Der Glücksspielanbieter Betano muss einem Spieler einen Betrag von 4.380 Euro zukommen lassen. Das hat das Amtsgericht Ludwigslust entschieden. Der Grund ist bemerkenswert: Betano hat das Einzahlungslimit in Höhe von 1.000 Euro nicht beachtet. Dieser Verstoß führt nun dazu, dass von den 5.380 Euro, die der Spieler eingezahlt hat, 4.380 Euro zurückgezahlt werden müssen. Das Urteil zeigt, dass die Schonzeit für die Glücksspielanbieter in Deutschland vorbei ist. Die Gerichte werden in Zukunft ganz genau hinschauen und gegebenenfalls für die Spieler entscheiden. Das scheint nach dem aktuellen Urteil klar zu sein. Etwas anderes wäre auch kaum nachvollziehbar, obwohl das Einzahlungslimit unter Experten umstritten ist. Aber das Einzahlungslimit gilt und muss deswegen beachtet werden.

Betano muss Glücksspiel-Fan entschädigen

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In Deutschland gilt seit dem Inkrafttreten des Glücksspielstaatsvertrag 2021 ein monatliches Einzahlungslimit von 1.000 Euro. Dieses Einzahlungslimit gilt für alle Anbieter übergreifend. Allerdings ist die Umsetzung in der Praxis noch nicht vollständig gelungen, da noch nicht alle Glücksspielanbieter die technischen Voraussetzungen erfüllen, um das übergreifende Limit umzusetzen. Doch im aktuellen Fall spielte das keine Rolle, denn das Gericht hat allem Anschein nach nur die Einzahlungen bei Betano berücksichtigt. Vielleicht haben auch keine Einzahlungen bei anderen Glücksspielanbietern stattgefunden. Eines ist aber sicher: Der Kläger durfte unter keinen Umständen mehr als 1.000 Euro pro Monat bei Betano einzahlen. Trotzdem hat Betano Einzahlungen in Höhe von 5.380 Euro zugelassen und damit einen klaren Verstoß gegen das Einzahlungslimit begangen.

Das Einzahlungslimit gilt für Online-Spielhallen, Online-Buchmacher und Online-Poker. Im aktuellen Fall ging es um Sportwetten. Betano hat bereits eine deutsche Lizenz für Online-Sportwetten. Somit hat Betano sich schon allein durch die Lizenzierung dazu bekannt, das Einzahlungslimit von 1.000 Euro zu beachten. Warum dies im aktuellen Fall nicht passiert ist, muss Betano intern klären. Insbesondere sollte sichergestellt werden, dass keine weiteren Verstöße dieser Art vorkommen. Ansonsten könnte Betano zu einem Dauergast vor den deutschen Amtsgerichten werden. Verantwortungsbewusstes Spielen ist ein wichtiges Thema für seriöse Glücksspielanbieter. Betano hat einen sehr guten Ruf und deswegen ist davon auszugehen, dass es sich im aktuellen Fall um einen Fehler gehandelt hat, der sich leicht korrigieren lässt. Aber bei Betano wird man bereits überprüft haben, ob es andere Spieler gegeben hat, bei denen es zu ähnlichen Konstellationen gekommen ist. Gegebenenfalls wäre es dann wohl eine gute Idee, Einigungen mit den Spielern zu finden, bevor es zu Gerichtsprozessen kommt.

1.000 Euro Einzahlungslimit lässt sich nicht umgehen

Spätestens nach dem Urteil des Amtsgerichts Ludwigslust sollte klar sein, dass es keinen Weg gibt, das Einzahlungslimit von 1.000 Euro in Deutschland zu umgehen. Zwar ist vorgesehen, dass irgendwann individuelle Limit von 10.000 Euro und 30.000 Euro eingeführt werden. Aber bislang gibt es keinen Fahrplan für die Einführung dieser höheren Limits. Zudem werden diese Limits nur für Spieler interessant sein, die dazu bereit sind, die Glücksspielanbieter und die Glücksspielbehörde detailliert über ihre finanziellen Möglichkeiten zu informieren. Deswegen ist fraglich, ob die höheren Einzahlungslimits, wenn sie denn irgendwann kommen sollten, überhaupt angenommen werden von den Spielern.

Das Einzahlungslimit ist höchst umstritten unter Experten. Vielfach wird befürchtet, dass das Einzahlungslimit die High Roller, die hohe Einzahlungen machen und mit hohen Einsätzen spielen wollen, vom legalen Markt vertrieben werden. Aktuell dürfte das tatsächlich der Fall sein, da der Schwarzmarkt nicht effektiv bekämpft wird. Vielleicht ändert sich das ab dem 1. Juli 2021, wenn die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder die Bekämpfung des Schwarzmarkts übernimmt. Unabhängig davon haben die Glücksspielanbieter in Deutschland jedoch keine andere Möglichkeit, als das geltende Einzahlungslimit von 1.000 Euro zu beachten.

Deutsche Glücksspielregulierung praxistauglich?

Es ist eine Sache, die geltenden Regeln zu beachten. Eine ganz andere Sache ist es für die Glücksspielanbieter, auf der Basis der neuen Regeln wirtschaftlich zu arbeiten. Das niedrige Einsatzlimit hält die umsatzstarken Spieler vom legalen Markt fern. Ob das eine sinnvolle Sache ist, darf zumindest bezweifelt werden. Keine Zweifel gibt es hingegen daran, dass der deutsche Gesetzgeber und die deutschen Gerichte alles dafür tun werden, dass das Einzahlungslimit von 1.000 Euro umgesetzt wird.