Der Bremer Innensenator Ulrich Mäurer fordert ein konsequentes und umfassendes Aus für Glücksspielwerbung. Auch die Angebote von Sportwetten schließt er in seine Forderungen mit ein. In diesem Zusammenhang macht er auf Werbeausgaben aufmerksam, die allein im Juni dieses Jahres im Bereich der Sportwetten bei rund 20 Millionen Euro lagen.

Ist ein generelles Werbeverbot für Glücksspiel unverzichtbar?

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Ulrich Mäurer (SPD) setzt sich für ein Werbeverbot ein, das die gesamte Glücksspielbranche betrifft und neben Sportwetten auch Online Poker und Spielautomaten beinhaltet. Dadurch, dass annähernd überall und insbesondere im Profisport, wie dem Fußball, eine starke Präsenz von Glücksspielwerbung vorliegt, würde der Eindruck vermittelt, dass beides untrennbar zusammengehört, ist seine Meinung. In seinen Augen ist ein Werbeverbot unverzichtbar, um die Prävention sowie die Bekämpfung von Spielsucht zu gewährleisten. Er sagt: „Es besteht durch Werbung die Gefahr, dass Glücksspiel als Gut des täglichen Lebens wahrgenommen wird und die großen Gefahren der Entstehung von Spielsucht verkannt werden.“ In seinem Bestreben wird der Bremer Innensenator u.a. auch von der Organisation „Gemeinsam gegen Glücksspielsucht“ unterstützt – einer Selbsthilfegruppe, die von Nicole Dreifeld geleitet wird. Die 33-Jährige hat bis 2018 selbst gezockt und gehört zu den rund 3.500 Personen in Bremerhaven und Bremen, die große Probleme mit dem Glücksspiel haben. Knapp 45.000 Menschen gelten in Niedersachsen als gefährdete Spieler. Rund 500.000 Menschen sollen es bundesweit sein. „Das sind zu viel“, meint Bremens Senator fürs Innere.

Dennoch gibt es auch andere Meinungen, denn durch den neuen Glücksspielstaatsvertrag, der am 1. Juli dieses Jahres in Kraft trat und der nun endlich auch in Deutschland die Online Casinos aus der gesetzlichen Grauzone herausgeholt hat, sind auch umfassende Regeln zum Jugend- und Spielerschutz in Kraft getreten. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Projekte, die auf die Gefahren beim Spielen hinweisen, wie u.a. den Aktionstag gegen die Glücksspielsucht, der in verschiedenen deutschen Städten veranstaltet wurde und sehr gut besucht war.

Zu wenig Hilfsangebote im Vergleich zu den Steuereinnahmen

Damit auch langfristig verantwortungsbewusstes Spielen in Bremen und Bremerhaven angeboten werden kann, sollen zwei Spielbanken in diesen beiden Städten von der Bremer Lotto- und Toto-Gesellschaft übernommen werden und somit voraussichtlich ab Anfang Januar 2022 unter der Aufsicht der Stadt Bremen liegen. Nicht vergessen sollte man, dass der deutsche Staat am Glücksspiel kräftig mitverdient. Die Steuereinnahmen sind schließlich nicht unerheblich. Die Abgaben und die Steuern aus dem Glücksspiel-Sektor betrugen im Bundesland Bremen im Jahre 2019 knapp 38 Millionen Euro. Zwei Jahre später gingen die Einnahmen zurück und betrugen nur noch rund 32,5 Millionen Euro. Dies war in erster Linie der weltweit anhaltenden Gesundheitskrise geschuldet, da Spielstätten und Gasthäuser, die auch Geldspielgeräte in ihrem Angebot hatten, über Monate schließen mussten. Es ist davon auszugehen, dass die Steuereinnahmen nun  wieder ansteigen werden. Allerdings stehen diese Einnahmen des Staates wesentlich geringere Ausgaben für Hilfsangebote und Präventionsmaßnahmen gegenüber.

In Bremen werden die Landesstellen für Glücksspielsucht mit jährlich 220.000,- Euro bezuschusst. Gefährdete Spielerinnen und Spieler sowie deren Angehörige können sich dort beraten lassen. Darüber hinaus wird an der Bremer Universität zum Thema Glücksspiel und auch Glücksspielsucht geforscht. Die Ergebnisse dieser Forschung sollen gefährdeten Spielerinnen und Spielern einen besseren Schutz bieten.

Greifen die Spielerschutz-Maßnahmen des Glücksspielstaatsvertrags?

Zu den Experten an der Bremer Uni, die sich der Glücksspielforschung verschrieben haben, gehört auch der Psychologe Tobias Hayer. In seinen Augen setzt der neue Glücksspielstaatsvertrag, der zum Juli dieses Jahres geändert wurde, zusätzliche Anreize zum Zocken. Damit gäbe es Gewinner und Verlierer. Zu den Gewinnern zählen nicht nur die Anbieter von Casino-Spielen sondern auch der deutsche Staat, dem hohe Steuereinnahmen ins Haus stehen. Zu den Verlierern gehören sicherlich die gefährdeten Spielerinnen und Spieler. Psychologe Hayer zweifelt daran, dass die Maßnahmen zum Jugend- und Spielerschutz tatsächlich greifen, die im neuen Staatsvertrag verankert sind. Er sagt: „So ein Staatsvertrag ist immer eine Kompromisslösung zwischen 16 Bundesländern. Mit dem Staatsvertrag wurden alle möglichen Formen des Online-Glücksspiels legalisiert.“

Tobias Hayer zufolge soll es unterschiedliche Risiken geben, die eine Glücksspielsucht  begünstigen, da Menschen sich durch eine unterschiedliche Genetik voneinander unterscheiden. Impulsivität spielt beispielsweise eine Rolle. Als deutlich suchtgefährdeter gilt beispielsweise jemand, der ein sehr starkes Bedürfnis nach Befriedigung und Belohnung hat. Auch Personen, die unangemessen mit Stress umgehen, gelten als gefährdet. Aber auch Umweltfaktoren können nicht unerheblich sein, wie beispielsweise Werbung. Einige Menschen könnten darauf anspringen ist seine Meinung. „Und schon ist der Einstieg in die Welt des Glücksspiels geebnet," sagt er und spiegelt somit die Meinung des Bremer Innensenators Ulrich Mäurer wieder.