Der Deutsche Sportwettenverband (DSWV) hat sich dafür ausgesprochen, Werbung für Sportwetten nicht zu verbieten. Zuletzt hatte vor allem der Bremer Innensenator Ulrich Mäurer von der SPD öffentlichkeitswirksam das Verbot von Sportwetten Werbung gefordert. Allerdings haben sich die 16 Bundesländer in den Verhandlungen zum aktuellen Glücksspielstaatsvertrag darauf geeinigt, die Werbung für Sportwetten innerhalb strenger Grenzen zuzulassen. Der DSWV befürchtet, dass eine neuerliche Diskussion über die Sportwettenwerbung den mühsam ausgehandelten Kompromiss gefährden könnte. Auch die bremische Bürgschaft hat den Glücksspielstaatsvertrag ratifiziert. Insofern ist es einigermaßen erstaunlich, dass aus Bremen zuletzt Forderungen nach einem Verbot der Werbung für Sportwetten zu vernehmen waren.

DSWV hat gute Argumente für Sportwettenwerbung

Online Sportwetten

In Deutschland ist der Sportwetten-Markt durch den neuen Glücksspielstaatsvertrag neu geordnet worden. Die Online-Buchmacher wurden erstmals mit ordentlichen Lizenzen ausgestattet, nachdem es jahrelang Übergangsregelungen und Duldungen gab. Da der Sportwetten-Markt eine fulminante Größe erreicht hat, wäre alles andere auch aus Sicht der meisten Experten ein Fehler. Ein regulierter Sportwetten-Markt hat den großen Vorteil, dass die deutschen Behörden einen relativ einfachen Zugriff auf die lizenzierten Anbieter haben. Die Sportwettenwerbung spielt eine wichtige Rolle für den regulierten Sportwetten-Markt in Deutschland. Nur die lizenzierten Anbieter dürfen Werbung machen und haben damit einen erheblichen Vorteil gegenüber über den Buchmachern, die auf dem Schwarzmarkt unterwegs sind. Ein Verbot von Sportwettenwerbung würde diesen Vorteil zunichtemachen.

Die Kanalisierung ist ein wichtiges Ziel der Glücksspielregulierung. Es ist nichts gewonnen, wenn viele Sportwetten-Fans die Anbieter auf dem Schwarzmarkt nutzen. Bei einem Verbot der Werbung für Sportwetten wäre es für viele Sportwetten-Fans schwieriger zu erkennen, welche Anbieter legal sind. Die Werbung für Sportwetten ist ein wichtiges Privileg für die regulierten Sportwettenanbieter, die sich an die strengen Regeln in Deutschland halten. Ohnehin gibt es schon diverse Nachteile durch Einschränkungen, die es auf dem Schwarzmarkt nicht gibt. Insbesondere gilt dies für das Einzahlungslimit in Höhe von 1.000 Euro, das für einige Sportwetten-Fans deutlich zu niedrig ist. Wenn auch noch ein Werbeverbot für Sportwetten erlassen würde, wäre das ein weiterer Nachteil, der dem regulierten Sportwetten-Markt schaden würde.

Auch Werbung für legales Online-Glücksspiel wichtig

Es ist verständlich, dass der Gesetzgeber bei manchen Produkten und Dienstleistungen die Werbung einschränkt, unter anderem auch um eine zielgerichtete Werbung in passenden Altersklassen zu gewährleisten. Aber es wäre ein großer Fehler, die Werbung für legale Produkte und Dienstleistungen komplett zu verbieten. Das gilt insbesondere für das Online-Glücksspiel, denn genauso wie bei den Sportwetten gilt, dass es neben dem legalen Angebot auch ein attraktives illegales Angebot gibt. Werbung hilft den legalen Glücksspielanbietern dabei, die Kanalisierung des gesamten Marktes zu verbessern. Wenn ein Glücksspiel-Fan bei spielsweise im Fernsehen eine Werbung für einen Glücksspielanbieter sieht, darf er davon ausgehen, dass es sich um ein zulässiges Angebot handelt. Ist keine Werbung möglich, werden interessierte Glücksspiel-Fans Suchmaschinen nutzen und dabei auch Anbieter finden, die nicht zugelassen sind.

Auch mit den deutschen Lizenzen, die demnächst kommen werden, wird es nicht einfach sein für die illegalen Glücksspielanbieter, sich von der Konkurrenz auf dem Schwarzmarkt abzuheben. Es ist davon auszugehen, dass offensiv mit den deutschen Lizenzen geworben wird. Aber nicht jeder Glücksspiel-Fan verfolgt die Entwicklung auf dem Glücksspielmarkt. Wenn ein Anbieter zu sehen ist, der eine scheinbar seriöse Lizenzierung hat und attraktive Bonusangebote zur Verfügung stellt, werden viele Glücksspiel-Fans zugreifen, ohne auf die Details zu achten. Das war der Vergangenheit schon so und das wird sich auch in Zukunft nicht prinzipiell ändern. Die Werbung für Glücksspiel kann das Problem am Ende nur reduzieren. Aber die Kanalisierung würde mit hoher Wahrscheinlichkeit schlechter, wenn keine Werbung für Glücksspielanbieter möglich wäre.

Bekämpfung des Schwarzmarkts sinnvoller als Werbeverbot

Die Nachfrage nach Online-Sportwetten und Online-Glücksspielen ist riesig. Deswegen ist es wichtig, dass legale Angebote verfügbar sind. Der Vorteil bei den legalen Angeboten ist, dass die Behörden in Deutschland die Möglichkeit haben Kontrollen durchzuführen und einen Mindeststandard zu gewährleisten. Bei den Angeboten auf dem Schwarzmarkt ist das naturgemäß nicht der Fall. Deswegen wäre es wichtig, dass endlich eine effektive Bekämpfung des Schwarzmarkts stattfinden würde. Allerdings befindet sich die dafür zuständige Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder nach wie vor im Aufbau. Erst ab Mitte 2022 soll die Bekämpfung des Schwarzmarkts von dieser Behörde übernommen werden.