Die Mitarbeiter der Spielbanken Brandenburg haben mit einem Warnstreik die Forderungen nach höherer Bezahlung untermauert. Der neue Tarifvertrag solle deutlich höhere Löhne enthalten als bisher. Derzeit sei es so, dass die meisten Mitarbeiter in den Spielbanken Brandenburg kaum mehr als den Mindestlohn verdienten. Nach Angaben von Betriebsratschef Reinhard Lemke läge der Bruttolohn der meisten Mitarbeiter zwischen 1.800 bis 2.100 Euro. Darin enthalten seien schon sämtliche Zuschläge für Feiertags- und Nachtarbeit. Derzeit läge die Arbeitszeit bei 39 Wochenstunden. Der Betriebsrat der Spielbanken Brandenburg setzt sich für eine Lohnsteigerung von 6,9 Prozent und einer Wochenarbeitszeit von 37,5 Stunden ein.

Mitarbeiter in Brandenburger Spielbanken wollen mehr verdienen

Roulette

In den Brandenburger Spielbanken in Potsdam und Cottbus sind die Mitarbeiter anscheinend nicht mehr zufrieden mit ihrem Löhnen. Der Betriebsrat setzt sich für eine deutliche Lohnsteigerung ein. Nach Angaben der Gewerkschaft Verdi soll die Leiterin von Lotto Brandenburg, Kerstin Kosanke, auf die Forderungen angeblich reagiert haben mit der Drohung, die Spielbanken zu schließen, wenn der Betriebsrat nicht von seinen Forderungen abweiche. Der Sprecher des Finanzministeriums in Brandenburg, Ingo Decker, habe dies allerdings nicht bestätigt. Das wäre auch ein starkes Stück. Wenn sich ein Betriebsrat für Lohnsteigerungen einsetzt, kann das Ergebnis am Ende nicht sein, dass die Betriebe geschlossen werden. Allerdings muss immer auch berücksichtigt werden, wie die finanzielle Situation der Spielbanken ist. Die Spielbanken in Brandenburg und Potsdam haben durch die Gesundheitskrise einen deutlichen Einnahmenverlust erlitten. Auf dieser Basis dürfte es nicht ganz einfach sein, eine deutliche Ausgabensteigerung durch eine Lohnerhöhung zu rechtfertigen. Auf der anderen Seite sollte ein Glücksspielanbieter in normalen Zeiten aber dazu in der Lage sein, deutlich mehr als den Mindestlohn zu bezahlen. Der Warnstreik, den die Spielbanken-Mitarbeiter zuletzt umgesetzt haben, zeigt sehr deutlich, dass der Betriebsrat es ernst meint.

Eine Einigung scheint derzeit noch nicht in Sicht zu sein. Auch nach dem Warnstreik gab es bislang keine Zugeständnisse. Das kann sich aber noch ändern, zumal weitere Streiks nicht auszuschließen sind. Wahrscheinlich werden sich die Spielbanken-Mitarbeiter nicht mit allen Forderungen komplett durchsetzen. Aber wenn es zu einer spürbaren Steigerung der Löhne und einer leichten Verringerung der Wochenarbeitszeit kommen würde, wäre das schon ein großer Erfolg. Nicht zuletzt muss berücksichtigt werden, dass es in den Casinos viele Jobs gibt, die anspruchsvoll sind. Ein Croupier muss sehr aufmerksam sein, damit auch nicht der geringste Fehler passiert. Ob am Roulette-Tisch oder Blackjack-Tisch: Ein entscheidender Faktor für eine erfolgreiche Spielbank ist immer auch gut ausgebildetes Personal. Allerdings sind die goldenen Zeiten für die Spielbanken-Mitarbeiter wohl nicht nur in Brandenburg vorbei. Letztlich gibt es nur wenige Jobs in der Spielbanken-Branche, sodass es vergleichsweise leicht ist, auch die anspruchsvollen Positionen gut zu besetzen. Zudem wächst der Druck auf das landbasierte Glücksspiel, nicht nur durch die immer noch schwelende Gesundheitskrise. Es gibt auch strukturelle Probleme, die für die Spielbanken in Brandenburg mittel- und langfristig relevant sind.

Online-Glücksspiel auch für Spielbanken Brandenburg gefährlich?

Der neue Glücksspielstaatsvertrag 2021 macht es möglich: In Deutschland gibt es bald seriöse Online-Casinos mit deutscher Lizenz. Dadurch entsteht ein ganz neuer Glücksspielmarkt, der vielleicht auch für viele Glücksspiel-Fans interessant ist, die bislang das Online-Glücksspiel gemieden haben. Auch wenn es schon lange Online-Spielhallen mit EU-Lizenz gibt, haben sich doch viele Glücksspiel-Fans bislang nicht getraut, online zu spielen. Doch wenn Anbieter mit deutscher Lizenz verfügbar sein werden, könnte sich das erheblich ändern. Werden die Spieler, die aktuell in die Spielbanken in Potsdam und Cottbus gehen, demnächst nur noch online spielen? Wahrscheinlich wird es immer ein Publikum für landbasierte Spielbanken geben, schon weil eine Live-Atmosphäre geboten wird, die ein Online-Casino nicht haben kann. Aber dafür bieten die Online-Spielbanken viele andere Dinge, die es in den landbasierten Spielbanken nicht gibt. Beispielsweise sind die Online-Casinos immer geöffnet, während Spielbanken Öffnungszeiten haben. Für viele Glücksspiel-Fans ist das ein wichtiger Grund, zumindest zusätzlich auch bei Online-Glücksspielanbietern zu spielen.

Die aktuellen Tarifverhandlungen haben nicht unmittelbar etwas damit zu tun, dass es bald Online-Casinos mit deutscher Lizenz gibt. Aber selbstverständlich spielt dieses Thema zumindest im Hintergrund auch eine Rolle, wenn es darum geht, die wirtschaftlichen Chancen der Spielbanken für die nächsten Jahre zu beurteilen. Nur wenn die Spielbanken gut laufen, ist es möglich, ordentliche Gehälter zu bezahlen. Angesichts des niedrigen Lohnniveaus in den Spielbanken in Brandenburg, sollte es aber auch unter den aktuellen Voraussetzungen möglich sein, Lohnsteigerungen durchzusetzen. Am Ende funktionieren auch Spielbanken nur, wenn die Mitarbeiter zufrieden sind. Immerhin gibt es ca. 60 Mitarbeiter in den Brandenburger Spielbanken, die sich und oft auch ihre Familien vom Gehalt ernähren müssen. Es wird spannend sein zu sehen, ob es bald noch einen Streik geben wird. Der erste Warnstreik hat zumindest gezeigt, dass die Mitarbeiter der Spielbanken dazu bereit sind, für ihre Forderungen zu kämpfen. Nun muss sich zeigen, ob die Regierung von Brandenburg einlenkt oder eine Kompromisslösung akzeptiert. Es ist kaum vorstellbar, dass am Ende nicht zumindest eine kleine Lohnerhöhung umgesetzt wird.