Die Financial Action Taskforce hat Malta in einen Schockzustand versetzt. Seit kurzer Zeit steht Malta auf der grauen Liste und das wirkt sich auch auf die Glücksspielbranche aus. Aktuell arbeitet die Regierung von Malta auf Hochtouren daran, die Einstufung der Financial Action Taskforce rückgängig zu machen. Für Investoren ist die Einstufung der Financial Action Taskforce schon jetzt ein Grund, Zurückhaltung zu üben. Diverse Glücksspielanbieter, die ihren Sitz auf Malta haben, konnten bereits Auswirkungen auf den Aktienpreis feststellen. Aber es gibt zumindest die berechtigte Hoffnung, dass Malta sich aus der schwierigen Situation befreien wird. Eine dauerhafte Einstufung auf der grauen Liste wäre für Malta fatal.

Wie ist Malta auf der grauen Liste gelandet?

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Die Einstufung auf der grauen Liste durch die Financial Action Taskforce ist für Malta eine Überraschung gewesen. Aber zunehmend wird klar, wie es zu dieser Einstufung gekommen ist. Eine große Rolle hat wahrscheinlich gespielt, dass Malta sich zuletzt als „Blockchain“-Insel vermarktet hat. Warum ist das ein Problem? Für die Financial Action Taskforce fangen Probleme immer dann an, wenn Technologien eingesetzt werden, die es den Finanzbehörden schwer oder unmöglich machen, Finanzströme zu kontrollieren. Die Blockchain-Technologie hat genau diesen Ruf, auch wenn es viele sinnvolle Anwendungen gibt. Darüber hinaus könnte es auch eine Rolle gespielt haben, dass die Europäische Union dabei ist, illegale Online-Sportwetten neu zu definieren. Für Malta könnte das dazu führen, dass die Glücksspielanbieter ihre Sportwetten nicht mehr mit einer EU-Lizenz in zahlreichen Ländern der Europäischen Union anbieten könnten. Deswegen gibt es mittlerweile auch Gerüchte, dass Malta auf sein Vetorecht bei der Definition illegaler Sportwetten verzichten muss in der EU, um von der grauen Liste gestrichen zu werden. Allerdings würde Malta damit einen wichtigen Teil des Geschäfts riskieren.

Malta hat in den letzten beiden Jahrzehnten eine große Rolle gespielt beim Ausbau des Online-Glücksspielmarkts in Europa. Ohne die Malta Gaming Authority wäre die Online-Glücksspielindustrie wohl deutlich langsamer gewachsen. Auch in Deutschland wissen viele Glücksspiel-Fans, dass die EU-Lizenz eine große Bedeutung hat. Bis zur Einführung der neuen Glücksspielregulierung durch den Glücksspielstaatsvertrag 2021 galt in Deutschland durchweg, dass Online Casinos mit EU-Lizenzen seriöse Online Casinos sind. Im Kern gilt das auch nach wie vor noch, denn die Lizenzregeln der Malta Gaming Authority haben sich durch die deutsche Glücksspielregulierung nicht verändert. Aber eine Zulassung haben in Zukunft nur noch Online Casinos in Deutschland, die über eine deutsche Lizenz verfügen. Die aktuelle Übergangsregelung macht den Markt etwas unübersichtlich, da viele Anbieter mit EU-Lizenz derzeit auf ihre deutsche Lizenz warten. Doch spätestens bis Ende des Jahres sollte klar sein, dass die deutsche Lizenz maßgeblich ist für Online Casinos in Deutschland. Deutschland ist somit für Malta genauso wie viele andere Länder, zum Beispiel Großbritannien, Schweden, Dänemark oder auch die Niederlande, nicht mehr so interessant wie noch vor einigen Jahren.

Niedrige Steuern wirklicher Grund für graue Liste?

Es gibt bislang keine offizielle Bestätigung, dass die Definition der illegalen Sportwetten in der EU irgendetwas mit der Einstufung von Malta auf der grauen Liste zu tun hat. Vielmehr geht es offiziell darum, dass Malta eine sehr niedrige Steuer für Unternehmen anbietet. Nominell müssen die Unternehmen in Malta zwar 35 Prozent Steuern zahlen. Aber unter bestimmten Voraussetzungen, die in der Praxis von allen Glücksspielanbietern in Malta erfüllt werden, lässt sich die Steuerquote auf fünf Prozent reduzieren. Ein anderes Thema ist, dass Malta in den letzten Jahren Nicht-EU-Bürgern die Möglichkeit gegeben hat, unter bestimmten Voraussetzungen eine EU-Staatsbürgerschaft zu erwerben. In der Regel genügt es, eine große Investition zu machen, zum Beispiel in eine Immobilie. Die Europäische Kommission ist bestrebt, derartige Schlupflöcher für den Weg zur EU-Staatsbürgerschaft zu schließen. Malta muss wahrscheinlich das gesamte Geschäftsmodell überdenken und an wichtigen Stellschrauben drehen, um die Financial Action Taskforce zufriedenzustellen. Eine dauerhafte Einstufung auf der grauen Liste wäre ein riesiges Problem, zumal es immer mehr national regulierte Glücksspielmärkte gibt.

Auf der anderen Seite hat Malta aber das Problem, dass es vermutlich nicht einfach sein wird, den Steuervorteil zu reduzieren oder ganz aufzugeben. Wenn Unternehmen in Malta genauso hohe Steuern bezahlen müssten wie in Deutschland, Spanien oder Frankreich, gäbe es am Ende nicht mehr viele Gründe, den Firmensitz nach Malta zu verlegen. Die EU-Lizenzen verlieren zunehmend ihren Wert und wenn der Standort Malta dann auch noch einen schlechten Ruf hat durch die Einstufung auf der grauen Liste, könnte das wichtige Investoren abhalten. Nicht zuletzt muss Malta auch im Kampf gegen Geldwäsche nach Einschätzung der Financial Action Taskforce deutlich mehr tun. Ansonsten könnte es in den nächsten Jahren zu einem großen Exodus der Glücksspielanbieter kommen. Für Malta ist die Glücksspielbranche von großer Bedeutung. Allerdings sollte niemand die maltesische Regierung unterschätzen. Malta hat durchaus das Potenzial, die Einstufung der Financial Action Taskforce zu verändern. Es deutet aber einiges darauf hin, dass es nicht ausreichen wird, nur ein paar kleine Anpassungen vorzunehmen. Malta muss vieles verändern, und zwar möglichst schnell. Ansonsten könnte die Erfolgsgeschichte des Glücksspielstandorts Malta ein jähes Ende finden.