Die Stadt Pforzheim hat eine großartige Idee: Mit einer Lotterie sollen die Schwimmbäder, die vor dem wirtschaftlichen Aus stehen, gerettet werden. Während derzeit überall über Wirtschaftskrisen und Gesundheitskrisen diskutiert wird, scheint in Pforzheim die Bäderkrise das größte Problem zu sein. Der Gemeinderat hat sich deswegen zu einem Konzept durchgerungen, das seit der Vorstellung auf massive Kritik trifft. Worum geht es? Die Stadt Pforzheim will eine Lotterie ausrichten, bei der 100.000 Lose für einen Preis von zehn Euro verkauft werden. Als Hauptgewinn winken 100.000 Euro. Somit blieben 900.000 Euro übrig, die eingesetzt werden könnten, um die Krise der städtischen Bäder wirtschaftlich abzufedern. Das Regierungspräsidium Karlsruhe hat die Idee aber schnell kassiert.

Mit Lotterie jahrelange Bäderkrise in Pforzheim lösen?

Lotterie

Die Stadt Pforzheim braucht Geld, um die städtischen Bäder zu sanieren. Doch woher soll das Geld kommen? Die wirtschaftlich angeschlagenen Kommunen haben vielerorts kein Geld, um Hallenbäder und Freibäder auf einem ordentlichen Niveau zu betreiben. Deswegen ist auf den ersten Blick die Idee, eine Lotterie zu veranstalten, vielleicht gar nicht so schlecht. Aber schon bei der Vorstellung der Idee, die der Gemeinderat ausgetüftelt hat, gab es heftige Kritik. Insbesondere wurde bemängelt, dass die Stadt damit das Glücksspiel fördere. Angesichts der diversen Spielhallen, die es in Pforzheim gibt, ist vielleicht eine etwas seltsame Kritik. Mittlerweile gibt es sogar seriöse Online Casinos in Deutschland, die demnächst eine deutsche Lizenz haben werden. Warum dann gerade eine Lotterie ein Problem sein soll, erschließt sich einem unvoreingenommenen Beobachter nicht unbedingt. Nicht zuletzt ist es lange bekannt, dass es eine große Nachfrage nach Glücksspiel gibt. Warum also nicht diese Nachfrage in eine vernünftige Richtung kanalisieren. Mit einem Lotterielos im Wert von zehn Euro kann sich niemand ruinieren. Aber das Regierungspräsidium Karlsruhe hat die Lotterie schon kurz nach der Vorstellung der Idee kassiert. Die Begründung war bemerkenswert: Es sei nicht Aufgabe von Kommunen, Glücksspiele anzubieten. Zumindest an dieser Stelle ist es schwer, ein Gegenargument zu finden.

Die Idee, öffentliche Aufgaben mit Lotterien zu finanzieren, ist nicht völlig neu. Nicht zuletzt gibt es auch bei den staatlichen Lotterien wie „Lotto 6aus49“ diesen Aspekt. Ein erheblicher Teil der Einnahmen kommt dem Staat in Form von Abgaben und Steuern zugute. Auch der soziale Aspekt ist bei den staatlichen Lotterien abgedeckt. Doch ob es eine gute Idee wäre, Hallenbäder und Freibäder über eine Lotterie zu finanzieren, darf zumindest diskutiert werden. Warum ist der Staat nicht dazu in der Lage, wichtige Freizeiteinrichtungen wie städtische Bäder vernünftig zu finanzieren? Vielleicht wäre es aber auch sinnvoll, die Kunden dieser Bäder mehr zur Kasse zu bitten, um die Angebote auch in Zukunft aufrechterhalten zu können. Warum sollen die zahlreichen Menschen in Pforzheim, die nie eines der Freibäder und Hallenbäder besuchen, für die Finanzierung aufkommen? Am Ende wird es in Pforzheim wahrscheinlich laufen wie in vielen anderen Kommunen in Deutschland: Die Anzahl der Bäder wird reduziert, um den Kostenapparat zu senken. Damit geht am Ende dann wieder ein Stück Kultur verloren, denn die städtischen Bäder sind für viele Menschen wichtig. Nicht zuletzt gibt es auch den gesundheitlichen Aspekt, denn Schwimmen ist eine gesunde Sportart, die Menschen bis ins hohe Alter betreiben können.

Sponsoren aus der Glücksspielbranche für staatliche Bäder?

Vielleicht könnte der eine oder andere Glücksspielanbieter auf die Idee kommen, staatliche Bäder zu fördern. Betreiber von Spielbanken könnten zum Beispiel regelmäßig Spenden abführen, um Hallenbäder und Freibäder zu erhalten. Aber auch Betreiber von Online Casinos könnten sich mit großzügigen Spenden einen guten Namen machen. Allerdings spricht nichts dafür, dass es jemals dazu kommen wird, dass Betreiber von Online Casinos oder Anbieter von Online-Sportwetten als Sponsoren von Hallenbäder oder Freibädern auftreten. Nicht zuletzt würden derartige Vorhaben wahrscheinlich an den zuständigen Kommunen scheitern. Wenn nicht einmal eine harmlose Lotterie in Pforzheim möglich ist, um die städtischen Bäder zu erhalten, wäre ein Sponsorenvertrag mit einem privaten Glücksspielanbieter wohl nicht einmal vorstellbar. Aber am Ende stellt sich dann die Frage, wie die städtischen Bäder in Pforzheim und vielen anderen Kommunen erhalten werden sollen. Irgendjemand wird die Kosten begleichen müssen, die für den Betrieb der städtischen Bäder anfallen.

Das Glücksspiel hat einen seltsamen Ruf, obwohl es sich um eine Branche handelt, die Milliarden umgesetzt und Millionen Menschen in Europa einen Arbeitsplatz bietet. Auch in Deutschland gibt es viele Menschen, die ohne die Glücksspielbranche keine Existenz hätten. Die vielen kleinen Spielhallen-Betreiber und die unzähligen Mitarbeiter in Spielhallen, Spielbanken und großen Glücksspielanbieter wie der Gauselmann-Gruppe sind darauf angewiesen, dass die Glücksspielbranche gut läuft. Die Verteufelung des Glücksspiels ist eine beliebte Beschäftigung von Politikern. Aber am Ende gibt es auch die Realität. Und die Realität sieht so aus, dass die Nachfrage nach Glücksspiel riesig ist und vernünftig kanalisiert werden muss. Warum es möglich ist, in Deutschland, Spielbanken, Spielhallen und Spielbanken zu betreiben, aber keine Lotterie zum Erhalt der städtischen Bäder in Pforzheim auszurichten, wäre eine interessante Frage für Philosophen und Gesellschaftskritiker.