Im Kanton Zürich wird es demnächst wieder Spielautomaten geben. Das neue Geldspielgesetz macht dies möglich. Überwältigende 65 Prozent der Wahlberechtigten haben sich dafür ausgesprochen, Spielautomaten wieder in Spielsalons, Bars und Restaurants zuzulassen. Schon seit langer Zeit gibt es im Kanton Zürich keine Spielautomaten mehr. Aber das wird sich nun ändern. Das neue Geldspielgesetz ist basisdemokratisch beschlossen worden und macht es in Zukunft wieder möglich, in Restaurants, Bars und klassischen Spielsalons Spielautomaten anzubieten. Allerdings werden die neuen Spielautomaten nicht mehr so aussehen wie die Geräte, die früher in Zürich angeboten wurden. Vielmehr soll es sich um Geschicklichkeitsspiele mit einem hohen Glücksfaktor behandeln.

Glücksspiel-Fans in Zürich können aufatmen

Casino Spielautomaten

Was ist der Unterschied zwischen einem Geldspielgerät und einem Geschicklichkeitsspiel im Sinne des neuen Gesetzes? Bei einem Geldspielgerät ist die Auszahlungsquote immer gleich und der Zufall allein entscheidet darüber, ob und wann ein Gewinn entsteht. Bei einem Geschicklichkeitsspiel hat der Spieler Einfluss darauf, wie hoch die Auszahlungsquote ist. Unter dem Strich verdient aber selbstverständlich der Anbieter des Spielautomaten am Ende immer Geld, sodass die Auszahlungsquote im statistischen Durchschnitt immer unter 100 Prozent liegt. Die Wahlberechtigten im Kanton Zürich haben sich von den Argumenten der Befürworter des neuen Gesetzes überzeugen lassen. Insbesondere hätte eine Weiterführung des Verbotes von Spielautomaten auch dazu geführt, dass auch die Online-Spielautomaten von der Bildfläche verschwunden wären. Die EVP hatte sich vor der Abstimmung klar gegen das neue Geldspielgesetz gestellt. Das Ergebnis muss somit als deutliche Niederlage gewertet werden. Offenbar haben die Bürger in Zürich ein gutes Gespür dafür, dass es keine gute Idee ist, Glücksspiele rigoros zu verbieten. Allerdings gab es auch einige seltsame Argumente in den Debatten zum neuen Gesetz. Beispielsweise wurde behauptet, dass die Einnahmen, die mit den Spielautomaten auch für den Staat entstehen, dringend nötig sein, um Präventionsarbeit zu leisten. Ob das wirklich eine schlüssige Argumentation ist, darf bezweifelt werden.

Allerdings konnten die Befürworter belegen, dass in anderen Kantonen in der Schweiz die nun neu erlaubten Spielautomaten nicht zu deutlich größeren Problemen bei Spielern geführt haben. Insofern haben sich die Bürger in Zürich vor allem dafür entschieden, zusätzliche Einnahmen in die Kantonskasse zu bekommen. Ganz nüchtern betrachtet wäre es in der heutigen Zeit wohl auch unsinnig, Spielautomaten in Restaurants, Bars und Spielsalons zu verbieten, wenn gleichzeitig Spielautomaten in Online Casinos angeboten werden können. Aber in der Schweiz werden alle wichtigen Entscheidungen direkt von den Bürgern getroffen, sodass bis zuletzt nicht klar war, ob das Geldspielgesetz geschlossen würde. Für die Casino-Fans im Kanton Zürich wird es in Zukunft wieder mehr Möglichkeiten geben, ihrer Leidenschaft nachzugehen. Zudem werden auch die schweizerischen Online Casinos immer besser, sodass es zumindest im Kanton Zürich in Zukunft online und offline eine gute Auswahl für Glücksspiel-Fans gibt.

Spielautomaten-Verbot auch in Deutschland denkbar?

Der Blick auf die aktuelle Entwicklung im Kanton Zürich bezüglich der Spielautomaten sorgt aus deutscher Perspektive vor allem für Stirnrunzeln. Kann es wirklich sein, dass Spielautomaten komplett verboten werden? In Zürich war das jedenfalls lange Zeit der Fall. In Deutschland gibt es bislang kein einziges Bundesland, das Spielautomaten online oder offline verbietet. Aber es gibt in einigen Bundesländern das Bestreben, die Anzahl der verfügbaren Spielhallen und damit auch der verfügbaren Spielautomaten zu reduzieren. Das gilt selbstverständlich aber nur für das Offline-Angebot. Die Online-Spielautomaten sind nicht betroffen. In Deutschland wird es schon ab dem 1. Juli 2021 Spielautomaten im Internet unter deutscher Lizenz geben. Gleichzeitig haben unter anderem Baden-Württemberg und Mecklenburg-Vorpommern angekündigt, die Anzahl der Spielhallen wesentlich zu reduzieren. Ob sich die gleichzeitige Zustimmung zum Online-Glücksspiel und Ablehnung des Offline-Glücksspiels logisch begründen lässt, kann an dieser Stelle nicht weiter erörtert werden. Fakt ist aber, dass es in Deutschland viele Glücksspiel-Fans geben wird, die in Zukunft fast nur noch die Möglichkeit haben werden, online zu spielen.

Allerdings ist noch völlig unklar, wie gut die Regulierung des Online-Glücksspiels funktionieren wird. Deutschland führt zum ersten Mal mit dem neuen Glücksspielstaatsvertrag eine Regulierung der Online Casinos ein. Besonders wichtig ist natürlich, dass gleich auch die passende Glücksspielsteuer eingeführt worden ist. Ab dem 1. Juli 2021 müssen die Glücksspielanbieter von jedem Einsatz der Kundschaft eine Steuer in Höhe von 5,3 Prozent abziehen und an den Staat abführen. Die neue Glücksspielsteuer und weitere Details der neuen Glücksspielregulierung sind unter Experten umstritten. Aber anders als in der Schweiz haben in Deutschland die Bürger keine Möglichkeit, direkt auf die Gesetzgebung einzuwirken. Deutschland ist eine repräsentative Demokratie und deswegen haben sich die Vertreter der Bundesländer im letzten Jahr auf eine mehr oder weniger guten Kompromiss zum neuen Glücksspielstaatsvertrag geeinigt. Wie gut dieser Kompromiss am Ende in der Praxis funktionieren wird, ist eine ganz andere Frage. Aber vielleicht wäre es auch in Deutschland keine schlechte Idee, die Bürger darüber zu entscheiden lassen, was beim Glücksspiel online und offline geht. Aktuell drängt sich leider der Eindruck auf, dass in Deutschland Ideologie oft mehr zählt bei Glücksspielgesetzen als Pragmatismus.