In Belgien gilt neuerdings ein Einzahlungslimit von 200 Euro pro Woche in Online-Casinos. Im Juli war ein entsprechender Beschluss verabschiedet worden. Das neue Limit ist deutlich niedriger als das vorherige Limit, das bei 500 Euro pro Woche lag. Allerdings gibt es einen wichtigen Unterschied zum Einzahlungslimit in Deutschland. Die Begrenzung gilt nicht übergreifend, sondern für jeden einzelnen Glücksspielanbieter individuell. Ein anbieterübergreifendes Einzahlungslimit war lange in der Diskussion, konnte aber letztlich politisch nicht durchgesetzt werden. Das neue Limit ist somit aus Sicht vieler Politiker in Belgien nur die zweitbeste Lösung.

Belgien bekommt neues Einzahlungslimit in Online-Casinos

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In Belgien gibt es schon seit längerer Zeit ein wöchentliches Einzahlungslimit. Mit der Reduzierung des Einzahlungslimits soll der Spielerschutz verbessert werden. Allerdings ist nicht ganz klar, wie das in der Praxis funktionieren soll. Wenn ein Spieler bei einem Glücksspielanbieter 200 Euro eingezahlt hat, ist ein Wechsel zum nächsten Glücksspielanbieter problemlos möglich. Im Grunde genommen kann jeder Spieler alle legalen Online-Casinos in Belgien durchgehen und jeweils monatlich 200 Euro einzahlen. Somit ist trotz niedrigen Einzahlungslimits insgesamt ein hoher Umsatz möglich. Das ist der Hauptgrund, warum es viele Befürworter eines anbieterübergreifenden Einzahlungslimits gab.

Die Spieler in Belgien haben die Möglichkeit, eine Erhöhung des wöchentlichen Limits zu beantragen. Allerdings ist dazu eine Bonitätsprüfung erforderlich. Die Spieler müssen im Kreditregister der Nationalbank stehen, um ein höheres Limit zu bekommen. Somit können nur Spieler, die über entsprechende finanzielle Möglichkeiten verfügen, höhere Einzahlungen machen. Das klingt alles sinnvoll, aber das grundlegende Problem wird durch das Einzahlungslimit nicht angegangen. Was ist das grundlegende Problem? Spieler, die in Belgien keine hohen Einzahlungen machen können, aber trotzdem hohe Einzahlungen machen möchten, finden auf dem Schwarzmarkt viele Gelegenheiten.

Verbessert neues Einzahlungslimit den Spielerschutz in Belgien?

Viele Politiker sind davon überzeugt, dass beim Glücksspiel ein möglichst restriktiver Ansatz nötig sei, um den Spielerschutz zu verbessern. Doch das funktioniert schon im terrestrischen Glücksspiel nicht. Auch in Belgien finden immer wieder Polizeieinsätze statt, bei denen illegale Glücksspielanbieter ausgehoben werden. Beim Online-Glücksspiel ist die Situation noch heftiger. Auch die belgische Politik hat bislang keine Mittel und Wege gefunden, um den Schwarzmarkt wirkungsvoll einzudämmen. Beispiele aus anderen Ländern zeigen, dass vor allem ein attraktiver legaler Glücksspielmarkt notwendig ist, um Spieler davon abzuhalten, auf dem Schwarzmarkt zu spielen. Doch dieser einfachen Erkenntnis widersetzen sich viele Politiker, die aus ideologischen Gründen das Glücksspiel ablehnen.

Dabei ist völlig klar, dass die besonders gefährdeten Problemspieler Himmel und Hölle in Bewegung setzen, um sich über Spielsperren, Einzahlungslimit und Einsatzlimits hinwegzusetzen. Bestraft werden mit diesen Einschränkungen hauptsächlich die gewöhnlichen Glücksspiel-Fans, die in ihrer Freizeit ein wenig Spaß haben möchten mit Spielautomaten und anderen Spielen. Nicht zuletzt wird auch die legale Glücksspielindustrie geschädigt, denn die Umsätze, die auf dem Schwarzmarkt getätigt werden, landen nicht bei den seriösen Unternehmen der Branche. Eine restriktivere Glücksspielregulierung sieht auf dem Papier gut aus, bringt in der Praxis aber nicht den gewünschten Erfolg. Das lässt sich anhand vieler Beispiele illustrieren.

Auch Deutschland versucht restriktive Glücksspielregulierung

In Deutschland gibt es ein anbieterübergreifendes Einzahlungslimit in Höhe von 1.000 Euro. Ferner gibt es ein Einsatzlimit in Höhe von 1 Euro. Die Spiele müssen mindestens fünf Sekunden dauern und außer Spielautomaten dürfen die Online-Casinos nichts anbieten. Es gibt nicht viel Fantasie dazu sich vorzustellen, was ein ambitionierter Glücksspiel-Fan angesichts dieser Einschränkungen denkt. Fakt ist, dass aktuell in Deutschland ein großer Teil des Umsatzes nicht in den legalen Online-Casinos erzielt wird. Die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder hat zwar angekündigt, den Schwarzmarkt zu bekämpfen. Geschehen ist aber bislang nichts.

Als einzige öffentlichkeitswirksame Maßnahmen hat die neue Glücksspielbehörde Internetsperren gegen Lottoland angekündigt. Lottoland ist einer der großen Konkurrenten der staatlichen Lotterien in Deutschland. Aber wie hilft das den legalen Casino-Betreibern in Deutschland? Bedauerlicherweise hat das Online-Glücksspiel keine große Lobby. Wenn in einer anderen Branche die Regulierung derart misslingen würde wie beim Online-Glücksspiel, gäbe es einen riesigen Aufstand. Aber wenn es gegen die Glücksspielbranche geht, gibt es nicht viel Widerstand in der Öffentlichkeit. Das ist bedauerlich, denn die Glücksspielbranche ist ein relevanter Wirtschaftsfaktor und ein wichtiger Arbeitgeber.