Sie sind nicht die Einzigen, und sie zählen damit auch nicht zu den „systemrelevanten“ Betrieben in Deutschland. Die Rede ist von Spielhallen. Neben vielen anderen Branchen, wie der Gastronomie, der Veranstaltungsbranche, Künstlern und Kosmetikern oder auch Theater und Kinos, sind sie durch die Schließung während des ersten Lockdowns und des jetzigen Lockdowns light besonders in ihrer Existenz bedroht. Über diese Situation und andere Themen hat sich nun der Vorstandssprecher des Automatenverbandes, Georg Strecker, in einem Interview geäußert.

Kein Verständnis für Spielhallenschließungen

Glücksspiel StaatsvertragZuerst einmal drückt er seine Zufriedenheit mit dem neuen Glücksspielstaatsvertrag aus. Er sieht es positiv, dass man damit in der Lebenswirklichkeit angekommen ist, und somit zum ersten Mal Online Spiele und Online Casinos erlaubt. Dies entspräche dem, was die Nutzer schon seit Jahren praktizieren. Dabei ist die Schaffung von Rechtssicherheit eine der größten Errungenschaften und soll letztendlich auch zu einem Austrocknen der Grau- und Schwarzmärkte führen. Der Verband sieht es so, dass es entscheidend ist, dass mit dem Staatsvertrag ein Einstieg in die Regulierung nach Qualität gelungen ist. Qualität bedeutet in diesem Zusammenhang: Qualität in Bezug auf den Spielerinnen- und Spielerschutz. Es handelt sich bei Spielhallen um ein äußerst sensibles Thema, denn, abhängig von der Persönlichkeitsstruktur des Nutzers, besteht eine Gefahr, abzurutschen. Aber genau in diesem Bereich engagiert sich der Verband und seine Mitglieder mit sehr vielen Maßnahmen. So gibt es permanente Schulungen von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die Forderung, für jede Spielhalle ein Zugangssystem einzurichten, des Weiteren soll es eine Spielform übergreifende Sperrdatei geben und eine unabhängige Zertifizierung von Spielhallen sowie die Qualifizierung des Berufszugangs. Georg Strecker wünscht sich von der Politik die Anerkennung der zumeist in Familienbesitz befindlichen Unternehmen, gerade in Bezug auf den Spieler- und Jugendschutz, der nicht nur durch Abstandsregelungen der einzelnen Spielstätten geregelt werden kann. Für ein „Abdriften“ in ein ungesundes Spielverhalten ist es nach Meinung des Verbandes egal, ob man nun in einer stationären Spielhalle oder im Internet seinem Hobby nachgeht. Entscheidend sei immer der Mensch, der spielt, und dass er in dem Umfeld, in dem er spielt, geschützt sei. Dafür gäbe es in den stationären Spielhallen geschulte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Düster wird es dann, wenn es um die Zukunft der Branche geht. Die aktuelle Krise hat sie besonders hart getroffen und Strecker rechnet mit Betriebsschließungen. Dabei sind es aber nicht nur die Betreiber von Spielhallen selbst die leiden, sondern auch die Hersteller von Automaten und der Großhandel. Laut Strecker besteht jetzt wieder die Gefahr, dass Nutzer ins Internet abwandern und vielleicht die Zahl der illegalen Anbieter erneut zunimmt. Etwas, was der neue Staatsvertrag ja unbedingt vermeiden wolle. Zudem bestehe so gut wie keine Ansteckungsgefahr in Spielhallen, wo auf 150 Quadratmetern höchsten zwölf Automaten stehen, es keinen Alkoholausschank gibt und die Abstandsregeln eingehalten werden. Für Strecker ist es nicht nachvollziehbar, warum die Spielhallen geschlossen worden sind. Georg Strecker sieht es erstmal nicht als Heuchelei an, dass der Staat auf der einen Seite selbst Glücksspiele anbiete, auf der anderen Seite aber auch vor solchen warnt. Die Situation sei nicht vergleichbar, da es in den Spielhallen in erster Linie um Entspannung und den Spieltrieb bei begrenztem Einsatz, Gewinn und Verlust geht.

Spielhallen stellen sich ihrer Verantwortung

Auf die Frage, ob es zu erkennen sei, dass sich ein Mensch nur entspanne oder ob er schon eine ungesunde Grenze überschritten hätte, erklärt Strecker damit, dass das Personal in den Spielhallen eine große Rolle spiele und immer wieder geschult wäre. Aber letztendlich gäbe es Menschen, denen das Spielen überhaupt nicht schade und auf der anderen Seite gibt es gefährdete Spieler. Im Gegensatz zu den Spielbanken gäbe es in den Spielhallen klare Verlust- und Gewinngrenzen. Und die größeren Gewinne existieren nun mal in den Spielbanken. Auch sieht er keine ethischen Bedenken. Schließlich würde man eine Dienstleistung zur Verfügung stellen, und ob diese genutzt wird oder nicht, entscheide jeder selbst. Dabei sieht er Spielhallen nicht als besser an, als die staatlichen Lottogesellschaften. Beim Lotto gäbe es zwar immer die Möglichkeit der Manipulation, aber dafür sei ja dann die staatliche Kontrolle da. Der Verband moniert darüber hinaus, dass Spielhallen nur öffnen dürfen, wenn ein genügender Abstand zwischen ihnen vorhanden sei. Dabei kommt es aber zu sehr unterschiedlichen Regelungen, weshalb der Verband dafür plädiert, dass alleinig Qualitätsstandards und nicht Abstände über die Öffnung einer Spielhalle entscheiden sollten. Auch die Kritik, dass Spielhallen ein Straßenbild verschandeln würde, kann der Verband nicht nachvollziehen. Durch die starke Reglementierung haben die Spielhallen nicht viele Gestaltungsmöglichkeiten, und so kann manchmal ein negativer Eindruck entstehen. Allerdings sei ein legales Angebot immer noch besser, als wenn in illegalen Hinterhöfen gespielt würde. Und dafür stehen die Spielhallen: Ein legales Angebot für alle Schichten der Bevölkerung.