Das ist der Hammer! Epic Games, der Entwickler und Herausgeber von „Fortnite“, hatte die beiden Internet-Riesen Google und Apple zu einer Kraftprobe herausgefordert und ist damit - jedenfalls vorerst - gehörig auf die Nase gefallen. Der US-amerikanische Softwarehersteller hat nämlich in seine Spiele App ein eigenständiges Bezahlsystem integriert, das den Nutzern zusätzliche Bezahloptionen bietet. Käufer der App „Fortnite“ erhalten dadurch die Möglichkeit, beim Erwerb einer sogenannten In Game Währung direkt an Epic Games zu zahlen, statt nur an Google oder Apple. Dafür sollen sie im Gegenzug Rabatte erhalten. Hierdurch will Epic Games die derzeit geltenden Regeln der beiden großen App Stores auf den Kopf stellen und die obligatorische Abgabe von 30 Prozent umgehen.Google und Apple sind nicht nur sauer, sondern reagierten auch prompt. Sie warfen „Fortnite“ kurzerhand raus. Doch damit ist der Zoff um das Bezahlsystem noch nicht am Ende. Ganz im Gegenteil! Dies scheint erst der Anfang zu sein.

Auf den Rauswurf folgte die Klage

Fortnite GameDieses Kräftemessen ist bisher einmalig. Wenn man es genau nimmt, begann alles schon viel früher. Durch mehr als 350 Millionen Fans auf der ganzen Welt gestärkt, war Epic Games bereits vor zwei Jahren in einen offenen Machtkampf mit Google getreten. Im Spätsommer 2018 startete eine Android Version von „Fortnite Battle Royal“, die man nur bei Epic Games selbst herunterladen konnte, da sie nicht im Google Play Store zur Verfügung stand. Erst vor wenigen Monaten, im Frühjahr dieses Jahres, gab der US-amerikanische Softwarehersteller nach. Er unterwarf sich den „Störversuchen seitens Google“, das in den Augen der Epic Games Macher Apps benachteiligte, die nicht über den App Store zu beziehen waren. Nach diesen knapp zwei Jahren knickte das Unternehmen dann ein und sorgte dafür, dass „Fortnite“ fortan auch ganz offiziell in Googles Play Store zugänglich war. Doch Epic Games wollte das alles nicht auf sich sitzen lassen und führte die Möglichkeit ein, auf Endgeräten mit Googles Android sowie Apples IPad und IPhone In App Käufe deutlich preiswerter zu erstehen. Dieser Herausforderung stellten sich die beiden großen Plattformen nun und schmissen das populäre Online Spiel „Fortnite“ einfach raus. Apple machte den Anfang. Am gestrigen Donnerstag verschwand „Fortnite“ plötzlich aus dem Apple App Store und nur einige Stunden danach war es auch im Play Store von Google nicht mehr zu finden. Der Spielehersteller reagierte seinerseits ebenfalls prompt und reichte direkt eine Klage vor einem kalifornischen Bezirksgericht ein -  zunächst nur gegen Apple. Da das Unternehmen so schnell reagierte muss man wohl davon ausgehen, dass Epic Games mit diesem Schritt schon länger gerechnet hatte. Eine Klage ist schließlich nicht innerhalb weniger Stunden verfasst. Sie enthält u.a. die Beschuldigung, dass der Betreiber der iOS App Stores einen normalen Wettbewerb verhindert, da er den Markt augenscheinlich kontrollieren will. Der Apple Konzern und frühere Herausforderer von IBM wäre vom David zum Goliath mutiert. Als Begründung hierfür wird von Epic Games angeführt, dass Apple bei einem Börsenwert von rund zwei Billionen US Dollar als Monopolist in der Branche gilt.

Fairer Wettbewerb als Ziel

Um zu verstehen, was da im Vorfeld genau passiert ist, muss man den eigentlichen Streitpunkt kennen. Es geht darum, dass sowohl Google als auch Apple jeweils an die 30 % des Endpreises von den In App Käufen als eine Art Provision einstreichen. In der jüngeren Vergangenheit hat sich immer mehr Unmut hinsichtlich der Höhe der Abgaben eingestellt. Im Fall von Apple geht die Kritik noch weiter. Es wird bemängelt, dass Apple den Spieleherstellern bei In App Käufen keine „alternativen Bezahlwege anbieten können“. Beschwerden hierüber hagelte es auch schon von Netflix und von dem populären Musikdienst Spotify, der sich bereits offiziell bei der EU-Kommission und ihren Wettbewerbshütern beklagte. Laut der soeben eingereichten Klage geht es Epic Games gar nicht darum eine finanzielle Entschädigung zu erreichen, sondern um einen Wettbewerb der fair ist - und zwar für alle: Für die etlichen Millionen Gamer ebenso, wie für zig Tausende von App-Softwareentwicklern.

Kann sich Epic Games diesen Machtkampf leisten?

Epic Games, das Softwareunternehmen aus dem US Bundesstaat North Carolina, das sich schon seit 1991 erfolgreich am Markt behauptet und spätestens mit „Fortnite“ den ganz großen internationalen Durchbruch schaffte, macht sich nun zum Wortführer einer buchstäblichen Revolte gegen die beiden Internet-Giganten. Und das, obwohl es, bzw. seine Kunden, Einbußen zu beklagen haben. Epic Games informierte seine Nutzer, die mit IPads, IPhones und Android-Geräten zocken, darüber, dass ihnen neue Inhalte und regelmäßige Updates, die die nächste „Fortnite“-Season bereitstellt, nicht zur Verfügung stehen. Und zwar auch dann nicht, wenn sie die entsprechenden Apps bereits auf eins ihrer Geräte, wie Smartphones, Tablets oder PCs geladen haben. „Epic Games hat sich dem App Store Monopoly widersetzt. Als Vergeltung blockiert Apple Fortnite auf einer Milliarde Geräte,“ twitterte der Softwarehersteller am gestrigen Donnerstag um 10.22 Uhr MEZ. Offensichtlich kann sich Epic Games aufgrund des weltweiten „Fortnite“-Fiebers einen solchen Machtkampf leisten. Schließlich wird „Fortnite“ von mehr als 350 Millionen Gamern auf der ganzen Welt gespielt. Andere „Schwergewichte“, zu denen in erster Linie auch Spotify und Netflix gehören, haben ihren sogenannten „Beliebtheits-Bonus“, der es ihnen erlaubt, „... beim Abschluss von kostenpflichtigen Abos das Ökosystem von Apple und Google zu umgehen“.