Italien – Spanien 5 : 3 (1 : 1) nach Elfmeterschießen

Im ersten Halbfinale der EM 2021 kickten die Azzuri gestern Nacht die Spanier in einem spannenden Elfmeter-Krimi aus dem Turnier. Die Mannschaft von Trainer Roberto Mancioni setzt damit ihre Siegesserie fort und trifft am Sonntag auf Dänemark oder England. Leicht hat es ihnen das spanische Team nicht gemacht. Erst nach mehr als zwei Stunden harter Arbeit wurden die Italiener ihrer Favoritenrolle gerecht und stehen nun zum vierten Mal in einem EM-Finale. Jorghinho, der Siegtorschütze, sagte nach dem Spiel: „Wir haben gegen einen mächtigen Gegner gespielt. Wir haben gelitten, wir haben es uns nach Hause gebracht. Wir haben immer an uns geglaubt und lassen uns nicht in die Enge treiben“. Stürmer Sergio Busquets kommentierte das Aus seiner Mannschaft so: „Wir sind stolz auf das, was wir geschafft haben.“ Eine kuriose Szene ereignete sich noch unmittelbar nach dem Spiel, als eine Ordnerin einen spanischen Spieler nicht erkannte und ihn aufhalten wollte. Offensichtlich hielt sie ihn für einen Fan.

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Spannender Elfmeter-Krimi entscheidet über Italiens Finaleinzug

Italien Europameisterschaft 2021

Die italienischen Medien bejubeln den Erfolg ihrer Squadra Azzura und schreiben heute Morgen von einem „azurblauen Märchen“, wie beispielsweise die Gazzetto dello Sport. Doch ganz so märchenhaft war der Sieg der Italiener gegen eine sehr stark spielende spanische Mannschaft dann doch nicht, denn gerade die italienischen Defensiv-Spieler gerieten insbesondere in der Verlängerung immer öfter in Bedrängnis. Zum Schluss wurde die Partie vor 60.000 Zuschauern im Londoner Wembley Stadion durch Elfmeterschießen entschieden. Ein Denkmal setzte sich  der italienische Torwart Gianluigi Donnarumma, der Alvaro Moratas Elfer entschärfen konnte. Nun hoffen die Azzuri auf ihren ersten Titelgewinn seit 2006, dem Jahr, in dem sie Weltmeister wurden. Es wird spannend zu beobachten sein, wie sich die Sportwetten im Hinblick auf das bevorstehende Finale entwickeln. Roberto Mancini hatte auf den in diesem Turnier bisher sehr stark spielenden Leonardo Spinazzola verzichten müssen, da er sich im Viertelfinale gegen Belgien schwer verletzt hatte. Mit einem Riss der Achillessehne wurde er in der Partie am vergangenen Freitag vom Platz getragen. Für den Linksverteidiger spielte nun Emerson in der Startelf. Ansonsten machten die Italiener genau da weiter, wo sie gegen die Belgier aufgehört hatten. Sie spielten direkt von Anfang an mit viel Druck und suchten ständig den Weg nach vorn.

Die Spanier brauchten etwas länger, um ins Spiel zu kommen, gewannen dann aber im Mittelfeld die Oberhand durch ihr exaktes Kurzpassspiel und ihr enorme Ballsicherheit. In der 13. Minute zeigten sie das erste Mal ihre Torgefahr. Der Stürmer Mike Oyarzabal erhielt einen perfekten Pass von Petri und stand plötzlich frei vor Gianluigi Donnarumma. Allerdings verstolperte er den Ball bei dieser guten Gelegenheit. Kurz darauf gelang es dem italienischen Keeper einen gefährlichen Weitschuss von Dani Olmo zu entschärfen. In dieser Phase der ersten Halbzeit beeindruckten insbesondere die Italiener. Bis auf einen Ball von Emerson, der an der Latte des italienischen Tors landete, waren dies die einzigen Chancen in den ersten temporeichen 45 Minuten. In der zweiten Halbzeit änderte sich das. Sergio Busquets verfehlte aus 16 Metern nur knapp das italienische Tor, und Federico Chiesa scheiterte auf der anderen Seite am spanischen Keeper Unai Simon. Einige Minuten später landete der Ball nach einem Abwehrfehler erneut bei Chiesa am Strafraumeck. Er konnte sich gegen seinen Gegenspieler durchsetzen, nahm den Ball mit rechts und traf gekonnt zum 1:0 ins lange Eck. Zu diesem Zeitpunkt konnte man die italienische Führung durchaus als schmeichelhaft bezeichnen.

Die Spanier machten weiterhin Druck und verdienten sich in der 80. Spielminute den Ausgleich durch den eingewechselten Alvaro Morata. Nach einem grandiosen Pass von Dani Olmo tauchte der Stürmer plötzlich vollkommen frei vor Gianluigi Donnarumma auf, behielt seine Coolness und schob den Ball am Keeper vorbei ins italienische Tor. Bei diesem 1:1 blieb es bis zum Ende der regulären Spielzeit. Damit mussten die Spanier nun mittlerweile zum dritten Mal bei der Europameisterschaft 2021 in die Verlängerung. Zuvor waren es die Partien gegen Kroatien im Achtelfinale und gegen die Schweiz im Viertelfinale, bei denen 90 Minuten nicht ausreichten.

Morata vergibt und Jorginho trifft zur Entscheidung

Auch in der Verlängerung waren die Spanier die bessere Mannschaft. Alvaro Morata hatte in der 98. Minute den Führungstreffer auf dem Fuß, vergab diese Chance jedoch. Mit diesem Unentschieden rettete sich die Squadra Azzura über die Zeit. Beim anschließenden Elfmeterschießen wurde Gianluigi Donnarumma dann zum Nationalheld der Italiener. Ausgerechnet Alvaro Morata, der zum Ausgleich gegen Italien getroffen hatte, scheiterte als vierter Elfmeterschütze am italienischen Keeper. Der spanische Stürmer hatte auch schon vor diesem Spiel keinen leichten Stand. Bereits im ersten Gruppenspiel in Sevilla wurde er ausgepfiffen, wodurch sich sein ausgesprochen kompliziertes Verhältnis mit den spanischen Fans zeigte. Gestern erzielte er erst den Ausgleich und scheiterte dann vor dem Tor Donnarummas. Nach ihm traf noch Jorginho, und damit war das erste Halbfinale der EM 2021 zu Ende – eine Partie, die aufgrund ihrer Chancen nicht im Elfmeterschießen hätte enden müssen.