Die Spielerschutz-Organisation GambleAware hat einen neuen Ratgeber vorgestellt, der auf einem aktuellen Bericht des Behavioural Insights Teams basiert. Mit diesem Ratgeber können Glücksspielanbieter den Spielerschutz weiter optimieren. Vor allem geht es darum, die Problemspieler vor sich selbst zu schützen. Um das in der Praxis zu schaffen, ist es wichtig, dass immer wieder untersucht wird, wie sich die Problemspieler erhalten. Auf dieser Basis ist es möglich, zielgenaue Spielerschutz-Maßnahmen umzusetzen. Eine wichtige Erkenntnis aus dem aktuellen Ratgeber von GambleAware: Bei vielen Spielern, die Problem entwickeln, gibt es klare Signale, die ein Glücksspielanbieter erkennen und nutzen kann für gezielte Spielerschutz-Maßnahmen.

Neuer Spielerschutz-Ratgeber von GambleAware überzeugt

Spielerschutz Online Casino

GambleAware hat einen umfassenden Report erstellt auf der Basis von unterschiedlichen Datenquellen. Unter anderem hat GambleAware auch anonymisierte Bankdaten zur Verfügung gestellt bekommen, um gezielt zu erforschen, wie sich Spieler verhalten, die später Probleme entwickeln. Dabei ist unter anderem aufgefallen, dass viele Spieler, die über einen langen Zeitraum ganz normale Transaktionen machen, plötzlich dazu tendieren können, sehr viele Transaktionen innerhalb kurzer Zeit zu tätigen. Aus einem Gelegenheitsspieler, der hin und wieder eine Einzahlung in einem Online Casino macht, kann durch diverse Umstände ein Problemspieler werden. Das ist lange bekannt, doch für die Glücksspielanbieter ist es wichtig, das Problem zu erkennen, bevor ein großer Schaden entsteht. In Zukunft könnte es auf der Basis des Spielerschutz-Ratgebers von GambleAware zum Beispiel sinnvoll sein, die Anzahl der Transaktionen gezielt zu überwachen. Wenn sich die Anzahl der Transaktionen innerhalb kurzer Zeit ohne nachvollziehbaren Grund erheblich erhöht, wäre es zum Beispiel sinnvoll, Kontakt zum Kunden aufzunehmen, um die Hintergründe zu klären. Nicht immer muss ein Problem entstehen. Manchmal gibt es auch gute Gründe dafür, dass ein Spieler mehrere Einzahlungen innerhalb kurzer Zeit macht.

Auch die Höhe der Einzahlungen muss berücksichtigt werden bei Analysen. Wenn Spieler plötzlich deutlich mehr einzahlen als in den Monaten oder Jahren zuvor, kann das ein Hinweis darauf sein, dass ein Problem entsteht. Vielleicht hat der Spieler aber auch nur durch besondere Umstände deutlich mehr Geld zur Verfügung als früher. Wenn beispielsweise ein Lottomillionär plötzlich anfangen würde, um höhere Beträge zu spielen, wäre das nicht unbedingt ein Problem. Die entscheidende Frage ist immer: Schadet sich ein Spieler durch sein Verhalten selbst? Solange es beim Glücksspiel nur um harmloses Freizeitvergnügen geht, ist das nicht der Fall. Aber wenn Spieler anfangen, Geld einzusetzen, das im Alltag plötzlich für wichtige Dinge wie Lebensmitteleinkäufe fehlt, ist das ein riesiges Problem. Die Glücksspielanbieter können sich in der heutigen Zeit nicht mehr leisten, Problemspieler zu ignorieren. Das ist auch gut so, denn nicht nur die Spieler müssen sich verantwortungsbewusst verhalten. Auch die Glücksspielanbieter müssen ihren Beitrag dazu leisten, dass Problemspieler keine Chance in seriösen Online Casinos haben. In Deutschland wird die neue Glücksspielregulierung allerdings einen erheblichen Beitrag dazu leisten, dass zumindest in den Online Casinos mit deutscher Lizenz Problemspieler kaum noch eine Chance haben.

Besserer Spielerschutz durch neuen Glücksspielstaatsvertrag

Der Spielerschutz-Ratgeber von GambleAware könnte auch für Glücksspielanbieter in Deutschland interessant sein. Allerdings gilt in Deutschland seit dem 1. Juli 2021 eine Glücksspielregulierung, die es den Problemspieler ohnehin schwer macht, in regulierten Online Casinos großen Schaden anzurichten. Es gibt ein Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat. Demnächst soll es war möglich sein, dieses Einzahlungslimit auf 10.000 Euro oder sogar 30.000 Euro zu erhöhen. Aber das wird nur möglich sein, wenn der Spieler dazu in der Lage ist, entsprechende finanzielle Mittel zu belegen. Ein ganz normaler Arbeitnehmer mit einem Durchschnittsgehalt wird keine Chance haben, ein Einzahlungslimit von 10.000 Euro oder 30.000 Euro zu bekommen. Ein Einzahlungslimit von 1.000 Euro ist für einen Normalverdiener immer noch hoch. Aber mit diesem Limit wird zumindest verhindert, dass ein großer Schaden angerichtet wird. Zudem müssen die Casino-Betreiber in Deutschland Spielerschutz auf hohem Niveau umsetzen und gegebenenfalls auch Spieler sperren. Nicht zuletzt gibt es eine Spielersperrdatei in Deutschland, die es den Spielern ermöglicht, sich selbst in allen Online Casinos mit deutscher Lizenz auszusperren. Auch das ist ein wichtiges Detail beim Spielerschutz.

Allerdings hat die deutsche Glücksspielregulierung eine entscheidende Lücke: Berücksichtigt werden selbstverständlich beim Spielerschutz nur die Online Casinos, die sich an die deutschen Spielregeln halten und eine Lizenz beantragen oder bereits eine Lizenz bekommen haben. Für Problemspieler, die um jeden Preis spielen möchten, wird es auch in Zukunft Möglichkeiten geben, jenseits der regulierten Glücksspielanbieter Online Casinos zu finden, die deutsche Kunden annehmen. Im Moment deutet jedenfalls nicht darauf hin, dass Deutschland es schafft, den Schwarzmarkt wirkungsvoll zu begrenzen. Dabei wäre gerade das ein erheblicher Beitrag zum Spielerschutz. Wenn die deutschen Glücksspiel-Fans im Internet ausschließlich die Möglichkeit hätten, in Online Casinos zu spielen, in denen die neue deutsche Glücksspielregulierung umgesetzt wird, wäre das ein erheblicher Fortschritt. Der Spielerschutz ist ein komplexes Thema. Es ist wichtig, dass sich Organisationen wie GambleAware regelmäßig darum kümmern, den Spielerschutz zu verbessern. Aber noch wichtiger ist, dass eine vernünftige Glücksspielregulierung vorhanden ist, die gegebenenfalls auch mit repressiven Maßnahmen durchgesetzt wird. Ob das in Deutschland der Fall ist, muss sich in den nächsten Monaten und Jahren zeigen.