Die UK Gambling Commission, die britische Glücksspielbehörde, hat bekannt gegeben, dass in den neuesten Daten der Anteil der Problemspieler auf einem historischen Tief angekommen ist. Gerade einmal 0,2 Prozent alle Spieler in Großbritannien haben demnach von Juni 2021 bis Juni 2022 Probleme beim Spielen entwickelt. Im vorherigen Bericht lag der Anteil noch bei 0,4 Prozent. Besonders niedrig ist in den neuen Zahlen der Anteil der Frauen, die Schwierigkeiten entwickeln. Gerade einmal 0,1 Prozent der weiblichen Spieler bekommen beim Glücksspiel Probleme. Nach Angaben der britischen Glücksspielbehörde sind die Zahlen im internationalen Vergleich niedrig.

Problemspieler in Großbritannien kein großes Problem

UK Gambling Comission

Liest man Artikel über das Glücksspiel in ganz normalen Zeitungen und Zeitschriften, könnte man den Eindruck entwickeln, dass nahezu alle Glücksspiel-Fans, die in Spielhallen, Spielbanken und Online-Casinos unterwegs sind, früher oder später ein Problem entwickeln. Das ist aber nicht der Fall. Es ist eher so, dass fast das Gegenteil richtig ist, wenn auch nicht ganz. Aber die aktuellen Zahlen aus Großbritannien zeigen, wie niedrig der Anteil der Problemspieler in Wirklichkeit ist. Es gibt nicht viele vermeintlich gefährliche Tätigkeiten, die nur bei 0,2 Prozent aller Teilnehmer zu Problemen führen. Vielleicht sollten sich auch die Glücksspielgegner diese Zahlen etwas näher anschauen, zumal die UK Gambling Commission einen exzellenten Ruf hat. In den letzten Jahren hat die britische Glücksspielbehörde viel unternommen, um den Spielerschutz zu verbessern. Mit Einzahlungslimits, Timeouts und strengen Werberichtlinien sei es gelungen, den Anteil der Problemspieler deutlich zu reduzieren. Nach Einschätzung der UK Gambling Commission verhält sich die überwältigende Mehrheit der Spieler verantwortungsbewusst und entwickelt keine Probleme. Deswegen gibt es aktuell wohl auch keinen Grund, die Regeln deutlich zu verschärfen.

Das bedeutet allerdings nicht, dass sich die Politik nicht auf Kosten der Glücksspielbranche profilieren will. Aktuell wird über eine neue Regulierung des Glücksspiels in Großbritannien debattiert. Aber die aktuellen Zahlen zeigen, dass zumindest der Spielerschutz auf einem sehr hohen Niveau ist.

Anteil der Problemspieler in Deutschland ähnlich niedrig?

Es ist sehr schwierig, zuverlässige Zahlen über die Anzahl der Problemspieler in Deutschland zu bekommen. Auf der einen Seite gibt es die Glücksspielgegner, die ein großes Interesse daran haben, das Problem möglichst groß aussehen zu lassen. Auf der anderen Seite gibt es viele Glücksspielbefürworter, die das Thema am liebsten überhaupt nicht in der Höflichkeit diskutieren würden. Dabei wäre es wichtig, den Anteil der Problemspieler und die genauen Probleme besser zu kennen, um den Spielerschutz zu verbessern. Allerdings spricht einiges dafür, dass der Spielerschutz in Deutschland noch wirkungsvoller ist als in Großbritannien. Durch die Einführung der neuen Spielersperrliste, die für alle Spielhallen, Spielbanken und Online-Casinos gilt, ist ein wichtiger Meilenstein erreicht worden.

Das Spielersperrsystem OASIS ist besonders wichtig für Problemspieler, die sich selbst schützen möchten. Jeder Spieler kann sich selbst eintragen und sich für eine befristet oder unbefristete Zeit sperren lassen. Zwar gibt es immer noch das Problem, dass neben dem legalen Markt ein Schwarzmarkt vorhanden ist, der durch das Spielersperrsystem nicht abgedeckt wird. Aber auf dem legalen Markt dürften in Deutschland in Zukunft kaum mehr Problemspieler als in Großbritannien aktuell zu finden sein. Im Großbritannien gibt es keine Sperrliste und trotzdem werden nur 0,2 Prozent der Spieler als Problemspieler klassifiziert.

Mehr Daten für besseren Spielerschutz

Die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder, die aktuell bereits für die Bekämpfung des Schwarzmarkts und in demnächst für die Regulierung der Online-Casinos zuständig ist, wäre gut beraten, die Datenlage zum Thema Problemspieler deutlich zu verbessern. Warum werden nicht große Studien von unabhängigen Institutionen durchgeführt, mit denen die Wirkung der neuen Glücksspielregulierung umfassend untersucht wird? Zwar erscheinen hin und wieder Studien zu diesem Thema, aber einen systematischen Ansatz, bei dem jährlich gezielt überprüft wird, welche Auswirkungen die Regulierungsmaßnahmen haben, gibt es bislang nicht. Ohne vernünftige Daten wird es auch in Zukunft schwierig sein zu klären, ob die Glücksspielregulierung gut funktioniert oder nicht. Bedauerlicherweise findet die Glücksspielregulierung in Deutschland fast schon traditionell nicht auf Daten- und Faktenbasis, sondern auf der Basis von Ideologien und, im besten Fall, Interessenausgleich statt. Das muss nicht immer so bleiben.