England – Italien 3:4  nach Elfmeterschießen

Die Nacht war lang im altehrwürdigen Londoner Wembley-Stadion. Italien und England reichte im Finale der EM 2021 die reguläre Spielzeit nicht aus, um eine Entscheidung herbeizuführen. Auch in der Verlängerung wurde kein Sieger ermittelt, und so kam es, wie es kommen musste: Die beiden Mannschaften standen sich im Elfmeterschießen gegenüber. Und schon wieder erfüllte sich das Trauma der Three Lions, und der Traum vom Titelgewinn einer Europameisterschaft war einmal mehr ausgeträumt. Und das, obwohl der englische Coach Gareth Southgate noch gegen Ende der Verlängerung ganz tief in die Trickkiste gegriffen hatte. Er brachte zwei Offensivspieler, die die Elfer verwandeln sollten. Allerdings scheiterte sowohl Jadon Sancho, als auch Marcus Rashford sowie der bereits zuvor eingewechselte Bukayo Saka. Nach der Partie sagte Gareth Southgate, der im Halbfinale gegen Deutschland bei der Europameisterschaft 1996 selbst den entscheidenden Elfmeter verballert hatte: „Ich habe die Schützen nach den Trainingseindrücken ausgesucht. Niemand ist allein. Wir haben gemeinsam gesiegt, und es liegt an uns allen, dieses Spiel nicht gewonnen zu haben. Was die Elfmeter angeht, ist es meine Entscheidung, und ich muss dafür gerade stehen.“ Somit hat Southgate erneut zu der Niederlage seines Teams einen großen Beitrag geleistet und bleibt die ganz tragische Figur in diesem Finale.

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England scheitert wieder mal in einem Elfmeter-Debakel

Italien Europameisterschaft 2021

Sie hatten so sehr auf einen Sieg gebaut, als sie sangen "It's coming home", doch daraus wurde wieder einmal nichts. Der englische Traum vom Gewinn der Europameisterschaft 2021 zerplatzte im Londoner Wembley-Stadion beim Elfmeterschießen wie eine Seifenblase. Gareth Southgates Fehlschuss vor 25 Jahren sorgte damals für den deutschen Einzug ins Finale. Gestern lag es wieder an ihm. Seine späten Einwechslungen, die die Strafstöße verwandeln sollten, sorgten für das Aus und bescherten Italien den Titel. „It's coming to Rome!", brüllte dann auch Leonardo Bonucci nach Ende des Spiels in die laufenden Kameras. Es war schon kurz vor Mitternacht, als Bukayo Saka den letzten Elfer verschoss. Er scheiterte am italienischen Keeper Gianluigi Donnarumma. Dabei war er von Southgate noch kurz zuvor als eine Art Joker eingewechselt worden und wurde dadurch zum dritten Einwechselspieler, der nicht verwandeln konnte. Es war die 119. Minute, in der sich der unglückliche englische Trainer zu einer drastischen Maßnahme entschlossen hatte. Er brachte die beiden Offensivkräfte Jadon Sancho und Marcus Rashford für die eher defensiv starken Kyle Walker und Jordan Henderson. Diese Umstellung tätigte er ganz offensichtlich wegen des bevorstehenden Elfmeterschießens, das bereits in der Luft lag. Ganz anders, als im bisherigen Turnier, setzte Gareth Southgate plötzlich auf die beiden jungen Topstars. In sieben Spielen hatte Sancho bis gestern erst 96 Minuten gespielt, und Rashford kam sogar nur auf 82 Einsatzminuten. Doch dies sollte nun für Southgate und seine beiden Stürmer zur Nacht der Nächte werden und mit dem Pokal gekrönt werden.

Auch die landesweiten englischen Sportnachrichten hatten im Vorfeld der Final-Partie so viel Zuversicht verbreitet, dass es diesmal einfach klappen musste. Zu Beginn des Elfmeter-Krimis sah es auch noch ganz gut aus. Harry Maguire und Harry Kane konnten ihre Elfer sicher und souverän verwandeln. Für Italien hatte Domenico Berardi getroffen. Andrea Belotti hatte nicht so viel Glück und verschoss. Demnach hatte Marcus Rashford quasi „... die Vorentscheidung auf dem Fuß“. Er lief gemächlich an, beobachtete Gianluigi Donnarumma, verzögerte und schoss dann an den Pfosten. Anschließend konnte das Team von Roberto Mancini wieder ausgleichen. Dann war Jadon Sancho dran. Er tat es Rashford gleich und gab sich lässig. Sein Schuss hatte deutlich mehr Härte, als der seines Teamkollegen, doch letztendlich traf er nur die Hände des italienisches Keepers, der diesen Elfmeter ohne Probleme abwehren konnte. Sakas Fehlschuss sorgte dann für Trainer Gareth Southgates nächste Elfmeter-Katastrophe und für England bleibt am Ende nur der Titel des Vize-Europameisters.

Italien hat sich den Titel verdient

Für viele war bereits nach dem Eröffnungsspiel klar, dass diese starke italienische Mannschaft ins Finale einziehen, wenn nicht sogar den Titel mit nach Hause nehmen wird. Und so kam es dann auch. Das Team von Trainer Roberto Mancini überzeugte während des gesamten Turniers, selbst in engen Begegnungen. Zwar konnte es im Duell mit Österreich nicht zu hundert Prozent seiner Favoritenrolle gerecht werden, und auch beim Spiel gegen Spanien waren die Iberer die bessere Mannschaft. Auch wenn das gestrige EM-Finale aufgrund des Elfmeterschießens zu einer sehr dramatischen Begegnung wurde, ist Italien der verdiente Sieger. Der frühe Rückstand schon in der 2. Spielminute hatte die Azzuri zwar ein wenig geschockt, doch sie erholten sich auch relativ schnell wieder und konnten am Ende dank der Hilfe ihres überragenden Torhüters Gianluigi Donnarumma den Pokal jubelnd entgegen nehmen.

Donnarumma erhielt noch eine weitere Auszeichnung, da ihn die UEFA zum „Spieler des Turniers“ gewählt hat, obwohl aus der Sicht vieler Experten ganz andere Spieler dafür eher in Frage gekommen wären. Denn letztendlich war es die gesamte Mannschaft, die während der Europameisterschaft 2021 überzeugt hat und nicht zuletzt der eigentliche Star dieses Turniers: Roberto Mancini. Der italienische Coach hatte in der Vergangenheit insgesamt 40 Spieler ausprobiert und ständige Änderungen vorgenommen, bis er dieses Team geformt hatte, das Italien nicht mehr mit dem Defensiv-Fußball vergangener Tage in Verbindung bringt.