Spieler klagen gegen Online-Casinos und bekommen ihr Geld zurück? In den letzten Monaten hat es immer wieder entsprechende Meldungen gegeben. Doch es lohnt sich, einen Blick auf die Realität zu werfen, die aktuell an den Landgerichten in Deutschland stattfindet. Immer mehr Gerichte kassieren die Urteile zugunsten der Spieler, die überwiegend von Amtsgerichten gefällt worden sind. Die Spielerklagen zielen darauf ab, bereits verlorene Einsätze einzuklagen. Die Argumentation ist dabei: Die Online-Casinos seien nicht legal gewesen in Deutschland und deswegen habe der Spieler einen Anspruch auf Rückzahlung. Doch vor den Landgerichten scheitern die Spieler überwiegend mit dieser Argumentation.

Spielerklagen führen in zweiter Instanz zu Niederlagen

Lizenz Online Casino

Worum geht es bei den Spielerklagen? Einige findige Rechtsanwälte sind auf die Idee gekommen, Betreiber von Online-Casinos ohne deutsche Lizenz zu verklagen. Überwiegend geht es dabei um Angebote, die vor der Einführung des neuen Glücksspielstaatsvertrags im Jahr 2021 existierten. Die Argumentation ist einfach: Die Online-Casinos hätten keine deutschen Spieler akzeptieren dürfen. Deswegen hätten die Casino-Betreiber keine Gewinne mit diesen Spielern erzielen dürfen. Viele Amtsgerichte, in Deutschland die erste Instanz bei derartigen Klagen, haben sich dieser Argumentation angeschlossen und teilweise üppige Rückzahlungen veranlasst. Die Casino-Betreiber sind allerdings fast durchweg in die nächste Instanz gegangen. Und die Landgerichte, die zweite Instanz in diesen Fällen, entscheiden nun überwiegend zugunsten der Casino-Betreiber.

Doch warum ist das so? Aktuelle Urteile des Landgerichts Bonn und des Landgerichts Wuppertal zeigen, dass die Online-Casinos vor der Einführung der neuen Glücksspielregulierung durchaus deutsche Kunden akzeptieren durften. Die Casino-Betreiber hatten insbesondere keine Möglichkeit, ein unionsrechtskonformes Verfahren zu nutzen, um eine Erlaubnis oder eine Konzession in Deutschland zu bekommen. Nach Einschätzung der Landgerichte und vieler Juristen haben die Spieler keinen Anspruch auf eine Rückzahlung der Gelder, da die Glücksspielanbieter in der Europäischen Union zugelassen waren. Die Situation dürfte sich mit der Einführung des neuen Lizenzierungssystem in Deutschland komplett geändert haben. Aber dieses Lizenzierungssystem gibt es erst seit dem 1. Juli 2021.

Hohes Risiko für Casino-Spieler bei Klagen?

Jeder Casino-Spieler muss sich darüber im Klaren sein, dass die Spielerklagen, die teilweise als „Spielen ohne Risiko“ kommuniziert werden, mit einem erheblichen finanziellen Risiko verbunden sind. Wenn der Spieler mit der Klage scheitert, vielleicht sogar erst in zweiter Instanz, entstehen erhebliche Kosten, die am Ende fast immer der Kläger tragen muss. Anwälte sind nicht billig und auch die Anwälte, die den Spielern vermitteln, dass es gute Chancen gäbe, das gesamte Geld zurückzubekommen, verzichten am Ende bei einer Niederlage vor Gericht nicht auf ihr Honorar.

Unabhängig von den juristischen Betrachtungen stellt sich auch die Frage, ob die Spieler sich anders verhalten hätten, wenn die Casinos in Deutschland eine Lizenz gehabt hätten. Wäre dann wirklich einer der Spieler, die in letzter Zeit durch Klagen aufgefallen sind, weniger stark betroffen gewesen? Verluste gehören zum Glücksspiel dazu. Auch in Online-Casinos gibt es keine garantierten Gewinne. Und die Gerichte weisen in letzter Zeit häufig darauf hin, dass die Spieler sehr wohl gewusst hätten, auf was sie sich einließen. Insbesondere hat es in keinem Fall bisher den Vorwurf gegeben, dass die Anbieter suggeriert hätten, sie hätten eine deutsche Lizenz. Bei den verklagten Glücksspielanbietern geht es fast durchweg um Online-Casinos mit einer Lizenz der maltesischen Glücksspielbehörde. Grundsätzlich ist es empfehlenswert, nur mit dem Geld in Online-Casinos zu spielen, das nicht für andere Zwecke eingeplant ist. Wer sich anders verhält, muss, das zeigen die aktuellen Urteile, muss die Konsequenzen selbst tragen.

Neue Situation durch Online-Casinos mit deutscher Lizenz

Ohne deutsche Lizenz dürfen Online-Casinos keine deutschen Kunden mehr annehmen. Da es zum ersten Mal ein Lizenzierungssystem für Online-Glücksspiele in Deutschland gibt, ändern sich auch die Spielregeln auf EU-Ebene. Die meisten Glücksspielanbieter haben aus den neuen Regeln bereits die Konsequenzen gezogen. Einige Anbieter sind vom deutschen Markt verschwunden. Andere Anbieter haben eine Lizenz in Deutschland beantragt oder bereits erhalten. Aber die Spielerklagen werden wohl noch eine ganze Weile durch die Presse geistern. Die Frage ist, wie viele Gerichte die Klagen abweisen müssen, damit dieses durchaus einträgliche Geschäftsmodell einiger Rechtsanwälte ein Ende findet.