Am letzten Donnerstag haben 29 Macau-Casinos zumindest teilweise wieder geöffnet. Einige Anbieter warten noch mit der Wiedereröffnung. Aufgrund der Verbreitung hatte Macau als Vorsichtsmaßnahme sämtliche Casinos schließen lassen. Die Wiedereröffnung ist zunächst freiwillig. Allerdings deutet einiges darauf hin, dass die Wiedereröffnung zu früh gekommen ist, auch wenn einige Besucher schon wieder an den Spielautomaten und den Spieltischen aktiv sind.

Nur wenige Besucher in den Macau-Casinos

Macao Plaza HotelNach der Wiedereröffnung in der letzten Woche durften sich die Macau-Casinos keineswegs über einen großen Besucherstrom freuen. Nachdem die Casinos 15 Tage lang schließen mussten, war es nicht so, dass zahlreiche Glücksspiel-Fans vor den Türen warteten. Auch nach einigen Tagen hat sich die Situation längst nicht normalisiert. Die meisten Casinos beklagen einen immensen Besucherrückgang. Das ist allerdings auch verständlich, denn derzeit dürfen die Kunden die Macau-Casinos nur besuchen, nachdem die Körpertemperatur gemessen wurde. Zudem ist das Tragen einer Atemschutzmaske Pflicht. Darüber hinaus müssen die Besucher eine Erklärung unterzeichnen, dass sie bestimmte gesundheitliche Vorgaben erfüllen. Vor allem durch die Atemschutzmasken ist aktuell eine sehr seltsame Atmosphäre in den Macau-Casinos. Neutrale Beobachter könnten sich auch an einen Horrorfilm erinnert fühlen. Ein akutes Problem ist allerdings derzeit gar nicht vorhanden, denn bislang wurde in keinem Macau-Casino eine Infektion nachgewiesen. Doch die Angst vor der Erkrankung ist hoch. Die Schließung der Macau-Casinos erfolgte, weil ein Casino-Mitarbeiter sich mit typischen Grippe-Symptomen krankmelden musste. Der Verdacht hat sich zwar nicht bestätigt, aber seit der Schließung der Casinos geht die große Angst in Macau um. Für Unerschrockene gibt es aktuell die Möglichkeit, alle großen Casinos nach Lust und Laune zu nutzen. Wer das Grand Lisboa und all die anderen Top-Casinos einmal in aller Ruhe und ohne Menschenmengen erleben möchte, ist jetzt genau richtig in Macau. In den meisten Casinos ist die Situation wie folgt: Am Eintritt gibt es keine Schlangen und an vielen Tischen warten Casino-Mitarbeiter auf Kunden. Die Casino-Hallen sind so leer wie noch nie. Das wird sich wahrscheinlich auch nicht besonders schnell ändern, denn die Angst dürfte noch eine ganze Weile bestehen bleiben. Die momentane Lage greift um sich und aktuell sieht es nicht danach aus, als ob Macau komplett verschont würde. Fakt ist, dass aktuell viele Besucher vom Festland nicht nach Macau kommen, zumal auch viele Verkehrswege gesperrt sind.

Gondeln und andere Attraktionen bleiben ungenutzt

Das berühmte Venetian Casino in Macau hat auch wieder geöffnet. Die Gondolieri sind schon wieder unterwegs, aber es fehlt an Gästen. Insgesamt ist das Casino-Viertel im Macau derzeit in einem traurigen Zustand. Die wirtschaftlichen Auswirkungen für die Casino-Betreiber, aber auch für Macau insgesamt sind immens. Die großen Casino-Konzerne, die in Macau aktiv sind, können den Abschwung wahrscheinlich relativ gut verkraften, da genügend finanzielle Ressourcen vorhanden sind. Aber für Macau könnte das zu einem echten Albtraum werden. Ein großer Teil des Staatshaushaltes wird durch die Steuerannahmen, die mit den Casinos generiert werden, abgedeckt. Wenn die Macau-Casinos auch in den nächsten Monaten weit unter dem üblichen Durchschnitt beim Umsatz bleiben, wird sich das unweigerlich auf den Haushalt der Stadt auswirken. Richtig dramatisch könnte es werden, wenn in den Macau-Casinos nicht nur Angst herrscht, sondern eine echt seltsame Situation im Macau ausbricht. Derzeit gibt es noch die Chance, dass Macau verschont bleibt, jedenfalls vom ganz großen Fiasko. Aber das kann sich jederzeit ändern, denn das scheint unberechenbar zu sein. Im Moment gehen nur die völlig unerschrockenen Glücksspiel-Fans in die Macau-Casinos. Es gibt zwar viele Vorsichtsmaßnahmen, aber diese Vorsichtsmaßnahmen können für sich gesehen auch wieder abschreckend wirken. Beispielsweise haben viele Casinos zusätzliche Mitarbeiter eingestellt, um die Chips regelmäßig zu reinigen. Die Dealer müssen zudem jeweils nach ein paar Runden ihre Hände mit einem Desinfektionsmittel reinigen. Für sich genommen sind das sicher sinnvolle Maßnahmen, aber wer möchte schon in einem Casino unterwegs sein, in dem die Angst vor gesundheitlichen Schwierigkeiten ständig präsent ist? Die meisten Glücksspiel-Fans gehen in ein Casino, um die Mühen des Alltags zu vergessen. Wenn das dann aber ständig  als Bedrohung vorhanden ist, geht der Spaßfaktor in den Keller. Wahrscheinlich wäre es besser gewesen, die Macau-Casinos noch eine Weile geschlossen zu halten. Die aktuelle Situation trägt nicht unbedingt dazu bei, dass mehr Glücksspiel-Fans in die Casinos gehen werden. In einigen Casinos sind die Betriebskosten wahrscheinlich höher als die Einnahmen im Moment.

Risiko einer Ansteckung wahrscheinlich gesunken

Derzeit gibt es noch keine hohen Fallzahlen in Macau. Da vom chinesischen Festland relativ wenige Menschen derzeit überhaupt nach Macau kommen, um die Casinos zu besuchen, ist es möglich, dass die Gesundheitslage weitgehend an Macau vorbeizieht. Da im Zweifel aber ein einzelner Erkrankte ausreicht, um eine instabile Gesundheitslage auszulösen, gibt es keine Sicherheit. Trotzdem ist das Risiko deutlich geringer als noch vor ein der Schließung der Casinos. Insofern gibt es durchaus Argumente für die Wiedereröffnung der Casinos. Eine ganz andere Sache ist aber die Stimmung, die derzeit in Macau und vielen anderen asiatischen Regionen vorhanden ist. Generell lässt sich im Moment beobachten, dass der asiatische Wirtschaftsraum eine tiefe Talsohle ansteuert. Die Angst trägt dabei mindestens genauso viel zu den Problemen bei wie die tatsächlichen Auswirkungen der momentanen Lage. In den Macau-Casinos geht es aktuell nicht um eine faktisch vorhandene und nachgewiesene Gefahr, sondern um die Angst vor einer möglichen Gefahr. Für die über 57.000 Menschen, die in den Macau-Casinos beschäftigt sind, ist die aktuelle Situation schwierig. Auf der einen Seite gibt es für viele Menschen ein Problem, dass es derzeit nicht möglich ist, zu arbeiten. In Macau ist die soziale Absicherung deutlich schlechter als in den meisten europäischen Ländern, sodass in vielen Fällen keine Lohnfortzahlung während der Schließung stattfindet. Auf der anderen Seite haben viele Casino-Mitarbeiter aber auch Angst, an ihren Arbeitsplatz zurückzukehren. Derzeit werden Stimmen laut, die Mitarbeiter in den Casinos noch stärker zu schützen. Ein Vorschlag: Die Mitarbeiter im direkten Kundenkontakt sollen Handschuhe tragen. Atemschutz und Handschuhe? Wenn die Situation sich weiter verschärft, können die Macau-Casinos demnächst nahtlos im Notfall-Krankenhäuser umgewidmet werden. Schon jetzt drängt sich der Eindruck auf, dass einige Casinos so etwas wie Quarantäne-Stationen sind. Die Situation ist mehr als unschön und es bleibt zu hoffen, das Macau am Ende weitgehend verschont bleibt. Das wäre nicht nur für die Glücksspiel-Fans ein großer Gewinn.