Unternehmen, die eine deutsche Lizenz für ein Online Casino haben möchten, müssen dazu in der Lage sein, eine Bankbürgschaft in Höhe von 5 Millionen Euro zu erbringen. Dieses Detail ist bislang kaum öffentlich diskutiert worden. Aber durch diese hohe Bankbürgschaft werden viele kleine Casino-Betreiber vom Markt ferngehalten. Ob das strategisch eine gute Entscheidung ist, darf bezweifelt werden. Immerhin sind es gerade die kleinen Online Casinos, die oft für Innovationen sorgen. Die aktuelle Regelung begünstigt große Glücksspielanbieter, für die es kein Problem ist, eine Bankbürgschaft in einer Höhe von 5 Millionen Euro zu bekommen. Dazu gehören unter anderem auch die großen Glücksspielanbieter, die in Deutschland im landbasierten Geschäft unterwegs sind.

Ist Bankbürgschaft in Höhe von 5 Millionen fair?

Lizenz Online Casino

Grundsätzlich ist es nachvollziehbar, dass eine Lizenzbehörde eine Bürgschaft verlangt, schon allein um eventuelle Kosten bei Verstößen gegen die Lizenz oder bei generellem Fehlverhalten begleichen zu können. Zudem hat eine Bankbürgschaft auch den Vorteil, dass das Unternehmen nicht nur von der Glücksspielbehörde, sondern auch von der Bank geprüft wird. Ein Unternehmen, das eine Bankbürgschaft in Höhe von 5 Millionen bekommt, muss zumindest die Bank davon überzeugt haben, dass entsprechende finanzielle Mittel vorhanden sind. Doch umstritten ist die Höhe der Bankbürgschaft. Auch wenn das Glücksspiel ein Milliardengeschäft ist, gibt es doch auch viele kleine Unternehmen, die keine Umsätze in Millionenhöhe machen. Für diese Unternehmen dürfte es enorm schwer sein, eine Bankbürgschaft in Höhe von 5 Millionen zu bekommen. Es ist durchaus vorstellbar, dass irgendwann ein kleiner Glücksspielanbieter gegen die hohe Bankbürgschaft klagt. Unabhängig von den juristischen Feinheiten, könnte ein neutraler Beobachter zumindest auf die Idee kommen, dass eine Wettbewerbsverzerrung durch die Bankbürgschaft stattfindet.

Die Bankbürgschaft kann in der Praxis deutlich höher werden, wenn der Lizenznehmer einen entsprechend hohen Umsatz hat. Ob das sinnvoll ist, kann diskutiert werden. Aber an dieser Stelle dürfte kein Problem entstehen, da ein Glücksspielanbieter mit einem hohen Umsatz dazu in der Lage ist, eine hohe Sicherheitsleistung zu erbringen. Grundsätzlich ist die Idee, mit der Bankbürgschaft dafür zu sorgen, dass nur seriöse Glücksspielanbieter eine Lizenz bekommen, nicht verkehrt. Auch andere Glücksspielbehörden in Europa verlangen Sicherheitsleistungen. Die Bankbürgschaft ist übrigens nur eine Option, um diese Sicherheitsleistungen zu bringen. Beispielsweise wäre es auch möglich, ein Inhaber-Sparbuch zu hinterlegen, um entsprechende finanzielle Mittel nachzuweisen. Aber die Bankbürgschaft ist die populärste Option, wenn es um derartige Sicherheitsleistungen geht. Doch wie soll ein Unternehmen, das nicht einmal Millionen umsetzt, eine Bankbürgschaft in Höhe von 5 Millionen bekommen? Es spricht einiges dafür, dass diese Frage noch heiß diskutiert wird. Im Moment befindet sich der neue deutsche Glücksspielmarkt in der ersten Phase. Noch sind keine Lizenzen vergeben worden. Erst nach dieser ersten Phase werden wahrscheinlich umstrittene Details in der Glücksspielregulierung öffentlich etwas ambitionierter diskutiert als bisher.

Deutsche Glücksspielregulierung an einigen Stellen umstritten

Die 5 Millionen Bankgarantie betritt vor allem die kleinen Casino-Betreiber, aber nicht direkt die Glücksspiel-Fans. Bei der neuen Glücksspielsteuer, die eine Spieleinsatzsteuer ist, sieht die Sache ganz anders aus. Die Glücksspielanbieter sind dazu gezwungen, die Auszahlungsquoten der Spiele zu senken, um wirtschaftlich arbeiten zu können. Das führt dazu, dass auf dem neu regulierten Glücksspielmarkt in Deutschland die Auszahlungsquoten der Online-Slots niedriger sind als vorher. Noch problematischer dürfte aber sein, dass es einen großen Schwarzmarkt gibt, auf dem die Anbieter keine deutsche Glücksspielsteuer abführen und dementsprechend in Zukunft höhere Auszahlungsquoten anbieten können. Dieses Problem muss dringend gelöst werden, entweder durch heftige Restriktionen gegen Anbieter auf dem Schwarzmarkt oder aber durch eine Veränderung der Glücksspielsteuer. Im Moment bewegt sich in beide Richtungen nicht viel, auch weil die zuständige Behörde in Sachsen-Anhalt im Moment damit beschäftigt ist, die ersten Lizenzanträge zu prüfen. Aber es gibt auch noch andere Faktoren, die dazu beitragen könnten, dass die deutsche Glücksspielregulierung nicht zum gewünschten Erfolg führt, jedenfalls nicht beim Online-Glücksspiel.

In Deutschland werden die Online Casinos durch die neue Regulierung weniger attraktiv sein als vorher. Das Angebot ist auf virtuelle Automatenspiele beschränkt. Damit fallen viele Glücksspiele weg, die bislang in Deutschland online verfügbar waren. Es gibt ein monatliches Einzahlungslimit von 1.000 Euro, aber nicht für jeden Glücksspielanbieter individuell, sondern für jeden Spieler. Deswegen gibt es eine Limitdatei, mit der die Glücksspielanbieter mit deutscher Lizenz gewährleisten können, dass ein Spieler nicht mehr als insgesamt 1.000 Euro pro Monat in seriösen Online Casinos ausgibt. Mehr als 1 Euro dürfen die Spieler in Deutschland nicht mehr setzen pro Spielrunde. Die vielen kleinen und großen Einschränkungen können dafür sorgen, dass die Anbieter auf dem regulierten Glücksspielmarkt Schwierigkeiten haben, ihre Kunden zu behalten und neue Kunden zu werben. Alles wird davon abhängen, ob es gelingt, die Anbieter auf dem Schwarzmarkt zurückzudrängen. Falls das nicht funktioniert, wird sich so mancher Glücksspiel-Fan überlegen, ob er nicht lieber doch bei einem Glücksspielanbieter ohne deutsche Lizenz, aber auch ohne die strengen Restriktionen in Deutschland spielt. Wenn am Ende die seriösen Glücksspielanbieter benachteiligt würden durch die neue Glücksspielregulierung, wäre das fatal.