Sarah Gardner, die Vize-Vorsitzende der UK Gambling Commission, hat in einem aktuellen Aufsatz eindringlich erläutert, warum Glücksspiel normal ist, aber auch Spielerschutz normal sein sollte. In Großbritannien gibt es schon seit Jahrzehnten einen eher pragmatischen Ansatz bei der Glücksspielregulierung. Wetten gehören schon lange zur Alltagskultur und auch Glücksspiele sind nicht so verpönt wie in vielen anderen Ländern. Das hat unter anderem dazu geführt, dass in Großbritannien Online-Glücksspiele schon sehr früh reguliert worden sind. Laut Sarah Gardner ist es allerdings eine fortwährende Aufgabe, die Glücksspiele fair, sicher und zuverlässig zu halten.

Nachfrage nach Glücksspiel laut Gardner normal

UK Gambling Comission

Es ist sehr angenehm zu lesen, dass die Vize-Vorsitzende der britischen Glücksspielbehörde anerkennt, dass Glücksspiel normal ist. Die Nachfrage nach Glücksspiel ist nahezu überall auf der Welt hoch. Warum sollte das in Großbritannien anders sein? In Deutschland wird gerne moralisch diskutiert, wenn es um das Glücksspiel geht. Aber zunächst wäre es wichtig anzuerkennen, dass es eine große Nachfrage nach Glücksspielen gibt. Für eine vernünftige Regulierung ist es wichtig, diesen ersten Schritt zu machen. Wer das Glücksspiel von vornherein ablehnt als sinnlose und vielleicht sogar gefährliche Sache, steht einer pragmatischen Regulierung im Weg. Aber Sarah Gardner betont auch, dass Spielerschutz ein wichtiges Thema ist.

Genauso normal wie ein sinnvoll reguliertes Glücksspielangebot muss auch der Spielerschutz sein. Sarah Gardner betont, dass beide Sachen zusammengehören. Nur wenn das Glücksspielangebot attraktiv ist, funktioniert die Kanalisierung. Auf der anderen Seite ist es aber wichtig, dass die Spieler, die dazu tendieren, sich selbst Probleme zu bereiten, geschützt werden. Es wäre jedoch ein Fehler, die Glücksspielregulierung für alle Spieler so streng zu gestalten, dass auf dem Papier ein hervorragender Spielerschutz vorhanden wäre. In der Praxis gäbe es dann aber einen großen Schwarzmarkt, sodass der tatsächliche Spielerschutz für die besonders gefährdeten Spieler sehr schlecht wäre. Bei einer sinnvollen Glücksspielregulierung muss die Balance zwischen einem attraktiven Glücksspielangebot und sinnvollen Spielerschutz immer wieder neu austariert werden.

Zusammenarbeit mit Glücksspielbranche wichtig

Für Sarah Gardner ist es enorm wichtig, dass die Politik und die Glücksspielbehörden nicht einfach entscheiden, sondern in ständiger Kommunikation mit der Glücksspielbranche nach den besten Lösungen suchen. Das ist ein oft vergessenes Detail. In Deutschland es sich aktuell sehr gut beobachten, was dabei herauskommt, wenn die Politik eine Glücksspielregulierung beschließt, ohne auf die berechtigten Einwände der Glücksspielbranche zu hören. In Deutschland ist die Glücksspielregulierung mit dem Glücksspielstaatsvertrag 2021 so streng ausgefallen, dass aktuell der Schwarzmarkt eine beträchtliche Größe hat. Zudem ist die neue Glücksspielregulierung neun Monate alt, aber es gibt nicht einmal eine arbeitsfähige Glücksspielbehörde. Das übergangsweise zuständige Landesverwaltungsamt Sachsen-Anhalt ist allem Anschein nach überfordert mit der Aufgabe.

Es gibt eine einfache Erkenntnis: In der Glücksspielbranche sitzen die Fachleute, die sich tagtäglich mit dem Thema Glücksspiel beschäftigen. Selbstverständlich wäre es keine gute Idee, jeden Vorschlag unverändert zu übernehmen. Aber die Fachleute, die sich tagtäglich mit dem Thema beschäftigen und praktische Erfahrungen haben, einfach zu ignorieren, kann keine sinnvolle Lösung sein. Mittlerweile gibt es sogar diverse Glücksspielanbieter, die ihre Pläne geändert haben und keine Lizenz für den deutschen Glücksspielmarkt beantragen werden. Der Grund ist einfach: Wenn die Online Casinos auf dem Schwarzmarkt wesentlich attraktiver sind und die Glücksspielregulierung nicht gut funktioniert, haben seriöse Online Casinos kaum eine Chance, gute Umsätze zu machen.

Einfache Wahrheit: viele Menschen wollen spielen

In Großbritannien zeigen aktuelle Umfragen, dass etwa 40 Prozent der Bevölkerung Glücksspiele bereits genutzt haben oder regelmäßig nutzen. Das zeigt, wie hoch der Verbreitungsgrad ist. Umso wichtiger ist es, eine vernünftige Regulierung zu schaffen, die zum einen die Angebote auf dem legalen Markt attraktiv macht und zum anderen dafür sorgt, dass der Spielerschutz die gefährdeten Spieler effektiv schützt. Dafür setzt sich Sarah Gardner bei der UK Gambling Commission ein. Es wird spannend sein zu sehen, ob es auch in der neuen Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder in Deutschland jemanden wie Sarah Gardner geben wird.