Betfred hat die Bilanz für das Jahr 2020 vorgelegt. Dabei ist auffällig, dass es einen deutlichen Umsatzrückgang gegeben hat. Allerdings sieht das Ergebnis durch eine hohe Steuerrückzahlung am Ende dann doch noch recht gut aus. Betfred hat im Krisenjahr 2020 mehr Probleme gehabt als viele andere Online-Glücksspielanbieter. Allerdings muss berücksichtigt werden, dass Betfred auch zahlreiche Wettbüros betreibt. Vor allem in diesem Bereich des Geschäfts waren die Zahlen im Jahr 2020 schlecht. Aber Betfred hat im Jahr 2020 immerhin noch Bruttospielerträge in Höhe von 7,58 Milliarden Euro erwirtschaftet. Im Vorjahr lag der Betrag allerdings bei 11,83 Milliarden Euro. Im Jahr 2021 will Betfred wieder deutlich zulegen. Da das stationäre Glücksspiel wieder auf höherem Niveau möglich ist, sollte das gelingen.

Betfred muss Umsatzrückgang hinnehmen

Betfred | Online Spielbank

Für Glücksspielanbieter ist der Bruttospielertrag das Maß aller Dinge. Was ist mit diesem Begriff gemeint? Alle Einsätze, die für Spielautomaten, Tischspiele, Wetten und andere Glücksspiele eingesetzt werden, werden zum Bruttospielertrag addiert. Der Gewinn eines Anbieters ist der Bruttospielertrag abzüglich des ausgezahlten Gewinns. Allerdings handelt es sich bei diesem Gewinn um den Bruttogewinn, denn in der Regel müssen die Glücksspielanbieter noch einen erheblichen Teil dieser Summe in Form von Steuern und Abgaben an den Staat abführen. In den meisten europäischen Ländern werden die Bruttospielerträge besteuert. Der Gewinn von Betfred lag im Jahr 2020 bei 615 Millionen Euro. Im Vergleich zum Vorjahr entspricht das einem Rückgang von 15,5 Prozent. Insgesamt war das Geschäftsjahr 2020 für Betfred nicht besonders erfolgreich, auch wenn es gelungen ist, ohne Entlassungen durch die Krise zu kommen. Aber im Vergleich zu vielen anderen Glücksspielanbietern, die im Online-Glücksspiel gut aufgestellt sind, hat Betfred die Erwartungen vieler Analysten nicht erfüllt. Allerdings konnte Betfred davon profitieren, dass eine Steuerrückzahlung in Höhe von 97,9 Millionen Euro verbucht werden konnte. Diese Rückzahlung war ein Teil des britischen Hilfsprogramms für mittelständische Unternehmen.

Auch wenn die Bilanz 2020 für Betfred längst nicht so gut wie erhofft ausgefallen ist, lohnt es sich doch, bis zum Ende zu lesen, denn Betfred hat im Jahr 2020 einen Nettogewinn von 193 Millionen Euro erzielt. Das ist eine Steigerung im Vergleich zum Vorjahr um 5,3 Prozent. Aber wie ist es möglich? Betfred macht weniger Umsatz und hat am Ende mehr Gewinn? Würde man die staatliche Hilfe durch die Steuerrückzahlung abziehen, sähe die Bilanz schon nicht mehr ganz so gut aus. Aber dann bliebe immer noch ein ansehnlicher Gewinn übrig. Betfred hat die Krise genutzt, um den Kostenapparat erheblich zu reduzieren. Zudem hat es sich ausgezahlt, dass Betfred in den nächsten Jahren die Strukturen optimiert hat. Trotzdem löst die aktuelle Bilanz 2020 weder bei Analysten noch bei Investoren Begeisterung aus. Aber unter dem Strich dürfte wichtig sein, dass Betfred trotz der Schwierigkeiten im letzten Jahr wieder auf einem guten Weg ist. Im Jahr 2021 will Betfred den Gewinn deutlich steigern und auch ohne staatliche Hilfe ein gutes Ergebnis erzielen. Da das stationäre Sportwetten-Geschäft wieder gut läuft, sollte es möglich sein, den Umsatz deutlich zu erhöhen. In Kombination mit den schlankeren Strukturen und die niedrigeren Kosten ist es sogar möglich, dass Betfred im Jahr 2021 Rekordzahlen produziert.

Bilanz im Krisenjahr 2020 bei Glücksspielanbietern sehr unterschiedlich

An der Bilanz von Betfred wird deutlich, dass längst nicht alle Glücksspielanbieter, die aus dem Internet bekannt sind, erstklassige Zahlen im Jahr 2020 produziert haben. Die Top-Gewinner waren vor allem die Unternehmen, die ausschließlich auf Online-Glücksspiele setzen. Dazu zählen nicht nur die Online Casinos, sondern auch die vielen Spielehersteller, die exklusiv für Online Casinos Spielautomaten und andere Games entwickelt. Etwas schwerer hatten es die Unternehmen, die neben den Online-Glücksspielen auch noch einen Fuß im stationären Glücksspiel haben. Betfred ist eines von vielen Unternehmen, die nicht nur seriöse Online Casinos im Portfolio haben, sondern auch Online-Buchmacher und klassische Wettbüros. Die Wettbüros waren im Jahr 2020 ein Klotz am Bein. Das wird auch in der aktuellen Bilanz sehr deutlich. Die Sportwetten sind im Jahr 2020 insgesamt gut gelaufen, aber über weite Strecken im Internet und nicht im stationären Geschäft.

Die schlechteste Bilanz für das Jahr 2020 müssen die Unternehmen vorlegen, die ausschließlich auf stationäre Glücksspiele und Sportwetten setzen. Besonders gut lässt sich das im Moment in der Schweiz beobachten. Die Spielbanken, die im Jahr 2020 neben dem stationären Geschäft auch noch ein Online Casino hatten, konnten eine gute Bilanz vorlegen. Teilweise sind die Casino-Betreiber sogar ohne Verlust durch die Krise gekommen. Die Spielbanken ohne Online-Geschäft sind in der Schweiz hingegen im Jahr 2020 heftig unter die Räder gekommen. Die wichtigste Erkenntnis aus der Krise 2020, nicht nur für Betfred, ist, dass es wichtig ist, im Online-Glücksspiel gut aufgestellt zu sein. Es wird spannend sein zu sehen, ob Betfred und viele andere Glücksspielanbieter, die bislang einen großen Anteil des Portfolios im stationären Geschäft hatten, die langfristige Strategie verändern werden. Kurzfristig wird es für Betfred darum gehen, das problematische Jahr 2020 vergessen zu lassen mit einer starken Performance im stationären Sportwetten-Geschäft. Aber ob diese Strategie auch langfristig funktioniert, ist nach den Erfahrungen im Jahr 2020 nicht sicher.