Der schwedische Verband für Online-Glücksspiel, BOS (Branschföreningen för Onlinespel), hat sich deutlich gegen die aktuellen Pläne der schwedischen Regierung, die Richtlinien für Casino-Werbung zu verschärfen, ausgesprochen. Das Finanzministerium hat neue Pläne vorgelegt, die es den Anbietern von Glücksspielen erschweren würden, Werbung zu machen. Der Vorschlag des Finanzministeriums wird auch von der schwedischen Glücksspielbehörde Spelinspektionen unterstützt. Die schwedische Glücksspielbranche hatte sich zuletzt vehement dafür eingesetzt, Restriktionen, die aufgrund der Gesundheitskrise eingeführt worden waren, aufzuheben. Doch nun kommt mit den geplanten Casino-Werbebeschränkungen das nächste Problem auf die schwedische Glücksspielbranche zu.

Werbung für Glücksspiele soll eingeschränkt werden

Schweden Online Casinos

Was plant das schwedische Finanzministerium? Die Werbung für Glücksspiele soll in Zukunft grundsätzlich mit einem Hinweis versehen werden, der die Gefahren des Glücksspiels betont. Das ist für deutsche Glücksspiel-Fans keine große Sache, denn es ist schon länger üblich, dass entsprechende Hinweise in Werbespots eingefügt werden. Auch in anderen Ländern wie Spanien und Italien müssen die Glücksspielanbieter in der Werbung darauf hinweisen, dass das Glücksspiel mit Gefahren verbunden sein kann. Warum also die Aufregung über den neuen Vorschlag des Finanzministeriums in Schweden? Die Glücksspielbranche in Schweden könnte gut damit leben, einen Gefahrenhinweis in die Werbung einzubauen. Aber es gibt einen anderen Teil des Vorschlags, der deutlich problematischer ist. Das Finanzministerium schlägt vor, dass Werbung für sämtliche Online-Glücksspiele, also auch für Online-Sportwetten, in Zukunft erst ab 21:00 Uhr ausgestrahlt werden darf. Dadurch würden die Möglichkeiten der Glücksspielanbieter im Bereich der Werbung deutlich eingeschränkt werden.

Genauso wie in Deutschland gibt es auch in Schweden viele Sportwettenanbieter, die im Umfeld von Live-Übertragungen im Fernsehen Werbung machen. Wenn es ein grundsätzliches Werbeverbot für Glücksspiele und Sportwetten vor 21:00 Uhr gäbe, würde das bedeuten, dass viele Live-Events im Fernsehen nicht mehr für Glücksspielanbieter interessant wären. Man kann lange darüber diskutieren, ob dieser Vorschlag im Sinne des Spielerschutzes sinnvoll ist oder nicht. Aber die Auswirkungen wären nicht nur für die Glücksspielbranche deutlich. Auch die Sportveranstalter und Fernsehsender, die von der Werbung für Glücksspiele und Sportwetten profitieren, müssen mit Nachteilen rechnen. Die Glücksspielanbieter mussten sich seit dem Ausbruch der Gesundheitskrise in Schweden mit diversen Restriktionen auseinandersetzen, die nach Einschätzung vieler Experten zumindest nicht durchweg auf guten Argumenten basierten. Doch die Restriktionen, unter anderem besonders strenge Einzahlungslimits und Bonuslimits, fallen nun weg. Es ist bezeichnend, dass die schwedische Regierung auf dem Weg ist, gleich die nächsten Beschränkungen für das Online-Glücksspiel einzuführen.

Strengere Werberegeln Problem für lizenzierte Anbieter?

Was passiert, wenn Werbung für Glücksspiele und Sportwetten eingeschränkt wird? Auf den ersten Blick sieht es vielleicht aus, als ob die unmittelbare Wirkung wäre, dass der Umsatz mit Glücksspielen und Sportwetten nach unten ginge. Doch das lässt sich gerade beim Online-Glücksspiel nur sehr schwer belegen. Es sieht vielmehr in der Praxis oft so aus, als würden strenge Werberegeln vor allem dafür sorgen, dass die lizenzierten Anbieter es schwer haben, eine große Marktdurchdringung zu erreichen. Die nicht lizenzierten Anbieter machen zwar in der Regel keine Werbung im Fernsehen. Aber es gibt andere Wege, Kunden zu gewinnen, die interessanter und attraktiver werden, wenn die großen Glücksspielanbieter mit Lizenz nicht die Möglichkeit haben, die reichweitenstarken Fernsehsender für ihre Werbung zu nutzen. Letztlich könnte eine Verschärfung der Werberichtlinien in Schweden somit dazu führen, dass der Marktanteil der regulierten Anbieter weiter sinkt. Ohnehin gibt es in Schweden bereits das Problem, dass die Kanalisierung allem Anschein nach nicht gut funktioniert.

Je strenger die Regeln auf dem Online-Glücksspielmarkt sind, desto leichter ist es für nicht regulierte Anbieter, Kunden zu finden. Das sollte keine große Überraschung sein, denn diesen Effekt gibt es gerade beim Online-Glücksspiel in nahezu allen Märkten. Gustaf Hoffstedt, der Generalsekretär des BOS, weist in einem aktuellen Statement darauf hin, dass bereits etwa 25 Prozent des gesamten Online-Glücksspielmarkts von nicht lizenzierten Anbietern abgedeckt werde. Wenn diese Zahl stimmt, würde das bedeuten, dass der regulierte Markt nur 75 Prozent des Gesamtmarktes ausmacht. Eine derart niedrige Kanalisierung ist ein riesiges Problem, denn am Ende entscheidet sich auch die Qualität des Spielerschutzes vor allem an der Frage, ob die Spieler bei den regulierten Anbietern unterwegs sind. Falls sich der Trend zu schlechter Kanalisierung weiter verschärfen sollte, unter anderem auch durch strengere Werberichtlinien, stellt sich irgendwann die Frage, wie sinnvoll die Glücksspielregulierung in Schweden überhaupt ist.

Werbung für Glücksspiel auch in Deutschland eingeschränkt

Der neue Glücksspielstaatsvertrag bringt auch in Deutschland einige Verschärfungen im Bereich der Werbung für Online-Casinos und Online-Buchmacher mit sich. Aber zumindest in diesem Bereich scheint der Gesetzgeber doch eine vernünftige Lösung gefunden zu haben. Lizenzierte Online-Glücksspielanbieter sollten die Möglichkeit haben, in einem vernünftigen Rahmen Werbung zu machen. Bei der Werbung für Online-Glücksspiele geht es den Unternehmen vor allem darum, die Glücksspiel-Fans davon überzeugen, eine bestimmte Marke zu bevorzugen. Allein durch Werbung wird der deutsche Glücksspielmarkt, der ohnehin schon eine beeindruckende Größe hat, nicht erheblich wachsen. Aber die lizenzierten Glücksspielanbieter haben in Deutschland die Möglichkeit, Werbung zu machen und damit einen deutlichen Vorteil gegenüber den nicht lizenzierten Glücksspielanbietern. Ob das ausreicht, um eine hohe Kanalisierung zu erreichen, bleibt abzuwarten.