Der schwedische Zahlungsanbieter bietet seine Dienstleistungen auch für seriöse Online Casinos an. Zahlreiche populäre Betreiber wie betsson, Lapalingo, LeoVegas und viele andere vertrauen auf den 2005 gegründeten Zahlungsanbieter, der zu den wertvollsten europäischen Start Ups im Bereich Finanzen gehört. Dies belegen weltweit mehr als 80 Millionen Kunden und darüber hinaus eine Marktbewertung, die sich bei gut fünf Milliarden Euro bewegt. Inzwischen zählen auch Kreditkarten und Spareinlagen zum Angebot des FinTechs, Girokonten und ein Klarna Online Ökosystem sind in Planung. „Wir sind ein Mischmasch und versuchen, uns von überall das Beste zu holen," äußerte sich jüngst Cheng-Chieh Chen, der Chef von Klarna Österreich, über das aktuelle Geschäftsmodell. Er sprach mit einem führenden Wirtschaftsmagazin über die Folgen der anhaltenden Gesundheitskrise, das Zahlen ohne Bargeld und über den Rapper Snoop Dogg. Seine Einschätzungen wollen wir Ihnen keinesfalls vorenthalten.

Schweden läutet den Abschied vom Bargeld ein

KlarnaAls einen klaren, bzw. typischen Krisen-Gewinner sieht Cheng-Chieh Chen Klarna nicht, auch wenn der Online Handel gerade in den vergangenen sechs Monaten einen wahren Schub erfahren hat. Der Erfolg eines Zahlungsdienstleisters lässt sich ja auch nur an der Entwicklung der kooperierenden Händler messen, gibt er zu bedenken, und insbesondere die Tourismus- und Ticketverkauf-Branche gehören zu den Bereichen des E-Commerce, die extrem unter der Krise zu leiden hatten und auch noch haben. Zuwachs gab es hingegen im Einzelhandel - und zwar um 30 bis 40 %. Zahlreiche Transaktionen verzeichneten auch die Lebensmittelhändler, Online Casinos und Lieferdienste. Viele Menschen begaben sich in eine Art freiwillige Quarantäne, arbeiteten im Homeoffice und mieden es, das Haus oder die Wohnung zu verlassen. Die Online Essensbestellungen nahmen deutlich zu und Geldtransferunternehmen verzeichneten hohe Zuwächse. Obwohl die Kurve aktuell wieder abflacht, gehen Essenlieferdienste „...allerdings immer noch durch die Decke“, stellt Cheng-Chieh Chen fest. Auch vollkommen neue Kundenschichten wurden angesprochen, bestätigt der Klarna-Österreich-Chef und fügt hinzu: „Gerade auch unter der Generation der über 60-Jährigen. Sie haben gemerkt, dass es viele Vorteile mit sich bringt online einzukaufen. Auch die Akzeptanz bargeldloser Zahlungen ist mit Corona gestiegen. In Schweden wird bereits der Abschied vom Bargeld eingeläutet. Schweden ist fünf bis zehn Jahre voraus. Dort gibt es eine andere Kultur und eine andere Denkweise, was die Bezahlung angeht. Aufgrund von Corona hat sich das aber auch hierzulande verändert. Auf Null kommen wird das Bargeld vermutlich nie, aber die Gesellschaft wird bargeldloser.“

Mit Klarna App zum Shopping Browser

In erster Linie spricht Klarna eine eher jugendliche Zielgruppe an, die unter den wirtschaftlichen Auswirkungen der Krise am stärksten zu leiden hat. Für den Konsum scheint dies jedoch bisher noch keine negativen Konsequenzen zu haben, hebt Cheng-Chieh Chen hervor. Aktuell ist noch kein Rückgang festzustellen. Allerdings stellt er sich die Frage, wie sich die Situation zukünftig entwickelt und ob es auch weiterhin bei der Zahlungskräftigkeit der Konsumenten bleibt. Selbstverständlich bietet das Unternehmen auch Zahlungsaufschub und Ratenzahlung an. „Uns ist es sehr wichtig, dass die Leute ihr Geld verantwortungsbewusst ausgeben. Deswegen führen wir sehr strenge Prüfungen durch, um das Risiko für den Kunden und für uns abzuschätzen. Das heißt auch, dass nicht alle unseren Service nutzen können. Wir sind an einer langfristigen, positiven Beziehung mit unseren Kunden interessiert,“ sagt Cheng-Chieh Chen und weist darauf hin, dass der Konzern „das Einkaufserlebnis verstärkt mitgestalten und ein Öko Shopping System schaffen“ will. In diesem Zusammenhang erklärt die sogenannte Klarna App. Sie „...wird Nutzern künftig nicht nur ermöglichen die Übersicht über Einkaufsaktivitäten zu behalten und Zahlungen zu tätigen und zu konfigurieren, sondern auch immer mehr Inspirationsquelle für Neues werden. Wir arbeiten derzeit intensiv an vielen neuen Features, wodurch Klarna immer mehr zu einem Shopping-Browser werden wird.“

FinTechs und die Konsolidierung im traditionellen Bankgeschäft

Weitere wesentlich Punkte die Klarnas Österreich-Chef anspricht sind das ständige Hinterfragen des Status Quo sowie das Verbessern und Erweitern der sogenannten Wertschöpfungskette, selbst wenn der Zahlungsdienstleister vermutlich niemals sämtliche Facetten eines „normalen“ Bankgeschäfts abdecken wird. Dazu gehört u.a. auch die Einrichtung von Girokonten, Kreditkarten und Spareinlagen, was in einigen Ländern bereits möglich ist. Auch für Österreich prognostiziert Cheng-Chieh Chen eine solche Entwicklung, da sie zu den klassischen Methoden gehört, um neue Kunden zu werben. Nähere Details dazu will und kann er allerdings noch nicht benennen. Auch zur Konkurrenzsituation mit anderen FinTechs wie beispielsweise Revolut oder N24 äußert er sich nicht konkret: „Wir sind derzeit auf einer spannenden Reise von einem reinen Zahlungsanbieter hin zu einem globalen Shopping-Ökosystem, bauen entsprechende Produkte und haben dadurch eine ziemlich einzigartige Positionierung am Markt. Wir haben Respekt für das, was diverse Neo-Banken in den letzten Jahren erreicht haben, denn sie verfolgen letztendlich das gleiche Ziel wie wir: Prozesse für den Endverbraucher radikal zu vereinfachen.“ Für traditionelle Banken hingegen sieht er schwarz. Einige wenige von ihnen wird es nach seiner Einschätzung auch noch in 15 oder 20 Jahren geben, der Rest wird „baden gehen“. „Am Ende werden diejenigen überleben, die gute, Mehrwert-stiftende, digitale Lösungen anbieten und auf die konkreten Bedürfnisse der Kunden eingehen. Aber ein großer Umbruch in der Finanzbranche und eine Konsolidierungsphase sind unausweichlich.“ Auch in der FinTech Branche erwartet er eine Konsolidierung, zumindest in einzelnen Bereichen, allerdings deutlich schwächer, als im traditionellen Bankgeschäft.

Snoop Dogg an Klarna beteiligt

In puncto Werbung hat sich Klarna eindeutig positioniert. Sie zielt auf eine junge Zielgruppe, was durch das PR-Engagement von Rapper Snoop Dogg noch einmal verdeutlicht wird. Der Musiker ist seit kurzem - by the way - sogar an Klarna beteiligt. „Wir adressieren nicht nur Millennials oder Jüngere, sondern decken viele Altersgruppen ab. Snoop Dogg hat uns viel Aufmerksamkeit gebracht, vor allem im angelsächsischen Raum. Unsere Markenbekanntheit ist aber auch hier gestiegen. Snoop hat uns einen Schritt weitergebracht, auch in Österreich.“ Abschließend äußert sich Cheng-Chieh Chen noch über die neuesten Trends im Bereich der Finanzprodukte. Alles deutet darauf hin, sagt er, dass der Trend sich ganz klar „weg von der Kreditkarte“ bewegt, da insbesondere eine jüngere Generation sich Ungebundenheit und mehr Flexibilität wünscht. „Sie will keine monatlichen Fix-Zahlungen. In den USA und Großbritannien, wo das Zahlen per Rechnung nie ein Thema war, ist es jetzt eines. Die Jungen wollen, was Finanzen angeht, flexibel sein.“