Der britische Gesundheitsservice NHS (National Health Service) hat angekündigt, in Zukunft Spenden der Glücksspielindustrie nicht mehr zu akzeptieren. Zahlreiche Glücksspielanbieter in Großbritannien spenden schon seit Jahren regelmäßig Geld, um die Behandlung von Problemspieler zu unterstützen und Forschungen im Bereich Spielerschutz-Maßnahmen zu ermöglichen. Ein Großteil der Spenden fließt über die Spielerschutz-Organisation Gamble Aware, die dem NHS im letzten Jahr eine Summe von insgesamt 1,2 Millionen Pfund zur Verfügung gestellt hat. Warum es dem NHS helfen soll, kein Geld von der Glücksspielindustrie zu nehmen, ist eine spannende Frage.

NHS will kein Geld von Glücksspielanbieter mehr

Gamble Aware

In den letzten Jahren hat sich die britische Glücksspielindustrie immer mehr beim Spielerschutz engagiert, auch um strengere Gesetze zu vermeiden. Zu diesem Engagement gehörte auch, dass regelmäßig ordentliche Beträge für den NAS gespendet wurden. Doch damit soll nun Schluss sein, obwohl immerhin drei Kliniken in London, Leeds und Manchester fast zur Hälfte mit dem Geld, das von Gamble Aware an den NAS fließt, finanziert werden. Es könnte aber etwas ganz anderes hinter der Ankündigung stecken. Aktuell handelt es sich um freiwillige Spenden. Es könnte jedoch sein, dass schon in naher Zukunft alle Glücksspielanbieter einen Teil ihres Gewinns dem Gesundheitssystem zur Verfügung stellen müssen.

Aktuell wird in Großbritannien eine Reform der Glücksspielregulierung diskutiert. Insbesondere soll das Online-Glücksspiel nach dem Willen vieler Glücksspielgegner deutlich strenger reguliert werden. Was bedeutet das konkret? Vom niedrigen Einzahlungslimits bis hin zu kompletten Verboten steht alles auf der Forderungsliste der Gegner. Auch wenn ein komplettes Verbot keine Chance haben dürfte, wird sich die Glücksspielindustrie wohl darauf einstellen müssen, dass es einige Verschärfungen geben wird. Zu diesen Verschärfungen könnte auch gehören, dass jeder Glücksspielanbieter dazu verpflichtet wird, 1 Prozent des Gewinns an den NHS oder das Gesundheitssystem insgesamt zu spenden. Das wäre am Ende dann deutlich mehr als die 1,2 Millionen Pfund, auf die der NHS verzichten will.

NHS will sich unabhängig von Glücksspielindustrie machen

Grundsätzlich ist es für einen staatlichen Gesundheitsanbieter keine ideale Position, von einem privaten Spender abhängig zu sein. Das gilt nicht nur für die Glücksspielindustrie. Wenn die Glücksspielindustrie dazu verpflichtet wird, ihren Beitrag zum staatlichen Gesundheitsdienst zu leisten, ist das etwas völlig anderes, als wenn die Spenden freiwillig fließen. Bei einer Pflichtleistung können keine Abhängigkeiten entstehen. Ob es in der Praxis irgendwelche Abhängigkeiten von Relevanz gegeben hat, lässt sich schwer einschätzen. Aber definitiv ist es keine gute Sache, dass einzelne Kliniken abhängig davon sind, dass die Glücksspielindustrie freiwillig spendet.

Es kann wohl niemand etwas dagegen haben, dass auch die Glücksspielindustrie Beiträge dazu leistet, dass die Gesellschaft funktioniert. Bei den Spenden für den nationalen Gesundheitsdienst NHS ging es vor allem darum, den Spielern zu helfen, die ein Problem entwickeln und deswegen medizinische Hilfe benötigen. Das ist grundsätzlich eine gute Sache. Aber normalerweise sollte das Gesundheitssystem so ausgestattet sein, dass diese Spieler Hilfe bekommen, ohne dass die Glücksspielindustrie freiwillige Spenden leistet. Es ist unter Fachleuten durchaus umstritten, ob eine spezielle Abgabe für die Glücksspielindustrie sinnvoll und fair wäre. Immerhin zahlt die Glücksspielbranche in Großbritannien schon jetzt Steuern in erheblichem Umfang. Allerdings könnte die Glücksspielbranche mit einer zusätzlichen Abgabe wohl gut leben, wenn dafür in anderen Bereichen die Verschärfungen ausblieben.

Auch deutsche Glücksspielanbieter spenden viel

Die privaten Glücksspielanbieter in Deutschland waren in der Vergangenheit in erster Linie im stationären Glücksspiel unterwegs. Er seit 2021 gibt es überhaupt die Möglichkeit für deutsche Unternehmen, Online Casinos in Deutschland zu betreiben. Große Glücksspielanbieter wie die Gauselmann-Gruppe fallen immer wieder positiv durch großzügige Spenden für gemeinnützige Zwecke aus. Aber es ist nichts darüber bekannt, dass die Glücksspielbranche in Deutschland oder einzelne Glücksspielanbieter regelmäßig Geld für das staatliche Gesundheitssystem spenden. Da das Gesundheitssystem in Deutschland etwas anders funktioniert als in Großbritannien, wäre das auch eine seltsame Sache. Immerhin zahlen mittlerweile auch die Anbieter von Online-Glücksspielen in Deutschland Steuern.