Die neue deutsche Glücksspielbehörde in Halle ist eingeweiht worden. Zum Einzug der Behördenmitarbeiter in die Immobilie am Hansaring gab es einen feierlichen Akt, bei dem die Innenstadtsekretärin von Sachsen-Anhalt, Anne Poggemann die Ehre hatte, das Eingangsschild zu enthüllen. Die „Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder“ wird in Zukunft dafür zuständig sein, das Online-Glücksspiel in Deutschland zu regulieren. Konkret geht es dabei um die virtuellen Automatenspiele in den Online Casinos mit deutscher Lizenz. Darüber hinaus ist es eine wichtige Aufgabe der neuen Behörde, das illegale Glücksspiel zu bekämpfen. Einstweilen geht es aber noch darum, genügend Mitarbeiter zu finden, denn bislang scheint es ein Problem zu sein, qualifizierte Beamte und Angestellte für die anspruchsvollen Aufgaben zu finden.

Technisches Rathaus wird zur Glücksspielbehörde

Staatsvertrag online Casino

Mit dem neuen Glücksspielstaatsvertrag wird in Deutschland eine neue Glücksspielbehörde geschaffen, die länderübergreifend das Online-Glücksspiel regulieren soll. Doch der Glücksspielstaatsvertrag gilt bereits seit dem 1. Juli 2021. Von Anfang an war klar, dass es eine Weile dauern würde, die neue Glücksspielbehörde aufzubauen. Doch nun ist ein wichtiger Meilenstein erreicht worden, denn in Halle wurde der Sitz der neuen Behörde eingeweiht. Das ehemalige Technische Rathaus, das sich am Hansaring befindet, wird in Zukunft der Sitz der neuen Glücksspielbehörde sein. Noch wichtiger dürften aber die kürzlich erfolgten Personalentscheidungen sein. Mit Benjamin Schwanke, der in Hamburg für die Glücksspielaufsicht zuständig war, und Ronald Benter, der in Schleswig-Holstein das Referat für Glücksspielwesen geleitet hat, kommen zwei erfahrene Fachleute als Vorstandsmitglieder der neuen Glücksspielbehörde nach Halle. Diese Personalentscheidungen sind bedeutsam, denn die Aufgaben der neuen Glücksspielbehörde sind anspruchsvoll.

Die Verpflichtung von Ronald Benter ist vielleicht die wichtigste Personalie für die neue Glücksspielbehörde in Halle. Schleswig-Holstein war das einzige Bundesland, dass in den letzten Jahren in Deutschland ein Lizenzierungssystem für seriöse Online Casinos hatte. Deswegen hat Ronald Benter Erfahrungen wichtige Erfahrungen sammeln können für die künftige Arbeit in der Glücksspielbehörde in Halle. Diese Erfahrungen sind dringend nötig, denn zumindest die großen Glücksspielanbieter haben viel Erfahrung im Umgang mit Glücksspielbehörden in Europa. Umso wichtiger ist es, dass auch auf Behördenseite erfahrene Fachleute sitzen, die das Geschäft nicht erst noch komplett lernen müssen. Trotzdem wird die Lernkurve steil sein, denn die 110 Behördenmitarbeiter, die demnächst das Online-Glücksspiel in Deutschland regulieren und kontrollieren sollen, dürften größtenteils keine Erfahrungen mit der Online-Glücksspielbranche haben.

Neue Glücksspielbehörde übernimmt ab 2023

Die Glücksspielbehörde in Halle befindet sich im Aufbau und soll zum 1. Januar 2023 die komplette Regulierung des Online-Glückspiels übernehmen. Aber schon Mitte 2023 soll die Glücksspielbehörde die ersten Aufgaben von den Ländern übernehmen, die im Moment übergangsweise das Online-Glücksspiel regulieren. Benjamin Schwanke betonte bei seiner Vorstellung, dass es eine der wichtigsten Aufgaben der neuen Glücksspielbehörde sei, gegen illegales Glücksspiel vorzugehen. Es ist etwas unglücklich, dass die Glücksspielbehörde diese Aufgabe erst ab Mitte 2022 angehen wird, denn schon jetzt gibt es das große Problem, dass viele Anbieter auf dem Schwarzmarkt sich nicht an die geltenden Regeln in Deutschland halten. Darunter leiden im Moment vor allem die seriösen Glücksspielanbieter, die zum Beispiel das Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat beachten.

Der Aufbau der deutschen Glücksspielbehörde ist eine schwierige Aufgabe, denn bislang gab es keine vergleichbare Behörde in Deutschland. Wenn es um Glücksspielregulierung in Deutschland ging, war, mit Ausnahme von Schleswig-Holstein, immer das stationäre Glücksspiel gemeint. Doch das Online-Glücksspiel funktioniert an vielen Stellen völlig anders und deswegen ist es wichtig, dass entsprechende Fachkompetenz aufgebaut wird in der Glücksspielbehörde. Doch genau an dieser Stelle scheint es Probleme zu geben, denn schon seit Monaten ist bekannt, dass die Glücksspielbehörde Schwierigkeiten hat, die 110 geplanten Stellen zu besetzen. Das ist einigermaßen verwunderlich, denn es dürfte sich um vergleichsweise sichere Jobs mit interessanten Tätigkeiten handeln.

Kommt IP-Blocking für illegale Glücksspielanbieter?

Nach Ansicht von Benjamin Schwanke ist es durchaus denkbar, dass auch IP-Blocking von der neuen deutschen Glücksspielbehörde genutzt werde, um illegale Glücksspielanbieter auszusperren. IP-Blocking ist ein umstrittenes Thema, das in Deutschland schon mehrfach unter dem Stichwort „Netzsperren“ diskutiert worden ist. Bislang war es schwierig, Netzsperren in Deutschland durchzusetzen, da von Kritikern immer wieder darauf hingewiesen wird, dass es sich um kein besonders wirkungsvolles Instrument handelt, bei dem sehr leicht unerwünschte Folgen eintreten könnten. Eines scheint jedenfalls sicher. Das einfache Verbot des illegalen Glücksspiels wird nicht dazu führen, dass sich Anbieter, deren Sitz oft weit entfernt von der Europäischen Union ist, vom deutschen Glücksspielmarkt zurückziehen.

Aber es besteht kein Zweifel daran, dass die erfolgreiche Bekämpfung des Schwarzmarkts ein wesentlicher Bestandteil einer erfolgreichen Regulierung des Glücksspiels im Internet ist. Für die neuen Mitarbeiter der deutschen Glücksspielbehörde in Halle gibt es viel zu tun. Ein einfaches Beispiel: Nach den aktuell geltenden Vorgaben müssen die Mitarbeiter jedes Spiel, das in ein Online Casino integriert wird, individuell prüfen. Es ist noch nicht ganz klar, wie umfangreich diese Prüfung sein wird. Aber der Gesamtaufwand dürfte riesig sein, denn es gibt Casinos mit tausenden Spielen. Solche Details machen deutlich, wie schwierig die Aufgabe ist, vor der die neue Glücksspielbehörde in Halle steht. Aber zumindest haben die Mitarbeiter der neuen Behörde in Zukunft eine Adresse und einen gut ausgestatteten Arbeitsplatz.