Kürzlich haben wir davon berichtet, dass alle 33 lizenzierten Online-Wettanbieter in Hessen gegen das Land Hessen klagen, um die strenge Regulierung des Sportwetten-Markts im Internet außer Kraft zu setzen. Im Mittelpunkt steht dabei das Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat. In Deutschland gilt, dass kein Sportwetten-Fan mehr als 1.000 Euro pro Monat insgesamt einzahlen darf. Doch das ist eine Regelung, die in vielerlei Hinsicht problematisch ist. Sportwetten-Experten weisen schon lange darauf hin, dass mit dieser Regelung den High Rollern jede attraktive Option auf dem legalen Markt genommen werde. Demnächst muss das zuständige Verwaltungsgericht entscheiden, ob das strikte Einzahlungslimit rechtens ist.

33 lizenzierte Online-Wettanbieter sehen sich benachteiligt

Sportwetten Online

Normalerweise sollte es so sein, dass auf einem regulierten Markt die lizenzierten Teilnehmer einen deutlichen Vorteil haben. Aber auf dem deutschen Sportwetten-Markt im Internet ist das nicht der Fall. Die lizenzierten Online-Wettanbieter haben derzeit einen erheblichen Nachteil, weil sie die Einzahlungen ihre Kunden erheblich begrenzen müssen. Kein Buchmacher-Kunde darf in Deutschland mehr als 1.000 Euro pro Monat einzahlen. Dieses Einzahlungslimit wird mit dem anbieterübergreifenden Kontrollsystem LUGAS überwacht. Für die meisten Sportwetten-Fans dürfte ein Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat völlig in Ordnung sein. Aber es gibt einen relativ kleine, doch bedeutsame Gruppe von umsatzstarken Sportwetten-Fans, die mit dem neuen Einzahlungslimit nicht zurechtkommt.

Was machen nun diese High Roller, die schon seit Jahren zumindest gelegentlich mehr als 1.000 Euro pro Monat bei Buchmachern einzahlen? Da der legale Markt keine passenden Möglichkeiten bietet, nutzen die High Roller nicht lizenzierte Online-Buchmacher. Bedauerlicherweise ist der Marktzugang für die nicht lizenzierten Anbieter nach wie vor sehr einfach. Deutschland kündigt zwar schon seit einiger Zeit an, dass demnächst eine wirkungsvolle Bekämpfung des Schwarzmarkts stattfinden soll. Aber erst ab Mitte 2023 wird die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder diese Aufgabe übernehmen. Viele Experten glauben allerdings nicht daran, dass Deutschland den Schwarzmarkt wirkungsvoll begrenzen kann. Bislang ist das noch keinem Land in der Europäischen Union nachhaltig gelungen.

Legaler Markt schrumpft – Gesamtmarkt wächst?

Für Mathias Dahms vom Deutschen Sportwettenverband (DSWV) ist der Rückgang beim Umsatz von 9,3 Milliarden Euro auf 7,8 Milliarden Euro vom Jahr 2019 bis zum Jahr 2021 ein deutliches Warnsignal. Es ist kein Zufall, dass im Jahr 2021, also dem Jahr, in dem die neuen Regeln eingeführt und umgesetzt wurden, der legale Markt geschrumpft ist. Das ließe sich nur rechtfertigen, wenn der Markt insgesamt geschrumpft wäre. Doch es gibt einige Anzeichen dafür, dass der Markt insgesamt eher gewachsen ist. In den meisten europäischen Ländern ist der Sportwetten-Markt im Jahr 2021 nicht kleiner geworden im Vergleich zum Jahr 2019. Es gibt keinen Grund zu glauben, dass gerade in Deutschland plötzlich weniger Umsätze mit Sportwetten gemacht wurden.

Seit der Einführung der neuen Glücksspielregulierung mit dem Glücksspielstaatsvertrag 2021 gibt es in Deutschland eine strenge Regulierung, aber die strenge Regulierung wird nicht kontrolliert. Das ist ein fundamentaler Fehler, auf den viele Fachleute bei den Anhörungen zum Glücksspielstaatsvertrag 2021 hingewiesen haben. Aber die zuständigen Politiker wollten nicht hören und stehen jetzt vor dem Problem, dass die 33 lizenzierten Online-Wettanbieter dafür sorgen könnten, dass die Regulierung der Online-Sportwetten in der aktuellen Form vor Gericht scheitert. Abgesehen vom Imageschaden wäre es für den gesamten Sportwetten-Markt geradezu dramatisch, wenn ein Gericht entscheiden würde, dass die zentralen Begrenzungen nicht rechtskonform wären.

Wunsch Vater der deutschen Glücksspielregulierung?

Die neue Glücksspielregulierung in Deutschland sieht sowohl bei den Sportwetten als auch beim Online-Poker und bei den Online-Casinos so aus, als hätten sich einige Politiker, die nicht viel Ahnung von der Materie haben, auf einen möglichst faulen Kompromiss geeinigt. Die Idee, mit einem niedrigen Einzahlungslimit und einer außergewöhnlich hohen Besteuerung den legalen Markt so unattraktiv zu machen, dass niemand mehr Sportwetten abschließen will, war mindestens naiv. Wenn der Wunsch Vater der Regulierung ist und die Glücksspielgegner zentrale Forderungen durchsetzen können, ist das in der Praxis ein Problem. Vielleicht löst das zuständige Verwaltungsgericht Darmstadt dieses Problem zumindest teilweise. Aber auch dann wäre immer noch nicht klar, wie der neu regulierte Online-Glücksspielmarkt in Deutschland vernünftig funktionieren soll. Vielleicht ist die neue Glücksspielregulierung aber auch nur eine ABM-Maßnahme für Rechtsanwälte.