In der Glücksspielindustrie werden im Moment in vielen Ländern Einzahlungslimits diskutiert oder sogar schon umgesetzt. Doch viele Experten glauben, dass Einzahlungslimits für sich genommen noch keine Verbesserung des Spielerschutzes bringen. In vielen Ländern lässt sich mittlerweile belegen, dass das Einzahlungslimit vor allem von den Spielern eingehalten wird, die ohnehin nicht mehr einzahlen möchten. Dahingegen weichen die High Roller in vielen Ländern zu großen Teilen auf Anbieter ohne Lizenz aus. Auch in Deutschland ist dieses Thema durch die neue Glücksspielregulierung, die ein Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat vorsieht, akut. Sind Einzahlungslimits am Ende vielleicht sogar gefährlich für Spieler, die zu problematischem Verhalten neigen?

Treiben Einzahlungslimits Spieler in den Schwarzmarkt?

Roulette

Neue Studien belegen, dass in Norwegen etwa 60 Prozent aller Spieler auch oder ausschließlich bei nicht regulierten Glücksspielanbietern aktiv sind. Ähnlich hoch ist die Quote nach einer neuen Studie in Frankreich. Etwa 57 Prozent aller französischen Spieler sind gelegentlich oder regelmäßig auf dem Schwarzmarkt aktiv. Etwas besser ist die Situation in Italien. Nach einer neuen Studie sind etwa 23 Prozent aller Spieler auf dem nicht regulierten Markt aktiv. An diesen Zahlen wird deutlich, dass es sich um ein großes Problem handelt. Ein Grund, warum viele Spieler dazu tendieren, nicht regulierte Glücksspielanbieter im Internet zu nutzen, sind Einzahlungslimits. Wenn ein High Roller einen großen Betrag setzen möchte und dazu keine Möglichkeit hat bei einem regulierten Glücksspielanbieter, liegt es nahe, dass der High Roller sich eine Alternative auf dem Schwarzmarkt sucht. In einer perfekten Welt würde der High Roller akzeptieren, dass es nicht möglich ist, bei dem lizenzierten Anbieter hohe Beträge zu setzen. Aber so funktioniert die Psychologie bei einem High Roller erfahrungsgemäß nicht. Wer hohe Beträge setzen möchte, findet immer Mittel und Wege. Eine strenge Glücksspielregulierung, die mit einem niedrigen Einzahlungslimit versehen ist, sieht auf dem Papier großartig aus. Davon lassen sich auch viele Politiker blenden, die über entsprechende Gesetze entscheiden.

Aber die Realität sieht oft anders aus. In Großbritannien werden im Moment nach aktuellen Schätzungen etwa 2,8 Milliarden Pfund auf dem Schwarzmarkt umgesetzt. Das wäre nicht möglich, wenn der reguläre Glücksspielmarkt so attraktiv gestaltet wäre, dass insbesondere die High Roller attraktive Angebote vorfinden würden. Aktuell gibt es sogar Bestrebungen, in Großbritannien die Glücksspielregulierung strenger zu machen. Damit würde das Schwarzmarkt-Problem wahrscheinlich verschärft.

Einzahlungslimits in Online-Casinos wird nur begrenzt

Wenn in einem Online-Casino ein Einzahlungslimit verhängt wird, führt das zunächst einmal dazu, dass die Spieler, die höhere Einzahlungen machen möchten, oft als Kunden wegfallen. Einige Kunden werden sich auch damit zufrieden geben, kleine Einzahlungen zu machen. Aber wenn ein Spieler plötzlich nur noch 100 Euro einzahlen kann und eigentlich lieber mit 1000 Euro spielen will, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sich der Spieler einen anderen Glücksspielanbieter sucht. Ein Problem entsteht vor allem dann, wenn es keinen legalen Anbieter gibt, der eine Einzahlung von 1.000 Euro möglich macht. Dann besteht die Gefahr, dass sich der Spieler einen Glücksspielanbieter auf dem Schwarzmarkt sucht. Das ist nicht schön, aber bedauerlicherweise in vielen Fällen die Realität. Ein niedriges Einzahlungslimit führt immer dazu, dass die Nachfrage nach nicht regulierten Anbietern steigt. Eine Möglichkeit wäre es nun, das Angebot auf dem Schwarzmarkt zu reduzieren.

Ein relativ niedriges Einzahlungslimit ist nur dann sinnvoll, wenn gleichzeitig dafür gesorgt wird, dass es keine Glücksspielanbieter ohne Einzahlungslimit auf dem Schwarzmarkt gibt. Doch es ist enorm schwer, Glücksspielanbieter auf dem Schwarzmarkt über Sanktionen und Rechtsmittel zu belangen. Bei den Glücksspielanbietern mit Sitz in der Europäischen Union funktioniert das noch einigermaßen gut. Aber wie möchte zum Beispiel die Glücksspielbehörde in Großbritannien oder Frankreich einen Glücksspielanbieter in Asien oder der Karibik belangen? Am Ende fällt den Behörden dann oft nichts anderes ein, als Netzsperren (IP-Blocking) zu fordern. Doch Netzsperren sind nicht besonders wirkungsvoll und zudem rechtlich umstritten. Bislang ist es keinem Land in Europa gelungen, den Schwarzmarkt wirkungsvoll einzudämmen.

Spannende Aufgabe für deutsche Glücksspielbehörde

Wenn demnächst die ersten Online Casinos mit deutscher Lizenz verfügbar sind, wird es auch darum gehen, die Glücksspielregulierung möglichst wirkungsvoll umzusetzen. Das bedeutet nicht zuletzt, dass die Bekämpfung des Schwarzmarkts wesentlich konsequenter erfolgen muss als bisher. Auch in Deutschland wird IP-Blocking diskutiert, um den Schwarzmarkt einzudämmen. Im Moment gibt es allerdings das große Problem, dass der regulierte Markt bereits läuft, und zwar im Rahmen einer Übergangsregelung. Die seriösen Glücksspielanbieter halten sich an die Regeln und werden dafür abgestraft, in dem die Kunden, die sich nicht an die Regeln halten wollen, zu den Glücksspielanbietern auf dem Schwarzmarkt wechseln. Das ist eine schlechte Situation, die schon von Anfang an dazu führen könnte, dass die Kanalisierung des Glücksspielmarkts nicht gelingt.

Das deutsche Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat, das für alle Anbieter übergreifend gilt, ist ein besonderes Problem für die Glücksspielanbieter. Für High Roller gibt es im Moment kein legales Angebot, auch wenn angekündigt worden ist, dass irgendwann höhere Einzahlungslimits für Spieler, die über entsprechende finanzielle Mittel verfügen, verfügbar sein werden. Aber bislang ist völlig unklar, wann diese höheren Limits möglich werden. Der neu regulierte Online-Glücksspielmarkt steht in Deutschland von Anfang an unter Druck, auch weil es ein sehr strenges Einzahlungslimit gibt.