Wenn es um die Verteilung von Einnahmen geht, ist es sogar bei den Sportwetten möglich, Gesetze schnell und unkompliziert ändern. Der Bundesrat hat beschlossen, dass die Einnahmen aus der Wettsteuer nicht mehr jährlich im Nachhinein, sondern quartalsweise auf die Bundesländer verteilt werden. Die Länderkammer hatte dies im letzten Jahr angeregt. Der Bundestag hat bereits im April die Änderung abgesegnet. Nun hat auch der Bundesrat dem Gesetz zugestimmt, sodass das Verfahren geändert werden kann. Eine Revolution ist die Änderung allerdings nicht, denn bei anderen Steuereinnahmen ist es längst üblich, dass die Verteilung auf die Bundesländer quartalsweise erfolgt. Die Wettsteuer, die seit 2012 erhoben wird, war diesbezüglich die Ausnahme.

Verteilung der Wettsteuer auf Bundesländer geändert

Online Sportwetten

Die Wettsteuer war bei der Einführung im Jahr 2012 heftig umstritten. Viele Sportwettenanbieter befürchteten bereits den Untergang des Abendlandes, oder aber zumindest das Ende des lukrativen Geschäftsmodells. Nach einem Jahrzehnt lässt sich feststellen, dass weder das Abendland untergegangen noch die Sportwetten zu einem unattraktiven Geschäftsmodell geworden sind. Obwohl jeder Buchmacher von jedem Einsatz eine Steuer von fünf Prozent an den Staat abführen muss, ist es nach wie vor offenbar möglich, gute Geschäfte mit Online-Sportwetten zu machen. Allerdings muss erwähnt werden, dass die meisten Wettanbieter die Steuerbelastung an die Kunden weiterreichen, indem sie eine Gebühr in Höhe der Wettsteuer verlangen.

Die Wettsteuer ist im letzten Jahr auf 5,3 Prozent erhöht worden. Viel wichtiger ist aber, dass sich im Laufe des letzten Jahrzehnts die Einnahmen aus der Wettsteuer erheblich erhöht haben. Im Jahr 2013 lagen die Steuereinnahmen aus Sportwetten bei 189 Millionen Euro. Im Jahr 2019 lag der Wert bereits bei 464 Millionen Euro. Die letzten beiden Jahre sind schwer zu beurteilen, da durch die ungewöhnliche Gesamtlage auch das Sportwetten-Geschäft teilweise erheblich beeinträchtigt war. Aber grundsätzlich lässt sich feststellen, dass sich die deutschen Sportwetten-Fans nicht von der Wettsteuer aufhalten lassen. Durch die teilweise hohen Schwankungen, die es bei der Wettsteuer in der Vergangenheit gab, entstanden teilweise Probleme bei der Verteilung auf die Bundesländer. Durch die quartalsweise Verteilung soll dieses Problemfeld entschärft werden.

Wettsteuer bringt Ländern willkommene Einnahmen

Wenn es um Steuern geht, gibt es eine einfache Wahrheit: Ist eine Steuer erst einmal etabliert, gibt es kaum noch Möglichkeiten, die Steuer abzuschaffen. Der Grund ist simpel: Politiker gewöhnen sich an Einnahmen. Die Einnahmen werden eingeplant und müssten, wenn die Steuer abgeschafft würde, anderweitig kompensiert werden. Oder aber die Begünstigten der Steuereinnahmen müssten vertröstet werden. Beides wird auf politischer Ebene nicht gerne gemacht. Deswegen gibt es keine realistische Chance, die Wettsteuer in absehbarer Zukunft abzuschaffen. Allerdings ist es grundsätzlich sinnvoll, dass die Wettanbieter, die in Deutschland gutes Geld verdienen, auch und gerade mit Online-Sportwetten, einen Teil zur Finanzierung des Gemeinwesens beitragen.

Die Wettsteuer ist ursprünglich eingeführt worden, um die internationalen Wettanbieter, die bis 2012 in Deutschland keinen einzigen Cent Steuern bezahlen mussten, zur Kasse zu bitten. Aber die Wettsteuer gilt selbstverständlich für alle Buchmacher. Die Wettanbieter, die in Deutschland ansässig sind, bezahlen allerdings auch noch andere Steuern, zum Beispiel Gewerbesteuern. Unter Experten ist umstritten, ob es sinnvoll ist, die Wetteinsätze zu besteuern. Aber bei den Sportwetten ist dieses Thema wohl durch. Etwas anders ist die Situation bei den virtuellen Automatenspielen, die mit einer Glücksspielsteuer belastet werden, die nach dem Vorbild der Wettsteuer konzipiert worden ist.

Glücksspielsteuer schlechter als Wettsteuer?

Die Glücksspielsteuer ist so gestaltet, dass die Betreiber der seriösen Online-Casinos 5,3 Prozent von jedem Einsatz als Steuer abführen müssen. Das Vorbild Wettsteuer ist offensichtlich. Allerdings gibt es einen großen Unterschied. Eine Wette wird einmal platziert. Bei der Nutzung eines Online Spielautomaten werden hingegen viele Runden nacheinander gespielt. Deswegen ist die Belastung in der Praxis für einen Anbieter von virtuellen Automatenspielen deutlich höher als für einen Buchmacher. Am Ende wird das aber wahrscheinlich die Politik nicht sonderlich stören, denn auch bei der Glücksspielsteuer gilt, dass die Einnahmen auf die Bundesländer aufgeteilt werden. Ob die Einnahmen bei der Glücksspielsteuer genauso schwanken werden wie bei den Online-Sportwetten, lässt sich im Moment schwer abschätzen. Sicher ist aber, dass erhebliche Beträge in die Staatskasse fließen werden.