Jetzt ist er da: Der neue Name. Unter „Casino 96“ wird die Spielbank nun firmieren, die ursprünglich als „Casino Balzers“ beworben wurde. Der Gemeinderat eines beschaulichen Städtchens im Fürstentum Liechtenstein hatte dem neuen Casino, das in der dortigen Fabrikstraße errichtet worden war, im Juli dieses Jahres untersagt, im Firmennamen den Ortsnamen zu verwenden – und zwar im Schrift- wie auch im Sprachgebrauch. Der Betreiber des Glücksspielunternehmens, die Casinos Austria AG (CASAG), war somit gezwungen, sich nach einem neuen Namen umzusehen. Die Suche gestaltete sich gar nicht so einfach, doch inzwischen konnte eine Einigung erzielt werden, wie Pressesprecher Martin Frommelt bestätigt: „Das Casino wird Casino 96 heißen“. Deutlich wird dies bereits im Logo und dem Schriftzug der neuen Spielbank.

Mit neuem Konzept auf Gästefang

RouletteFür Außenstehende wirkt der Name „Casino 96“ zunächst ein wenig befremdlich. Insbesondere die Zahl 96 scheint auf den ersten Blick eine Reihe von Fragen aufzuwerfen. Handelt es sich dabei um eine Jahreszahl? Zeigt die 96 die Anzahl der Spielgeräte an, die in dem Casino zur Verfügung stehen? Ist es das 96te Casino der CASAG, das seine Tore öffnet? Fragen über Fragen! Dabei ist die Antwort relativ einfach. Die Zahl steht in Bezug zur Postleitzahl der Gemeinde Balzers: 9496. Zudem soll durch diesen Namen zum Ausdruck gebracht werden, dass in dieser Spielbank ein vollkommen anderes moderneres Konzept zum Tragen kommt, als das, was die Besucher langläufig erwarten, erklärt Martin Frommelt: „Das Interieur in Balzers gibt es in dieser Form bei keinem anderen Casino“. Dass der Gemeinderat vor einigen Monaten entschieden hatte, die Verwendung des Ortsnamens im Firmennamen nicht zuzulassen, beeindruckte den Betreiber nicht sonderlich. Die Casinos Austria AG nahm den Entscheid kommentarlos hin und reagierte gelassen. Für eine Überraschung sorgten dann die zahlreichen positiven Rückmeldungen zu dem neuen Namen aus der Gemeinde selbst. „Wir haben so viele Inputs für den neuen Namen bekommen – das war wirklich eine schöne Überraschung und wir bedanken und bei allen, die sich an uns gewandt haben“, freut sich Martin Frommelt.  Inzwischen steht die offizielle Eröffnung des neuen Liechtensteiner Casinos kurz bevor. Die CASAG hegt die Hoffnung, dass noch im September die ersten Besucher über die Schwelle des „Casino 96“ treten werden.

Bürgerinitiative kämpfte gegen des Bau des Casinos in Balzers

„Las Vegas in den Alpen“ titelte die internationale Presse angesichts der „drohenden“ Casino Schwemme im beschaulichen Fürstentum Liechtenstein. Über mehr als 150 Jahre war der Zwergstaat stark katholisch geprägt, was dazu führte, dass das Glücksspiel generell verboten war. Ab 2015 wurde das Geldspielgesetz durch einen Schulterschluss der Regierung und des Landtags mit dem Fürstenhaus gelockert. Mit auf den Weg gebracht hatte diesen Schulterschluss Martin Meyer, der ehemalige Wirtschaftsminister der Landes, der sein Amt noch bis 2013 inne hatte. Auch nachdem er sich vor sieben Jahren aus der Politik zurückzog, hat er beim Thema Glücksspiel nach wie vor ein gewichtiges Wort. Aber das ist noch nicht alles. Martin Meyer zeichnet bereits seit langem für die ITW-Immobiliengruppe verantwortlich und profitiert in dieser Eigenschaft natürlich enorm von dem aktuellen Casino Boom.  Schon zwei Jahre nach dem Schulterschluss öffnete die erste Spielbank in Liechtenstein ihre Pforten. Standort des Casinos Admiral war die 2.300 Einwohner zählende Ortschaft Ruggel. Im gleichen Jahr entstand in Schaanwald eine weitere Spielstätte, die seither nicht nur lokale, sondern auch etliche internationale Gäste empfängt. Dass sich Liechtenstein zu einem „Spieler-Mekka Europas“ entwickeln könnte, fürchtete insbesondere ein großer Teil der 38.000 Einwohner des kleinen Alpenstaats. Gerade in Balzers hatten die Verantwortlichen gegen einen heftigen Widerstand der Bevölkerung zu kämpfen. Einige Widerständler hatten eine Bürgerinitiative ins Leben gerufen, zogen in die Hauptstadt Vaduz und reichten dort sogar Klage ein. Schon am ersten Verhandlungstag wurde deutlich, dass weder die Casino-Gegner noch die Casino-Befürworter die sprichwörtlichen Samthandschuhe bei ihrer Argumentation trugen. Die Seite der Gegner trug eine Reihe von Forderungen vor, die die Gegenseite mit drohenden Schadensersatzklagen beantwortete.

Markt regelt sich von allein

Dass der Casino Boom Auswirkungen auf das Image Liechtensteins haben könnte, fürchten einige Finanzexperten. Mit einem großen Kraftakt hatte sich das Fürstentum gerade erst von den Skandalen der jüngeren Vergangenheit befreien können. Es kostete den Zwergstaat sehr viel Mühe den Ruf abzuschütteln, ein Steuer- und Geldwäsche-Paradies zu sein. Das ist schließlich noch gar nicht so lange her. Inzwischen ist der Alpenstaat weitgehend rehabilitiert und bemüht sich um einen internationalen Austausch von „Informationen über steuerrelevante Einkünfte ausländischer Anleger“. Gesandte der Liechtensteiner Banken und der Regierung reisten rund um die Welt, „... um auch noch die letzten Skeptiker davon zu überzeugen, dass Liechtenstein mittlerweile „sauber“ ist“. Pressemeldungen über ein „Alpen-Las Vegas“ schienen diesem Image-Wandel nicht gerade zuträglich zu sein. Das Fürstenhaus reagierte hingegen offener. Hans-Adam II. ist der aktuelle Landesfürst. Er legte noch vor kurzem ein eindeutiges Statement ab: Die Leute, die spielen wollen, werden spielen - ob nun hier in einem Casino oder irgendwo anders. Ich sehe hier kein riesiges Problem." Damit machte er deutlich, dass es in seinen Augen keine Rolle spielt, ob in seiner Heimat nun zwei, drei oder zehn Casinos ihre Pforten öffnen. Den Befürwortern des Glücksspiels spielte diese Aussage des Monarchen natürlich in die Hände. Schon lange werfen sie den Casino-Gegnern vor, mit „Vehemenz die Moralkeule zu schwingen". Und das, obwohl sich der Markt aller Voraussicht nach von ganz allein regeln wird.