Was für ein Dilemma für Malta! Muss Malta das Sportwetten-Veto in der EU opfern, um eine problematische Finanz-Bewertung loszuwerden? Worum geht es genau? Malta hat seit Jahren ein Vetorecht in der Europäischen Union, wenn es um Sportwetten-Gesetze geht. Insbesondere hat Malta die Möglichkeit, die Definition illegaler Sportwetten mitzubestimmen. Wenn die vorgeschlagene Definition in der Vergangenheit nicht passte, konnte Malta über das Vetorecht verhindern, dass die Definition offiziell wurde. Doch nun könnte dieses Vetorecht kippen, denn Malta muss Zugeständnisse machen, um wieder zu den „Trusted financial Jurisdictions“ gezählt zu werden. Malta ist auf der grauen Liste der „Financial Action Task Force on Money Laundering“ gelandet. Das ist für viele Unternehmen, die ihren Sitz in Malta haben, ein großes Problem.

Muss Malta das wichtige Sportwetten-Veto in der EU aufgeben?

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Malta ist in den letzten beiden Jahrzehnten zum wichtigsten Standort für Online-Glücksspielanbieter in Europa geworden. Zahlreiche Unternehmen, die Online Casinos betreiben oder Online-Sportwetten anbieten, haben ihren Sitz oder zumindest eine Filiale in Malta. Deswegen ist es für Malta enorm wichtig, die Glücksspielgesetze in Europa möglichst positiv zu beeinflussen. Das Vetorecht im Sportwetten-Bereich war dabei immer von großer Bedeutung. Die Regulierung der Glücksspiele und Sportwetten findet zwar in den einzelnen Ländern der Europäischen Union statt. Aber die Europäischen Union hat trotzdem die Möglichkeit, durch übergeordnete Gesetze und Richtlinien Einfluss zu nehmen. Ein wichtiges Thema war in der Vergangenheit immer die Definition von illegalen Sportwetten. Malta hat sein Vetorecht genutzt, um die Definition der illegalen Sportwetten so zu beeinflussen, damit die Sportwetten-Branche in Malta nicht beeinträchtigt wurde. Doch es könnte sein, dass das Sportwetten-Veto bald Geschichte ist. Malta hat ein großes Problem und muss vielleicht einen Kuhhandel machen, um von der grauen Liste der „Financial Action Task Force on Money Laundering“ genommen zu werden.

Beim letzten Moneyval-Test, einer komplexen Prozedur, bei dem die Anfälligkeit für Geldwäsche untersucht wird, hat Malta nicht ganz optimal abgeschnitten. Deswegen verlangt die Europäische Union nun Nachbesserungen, um den Kampf gegen Geldwäsche in Malta zu optimieren. Was hat das Sportwetten-Veto mit diesem Thema zu tun? Angeblich fordert die „Financial Action Task Force on Money Laundering“, dass das Vetorecht im Sportwetten-Bereich aufgegeben wird. Warum sollte das hilfreich sein beim Kampf gegen Geldwäsche? Bislang hat Malta das Vetorecht genutzt, um die eigenen EU-Lizenzen für Online Casinos und Sportwettenanbieter zu ermöglichen. Zum Hintergrund: Malta stellt seit Jahren EU-Lizenzen aus. Die Lizenzierung durch die Malta Gaming Authority gibt den Lizenznehmern die Möglichkeit, in vielen verschiedenen EU-Ländern ihre Sportwetten und Glücksspiele anzubieten. Auch in Deutschland waren bis zuletzt viele Glücksspielanbieter und Sportwettenanbieter mit EU-Lizenzen der Malta Gaming Authority am Start. Durch die neue Glücksspielregulierung in Deutschland werden die maltesischen EU-Lizenzen aber aller Voraussicht nach überflüssig. Doch in anderen EU-Ländern hat die Malta-Lizenz nach wie vor einen hohen Wert für Glücksspielanbieter und Sportwettenanbieter.

Malta muss sich für eines von zwei Übeln entscheiden

Wenn Malta das Sportwetten-Veto auf EU-Ebene aufgibt, kann es leicht passieren, dass in den nächsten Jahren die Definition von illegalen Sportwetten in der Europäischen Union deutlich enger gefasst wird. Das könnte dann auch Auswirkungen auf die EU-Lizenzen der Malta Gaming Authority haben. Wenn die EU-Lizenzen aufgrund veränderter Rahmenbedingungen demnächst vielleicht nicht mehr in vielen Ländern anerkannt werden, würde das wohl auch dazu führen, dass die Malta Gaming Authority weniger Lizenzen vergeben könnte. Die Einnahmen aus dem Lizenzgeschäft würden somit sinken. Diesen Trend gibt es aber ohnehin schon, denn viele europäische Länder regulieren das Online-Glücksspiel und die Online-Sportwetten mittlerweile selbst. Eine nationale Regulierung macht die EU-Lizenzen überflüssig. Wer in Deutschland beispielsweise Glücksspiele im Internet anbieten möchte, braucht in Zukunft eine deutsche Lizenz. Die EU-Lizenz allein wird nicht mehr genügen, um ein Online Casino in Deutschland zu betreiben. Deswegen könnte es durchaus sein, dass sich die Regierung von Malta am Ende zähneknirschend dazu entscheidet, das Sportwetten-Veto aufzugeben.

Seit Malta auf der grauen Liste der „Financial Action Task Force on Money Laundering“ ist, mehren sich die Berichte von besorgten Unternehmern und Managern, die den Standort Malta in Gefahr sehen. Letztlich geht es immer auch um Reputation. Die meisten Glücksspielanbieter, die in Malta ansässig sind, vermarkten ihre Produkte in vielen verschiedenen Ländern. Deswegen ist es wichtig, dass der Firmenstandort nicht in irgendeiner Weise problematisch ist. Es spricht einiges dafür, dass Malta demnächst wieder von der grauen Liste der „Financial Action Task Force on Money Laundering“ verschwinden wird, notfalls auch unter Aufgabe des Sportwetten-Vetos. Eine ganz andere Frage ist, welche Zukunft Malta als Standort der Glücksspielindustrie langfristig hat. Ein wichtiges Argument bleibt in jedem Fall erhalten, jedenfalls für die nahe und mittelfristige Zukunft: Malta ist hinsichtlich der Steuern und der grundlegenden Gesetzgebung für Glücksspielanbieter und Sportwettenanbieter nach wie vor sehr attraktiv. Nun muss Malta nur noch das Problem mit der grauen Liste der „Financial Action Task Force on Money Laundering“ lösen, um wieder ein uneingeschränkt guter Standort für die Glücksspielindustrie zu sein.