Soeben hat der Streaming-Riese Netflix der ganzen Welt noch einmal nachhaltig unter Beweis gestellt, wie wichtig es ihm ist, sich auf dem internationalen Gaming-Markt zu positionieren. Dies demonstrierte der milliardenschwere Konzern mit Sitz im US-Staat Kalifornien durch den Kauf des Night School Studios, einem Indie-Entwickler, der u.a. mit so populären Games Games wie „Oxenfree“ und „Afterparty“ Furore machte.

Übernahme durch Netflix ist bestätigt

Indie Entwickler Night School

Ob Night School Studio auch in Zukunft weiterhin ein Indie-Entwickler bleibt, steht derzeit noch in den Sternen, denn nun übernimmt der Streaming-Gigant Netflix das Steuer in dem kalifornischen Unternehmen. Damit hat Netflix einen weiteren Gang eingelegt und wird nach und nach seiner laut angekündigten Offensive immer mehr gerecht, die er im Bereich der virtuellen Unterhaltungsformen einnimmt. Von einem zusätzlichen Engagement in das Online Glücksspiel mit virtuellen Spielautomaten ist jedoch nichts bekannt. Für die Entwickler-Firma Night School Studio ist es dadurch mit dem lange propagierten unabhängigen Status endgültig vorbei. Sie ist nun durch die Bestätigung der Netflix-Übernahme als erste Videospiel-Firma überhaupt in den Besitz eines Medienunternehmens übergegangen, das an der Börse notiert ist. Diese Bestätigung kam vom Entwickler-Chef selbst. Sean Krankel hatte die Übernahme durch Netflix auf der firmeneigenen Website veröffentlicht.

Bislang hatte sich Night School Studio einen Namen durch kleinere Projekte im Bereich von Videospielen mit erzählerischen Aspekten gemacht. Zu den bekanntesten gehört sicherlich das im Jahre 2016 erschienene Erstlingswerk „Oxenfree“, mit dem sich diese Entwicklerfirma einen ausgesprochen guten Ruf in der Branche erworben hat. Casino-Spiele gehören allerdings nicht zum Portfolio. Sean Krankel betonte in seiner Stellungnahme zur Netflix-Übernahme, dass das Video- und PC-Spiel „Oxenfree 2: Lost Signals“, das sich nach wie vor in der Entwicklung befindet, durch diese neue Situation keinesfalls gefährdet ist. Es soll, wie geplant, bald auf den entsprechenden Systemen wie PlayStation 4 und PlayStation 5, Microsoft Windows sowie Nintendo Switch veröffentlicht werden.

Ausbau des Gaming-Bereichs ist noch in einem frühen Stadium

Besonders bemerkenswert ist daran, dass „... nahezu alle der großen Tech-Unternehmen um die Ressourcen "Zeit" und "Aufmerksamkeit" bei teilweise sogar deckungsgleichen Zielgruppen buhlen.“ Das Night School Studio will den Themenbereich Videospiel allerdings auch in Zukunft keinesfalls aufgeben. Sean Kankel betont in diesem Zusammenhang eine deckungsgleiche Vision, die beide Unternehmen haben. Schließlich passen die „erzählerischen Stärken“ von Night School Studio ausgesprochen gut zu der von Netflix „... fokussierten Unterstützung vielfältigen Geschichtenerzählens“. Darüber hinaus ist Sean Kankel davon überzeugt, dass die künftigen Perspektiven seiner Firma und die seines Teams durch die Kooperation mit dem Streaming-Giganten weitere vielfältige Erfahrungen im Bereich der von Geschichten lebenden Spiele zulassen. Daher ist davon auszugehen, dass Night School Studio auch unter diesen neuen Bedingungen seinen Videospiel-Status als Unternehmen noch fester zementieren wird.

Es wird spannend zu beobachten sein, wie sich Netflix in der nahen Zukunft weiterentwickeln wird und welche Investitionen der Konzern darüber hinaus noch tätigt, um sich auf dem Gaming-Markt zu etablieren und auch, ob diese Rechnung letztendlich aufgeht. Aussichtsreich scheint ein Ausbau, der über das Video-Streaming-Kerngeschäft hinausgeht, jedenfalls zu sein. Anders ist es auch nicht zu erklären, dass der kalifornische Milliarden-Konzern erst im Sommer dieses Jahres den Branchen-Veteran Mike Verdu verpflichtete, damit er die Leitung dieses Geschäftsbereichs übernimmt. Verdu arbeitete zuvor u.a. für den Spielehersteller Electronic Arts. Auf jeden Fall nehmen die Netflix-Pläne, sich im Geschäft mit den Videospielen einen Namen zu machen, nach und nach immer mehr Gestalt an. Wann das Videospiel-Angebot bei Netflix starten soll, lässt Ted Sarandos, der Co-Chef des Konzerns, jedoch noch offen. Im Rahmen einer Pressekonferenz zum Night School Studio-Kauf betonte er, dass das Unternehmen noch in einem sehr „frühen Stadium“ sei. Wenn man sich einmal die Produktionspalette von Netflix genauer ansieht, dann stolpert man u.a. über Produktionen wie „Stranger Things“, was sich beispielsweise hervorragend für eine Umsetzung als Videospiel eignen würde. Auch die meisten seriösen Online Casinos haben zahlreiche Games im Angebot, die auf Filmen und Serien beruhen.

Zum Handeln gezwungen

Seitdem Netflix seinen Geschäftsbericht für das zweite Quartal 2021 veröffentlicht hatte, war es kein Gerücht mehr: Darin verkündete der Streaming-Riese, dass er in Zukunft einen eigenen Gaming-Bereich aufbauen und etablieren wird. Wie der Konzern künftig das Gaming anbieten will, steht noch in den Sternen. Verschiedene Varianten sind möglich, beispielsweise in Kooperation mit anderen Portalen, als Online Streaming oder sogar als Download. Für die langfristigen und sehr ehrgeizigen Unternehmensziele kommt vermutlich nur eine eigene Plattform in Frage. Durch den Quartalsbericht wurde jedenfalls ganz deutlich, dass Netflix gezwungen ist zu handeln, denn die darin enthaltenen Abo-Zahlen befinden sich in einem absoluten Tief. Lediglich eineinhalb Millionen neue Nutzer konnten hinzugewonnen werden. Dieses Problem war quasi „hausgemacht“. Besonders die jungen Zielgruppen hatten bereits zu Beginn der weltweit anhaltenden Gesundheitskrise ein Netflix-Abonnement abgeschlossen. Dies veranlasst den Konzern nun zum Umdenken. Aktuell hat er daher ältere Zielgruppen im Visier. Sofern es allerdings gelingt, in absehbarer Zukunft das Gaming-Geschäft auszuweiten, hofft Netflix „„... auch in den bisherigen Zielgruppen noch Unentschlossene überzeugen.“ Aktuell schaut die Welt jedenfalls gebannt auf den kalifornischen Streaming-Giganten und erwartet den ersten Gaming-Content. Ob diese Erweiterung des Angebots jedoch auch auf lange Sicht überzeugt und sich tatsächlich bei den Abonnements niederschlägt bleibt zunächst einmal abzuwarten.