelte, oder um das Spielen in einem Online Casino. Diese grundsätzliche Haltung scheint jedenfalls Schnee von gestern zu sein, denn nun sollen die Karten im wahrsten Sinne des Wortes noch einmal vollkommen neu gemischt werden. Und da Rodrigo Duterte offensichtlich ein Mann der Tat ist, wurde das Zocken kurzerhand legal. Seit wenigen Tagen hat auf den Philippinen niemand mehr etwas zu befürchten, wenn er oder sie eine Spielstätte für das Glücksspiel aufsucht. Schließlich geht es um das höhere Ziel, die arg gebeutelte Staatskasse wieder auf Vordermann zu bringen und der darin herrschenden „notorischen Ebbe“ ein wenig entgegenzuwirken. Damit folgt Rodrigo Duterte dem Vorbild Singapurs. In dem sehr strengen, etwas südlich von Malaysia liegenden Stadtstaat existieren seit kurzem zwei Casinos, obwohl die amtierende Regierung das Glücksspiel ebenso verteufelt, wie es bis vor wenigen Wochen auch noch Duterte tat.

Doch dem Ruf des Geldes folgend stellte sich der philippinische Präsident in Manila seinen Wählern und rief sie auf: „Legt los und spielt! Jetzt, wo wir Geld brauchen, ist es doch das Vernünftigste, solche Aktivitäten zu fördern.“ Nicht bekannt scheint hingegen zu sein, ob er in Zukunft auch plant, den Rauschgifthandel zu legalisieren und entsprechend zu besteuern. Für die Besitzer der Glücksspiel-Unternehmen ist Dutertes Richtungswechsel natürlich ein gefundenes Fressen. Ihre Freude ist durchaus berechtigt, schließlich stiegen ihre Aktien nach dem Aufruf des philippinischen Präsidenten innerhalb kürzester Zeit enorm in die Höhe. Manche Konzerne können sogar 5 bis 7 Prozent mehr verbuchen. Demnach genießt Rodrigo Duterte ganz offensichtlich das volle Vertrauen der Aktionäre, und das, obgleich er seine Meinung ebenso oft und so schnell über den Haufen wirft, wie vor ihm bereits sein ehemaliger Amtskollege im Weißen Haus in Washington. Erst im Jahre 2018 hatte Rodrigo Duterte noch eine Anordnung zu einer Vertragsprüfung verfügt, bei der es sich um ein Casino-Leasing im Wert von 1,5 Milliarden US-Dollar drehte. Über das Ergebnis dieser Prüfung sickerte niemals etwas nach außen, allerdings wurde dieses Casino bis heute nicht eröffnet. Ein Jahr später ging es selbst den staatlichen Lotterien an den Kragen. Duterte bremste sie einfach aus. Im vergangenen Mai sorgte der philippinische Präsident dann für die erste Überraschung in diesem Zusammenhang. Er gestattete die Wiedereröffnung von zwei stationären chinesischen Casino-Betrieben auf philippinischem Boden. Diese Erlaubnis erteilte er inmitten der heftig wütenden weltweiten Gesundheitskrise, aufgrund derer andere Geschäfte und Wirtschaftszweige geschlossen bleiben mussten und die Bevölkerung litt.

Kritik der katholischen Kirche verhallt

Bei den Philippine Offshore Gaming Operators (POG) sind mehrere Hunderttausend Mitarbeiter aus China angestellt, die „... in einem schwer zu durchschauenden Sektor“ beschäftigt sind. Die katholische Kirche, die auf den philippinischen Inseln von Tradition her sehr starken Zuspruch erhält, fragte sich schon im Frühjahr dieses Jahres, wie es denn angehen könne, dass das Glücksspiel auf einmal gestattet sei, aus Sicherheitsgründen jedoch die Heilige Messe unterbunden wird. Der Erzbischof von Ozamis, Martin Jumoad, kritisierte unlängst: „Die Philippinen werden von der einzigen christlichen Nation Ostasiens zum Hauptland des Glücksspiels im Fernen Osten.“ Rodrigo Duterte stellt sich jedoch auf diesem Ohr ganz taub. Er sprach lediglich eine Mahnung aus, dass es nun an den Glücksspiel-Anbietern läge, auch pünktlich und Gewissenhaft ihre Steuern und sonstigen Abgaben an den Staat zu entrichten.