NRW führt eine Tischspiel-Steuer ein, allerdings nur für Anbieter von Online-Tischspielen. Besteuert wird der Bruttospielertrag, und zwar mit einem Steuersatz von mindestens 30 Prozent. Maximal kann der Steuersatz auf 55 Prozent anwachsen. Somit dürfen sich die Bürger von NRW darüber freuen, dass es demnächst ordentliche Einnahmen aus dem Online-Glücksspiel gibt. Die Lizenzen für Online-Spieler mit virtuellen Automatenspielen werden landesweit vergeben. Aber im Glücksspielstaatsvertrag ist geregelt, dass die Lizenzen für Tischspiele ausschließlich von den Bundesländern vergeben werden dürfen. In NRW wird gerade die Vergabe von fünf Konzessionen für Anbieter von Online-Tischspielen vorbereitet. Schon bald könnte es die ersten Online-Tischspiele in NRW geben. Kurz darauf dürften sich dann auch die Bürger in NRW über die ersten Steuereinnahmen freuen.

Tischspiel-Steuer in NRW soll hohe Steuereinnahmen bringen

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Im „Entwurf eines Gesetzes über die Zulassung von Online-Casinospielen im Land Nordrhein-Westfalen“ wird detailliert dargelegt, wie die Besteuerung von Online-Tischspielen gestaltet werden soll. Warum ist von Tischspielen die Rede, wenn es doch im Gesetzesentwurf um Online-Casinospiele geht? Im Glücksspielstaatsvertrag werden die Bankhalter-Spiele wie Blackjack, Roulette und Baccarat als Online-Casinospiele bezeichnet. Die Spielautomaten werden hingegen virtuelle Automatenspiele genannt. Diese Unterscheidung ist bewusst gewählt worden, denn es gibt unterschiedliche gesetzliche Rahmenbedingungen. Die virtuellen Automatenspiele werden bundesweit reguliert, demnächst sogar von einer neuen Glücksspielbehörde in Sachsen-Anhalt. Die Online-Casinospiele werden hingegen von den Bundesländern reguliert. Auch die Besteuerung der Online-Casinospiele ist Sache der Länder. NRW plant, den Bruttospielertrag mit 30 Prozent zu besteuern. Wenn der Bruttospielertrag allerdings 15 Millionen Euro überschreitet, gilt ein Steuersatz von 55 Prozent. Grundsätzlich befürworten die meisten Glücksspielexperten die Besteuerung des Bruttospielertrags, da es sich bei dieser Summe um so etwas wie den Bruttogewinn handelt, den der Veranstalter der Spiele erzielt.

Für Glücksspiel-Fans ist es eine gute Nachricht, dass der Bruttospielertrag besteuert werden soll. Gerade bei Tischspielen wäre es enorm schwierig, den Einsatz zu besteuern, da die Auszahlungsquoten sehr hoch sind. Bei Spielautomaten ist es relativ einfach möglich, die Auszahlungsquote zu ändern. Aber wer möchte schon beim Französischen Roulette die Spielregeln ändern, nur damit eine Einsatzsteuer möglich wird? Alle Bundesländer, die Online-Tischspiele zulassen wollen, müssen nicht nur ein entsprechendes Gesetz beschließen, sondern auch Konzessionen vergeben. Allerdings können nur Bundesländer Konzessionen vergeben, die Spielbanken-Konzession haben. Die maximale Anzahl der Konzessionen ist auf die Anzahl der Spielbanken im Bundesland begrenzt. Bundesländer ohne Spielbank können sich mit anderen Bundesländern zusammentun, um gemeinsame Konzessionen zu schaffen. Sollte NRW mit den Konzessionen für Online-Tischspiele Erfolg haben und hohe Steuereinnahmen erzielen, wird es wohl bald Nachahmer geben. Aber es ist nicht sicher, dass am Ende alle Bundesländer Online-Tischspiele zulassen werden. Schon bei den Verhandlungen zum Glücksspielstaatsvertrag hat sich gezeigt, dass es an dieser Stelle große Unterschiede zwischen den Ländern gibt. Allerdings kann sich vieles tun, zum Beispiel auch durch einen Regierungswechsel. In den nächsten Monaten wird sich zeigen, in welchen Bundesländern es eine Mehrheit für Konzession für Online-Tischspiele gibt.

Tischspiel-Steuer in NRW anders gestaltet als Glücksspielsteuer im Bund

Die Tischspiel-Steuer in NRW bezieht sich auf den Bruttospielertrag. Das ist eine übliche Bemessungsgrundlage, wenn es darum geht, Glücksspiele zu besteuern. Was ist der Bruttospielertrag? Die Spieler machen Einsätze beim Spielen und die Summe aller Einsätze abzüglich der Gewinne der Spieler ist der Bruttospielertrag. Bei Tischspielen, aber auch bei anderen Glücksspielen wird ein erheblicher Teil des Einsatzes als Gewinn an die Spieler ausgeschüttet. Bei Tischspielen kann die Auszahlungsquote durchaus bei 97 bis 99 Prozent liegen. Nehmen wir für ein konkretes Beispiel an, dass 98 Prozent des eingezahlten Betrags als Gewinn ausgeschüttet werden. Bei einem Gesamteinsatz von 100 Euro würden im statistischen Durchschnitt 98 Euro als Gewinn ausgezahlt. Somit bliebe ein Bruttospielertrag von zwei Euro übrig. Von diesem Betrag würde dann eine Steuer von 30 Prozent abgezogen, also eine Summe von ungefähr 66,67 Cent. Da mit Tischspielen und anderen Glücksspielen beträchtliche Umsätze erzielt werden können, ist es durchaus möglich, am Ende riesige Summen über die Besteuerung des Bruttospielertrags zu erwirtschaften.

Der Bruttospielertrag als Bemessungsgrundlage wird von den meisten Glücksspielexperten bei der Besteuerung von Glücksspielen bevorzugt. Bei der Besteuerung der virtuellen Automatenspiele ist Deutschland allerdings einen anderen Weg gegangen. Die neue Glücksspielsteuer ist eine Spieleinsatzsteuer. Von jedem Einsatz werden 5,3 Prozent als Steuer abgezogen. Das führt dazu, dass die Auszahlungsquoten der Spiele von den Spieleherstellern gesenkt werden müssen. Ansonsten wäre es nicht möglich, als Anbieter Gewinne mit den virtuellen Automatenspielen zu erzielen. Das sollte jedem einleuchten, denn Spielautomaten mit einer Auszahlungsquote von 96 Prozent oder höher, so wie sie heute fast durchweg in seriösen Online-Spielbanken zu finden sind, wären für die Betreiber bei einer Einsatzsteuer von 5,3 Prozent ein Verlustgeschäft. Eine baldige Änderung der Glücksspielsteuer ist nicht in Sicht, zumal die Steuer erst am 1. Juli 2021 eingeführt worden ist. Aber zumindest haben die Politiker der NRW-Regierung gezeigt, dass sie durchaus das Konzept der Besteuerung auf der Grundlage des Bruttospielertrags kennen. Insofern gibt es die Möglichkeit, dass auch die bundesweite Glücksspielsteuer vielleicht irgendwann noch einmal geändert wird. Aber allzu viel Hoffnung sollten sich die Glücksspielanbieter diesbezüglich nicht machen.