Lotto Bayern ist vom Landgericht München verurteilt worden, „unzulässige Glücksspielwerbung“ gemacht zu haben. Geklagt hatte eine Lotteriefirma mit Sitz in Malta. Worum ging es bei der Klage? Lotto Bayern habe Werbevideos veröffentlicht, in denen über das gebotene Maß hinaus die Aussicht auf einen lebensverändernden Lottogewinn positiv dargestellt worden sei. Nach Einschätzung des Landgerichts München sei Lotto Bayern bei den Werbevideos zudem unzulässigerweise suggeriert worden, dass es möglich sei, besonders hohe Gewinnchancen zu erreichen mit einem sogenannten „Glückszahlhoroskop“. Die Werbung sei darauf ausgelegt gewesen, den „Spieltrieb“ der Zuschauer zu erhöhen. In jedem Fall ist es bemerkenswert, dass ein stattlicher Lottoanbieter wegen problematischer Glücksspielwerbung verurteilt wird.

Auch Lotto Bayern muss sich an die Regeln halten

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Glücksspielwerbung ist in Deutschland streng reglementiert. Insbesondere dürfen die Verbraucher nicht den Eindruck bekommen, dass es möglich sei, mit Glücksspiel sichere Gewinne zu erzielen. Darum ging es aber auch gar nicht beim aktuellen Urteil. Lotto Bayern ist über das vorgegebene Maß hinausgegangen und hat nach Einschätzung des Landgerichts München an mehreren Stellen nicht deutlich kommuniziert, dass es beim Lotto vor allem darauf ankommt, unglaublich viel Glück zu haben. Auch mit Zahlen, die vom Sternzeichen abgeleitet werden, so wie dies beim „Glückszahlenhoroskop“ der Fall war, lässt sich die Gewinnchance sehr verständlich nicht erhöhen. Die Klage kam von zwei privaten Lottoanbietern mit Sitz in Malta und Gibraltar. Das Landgericht München ist der Klage des maltesischen Unternehmens gefolgt. Das Unternehmen in Malta hatte jedoch keine Chance, da der Lottoanbieter mittlerweile keine Angebote mehr in Deutschland hat. Somit fehlte nach Einschätzung des Landgerichts München die Basis für die Klage. Noch ist das Urteil nicht rechtskräftig, sodass die staatliche Lotterieverwaltung die Möglichkeit hat, gegen das Urteil vorzugehen. In einer Pressemitteilung wies Lotto Bayern darauf hin, dass die beiden Unternehmen in Deutschland überhaupt nicht zulässig seien. Auch das sei ein Grund, eventuell gegen das Urteil vorzugehen. Ob diese Einschätzung von Lotto Bayern zutrifft, ist eine offene Frage.

Bei Lotto Bayern wäre man wohl gut beraten, das eigene Fehlverhalten näher unter die Lupe zu nehmen. Unabhängig davon, ob die beiden Firmen, die für die Klage verantwortlich waren, in Deutschland zugelassen sind oder nicht, hat das Landgericht München doch klar begründen können, warum die Werbung von Lotto Bayern unzulässig war. Bei einem staatlichen Lottoanbieter sollte unzulässige Glücksspielwerbung eigentlich nicht vorkommen. Vermutlich handelt es sich auch um ein Versehen oder schlechtes Management. An welcher Stelle der entscheidende Fehler gemacht worden ist, sollte von Lotto Bayern intern aufgeklärt werden, um ähnliche Fehler in Zukunft zu vermeiden. Staatliche Lottoanbieter haben eine sehr gute Reputation, aber jede Reputation kann beschädigt werden. Wenn die unzulässige Glücksspielwerbung ein einmaliger Ausrutscher bleibt, wird nicht viel hängen bleiben. Wo Menschen arbeiten, werden auch Fehler gemacht. Warum sollte das bei Lotto Bayern anders sein? Aber es gibt Fehler, die nicht passieren sollten. Gerade bei der Glücksspielwerbung sind die Regeln doch recht klar, sodass schon der Werbeagentur hätte auffallen müssen, dass etwas in die falsche Richtung läuft. Aber auch bei der Werbeagentur scheinen keine Alarmglocken losgegangen zu sein. Wer am Ende die fatale Fehlentscheidung getroffen hat, die problematischen Werbevideos zu veröffentlichen, ist nicht bekannt.

Staatliches Lotto-Monopol geht einher mit hohen Anforderungen

Für Matthias Fischbach, den Geschäftsführer der FDP-Fraktion im Bayerischen Landtag, ist es unverständlich, dass ein stattlicher Lottoanbieter mit Werbevideos auffällt, in denen der Spielerschutz nicht beachtet wird. Gerade aufgrund des Lotto-Monopols seien die Anforderungen beim Spielerschutz besonders hoch bei Lotto Bayern. Allerdings muss berücksichtigt werden, dass die FDP traditionell für eine komplette Privatisierung des Glücksspiels ist. Sollten sich Fälle wie aktuell bei Lotto Bayern mehren, wäre es für die Befürworter der Privatisierung des Glücksspiels deutlich leichter, Punkte zu sammeln in der Öffentlichkeit. Wenn ein stattlicher Lottoanbieter nicht dazu in der Lage ist, die eigenen Regeln zu beachten, gibt es am Ende vielleicht gar keinen Grund für das Lotto-Monopol. Aber fairerweise muss betont werden, dass der aktuelle Fall bei Lotto Bayern eine absolute Ausnahme ist. Generell sind die Lotterien in Deutschland hinsichtlich des Spielerschutzes und der Kundenfreundlichkeit auf einem sehr hohen Niveau.

Für Glücksspiel-Fans ist Lotto auf die erste Adresse. Aber es gibt auch viele andere Optionen, die interessant sein können. Neben den Spielhallen und Spielbanken gibt es auch Online-Casinos, in Kürze sogar mit deutscher Lizenz. Der größte Teil des Glücksspielmarkts ist in Deutschland bereits privatisiert. Lotto ist die einzige große Sparte, die komplett in staatlicher Hand ist. Früher waren auch noch die Spielbanken in Staatsbesitz. Doch im Laufe der letzten Jahrzehnte sind viele Spielbanken privatisiert worden. Zuletzt sind die Spielbanken von Westspiel in NRW, Bremen und Bremerhaven an ein privates Unternehmen verkauft worden. Der neue Glücksspielstaatsvertrag, der seit dem 1. Juli 2021 gilt, macht auch strenge Vorgaben zum Thema Glücksspielwerbung. Es ist davon auszugehen, dass der Fehltritt von Lotto Bayern eine einmalige Sache bleiben wird. Gerade weil es sich um einen staatlichen Lottoanbieter handelt, gibt es keinen Grund zu glauben, dass es ein prinzipielles Interesse daran geben könnte, die geltenden Werberichtlinien zu missachten.