Die neue Sperrliste in Deutschland funktioniert. Das legt eine Auskunft des Regierungspräsidiums Darmstadt nahe, laut der Ende Dezember 2021 bereits 22.435 Personen auf dieser Sperrliste zu finden waren. Was bewirkt ein Eintrag auf der Sperrliste? Jeder Spieler, der auf dieser Liste steht, darf in Deutschland nicht mehr in Spielbanken, Spielhallen und Online Casinos als Kunde akzeptiert werden. Die meisten Personen, die auf der neuen Sperrliste stehen, haben eine Eigensperre eingerichtet. Konkret bedeutet dies, dass die Spieler einen Eintrag auf der Sperrliste vornehmen lassen müssen. Das funktioniert in der Praxis sehr einfach. Mit der Sperrliste soll es gefährdeten Spielern ermöglicht werden, sich selbst zu schützen.

Eigensperre als sinnvolles Mittel zum Spielerschutz

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Schon seit Jahrzehnten ist die Eigensperre ein wichtiges Mittel zum Spielerschutz. In den deutschen Spielbanken und auch in vielen Spielhallen ist es schon sehr lange möglich, Eigensperren umzusetzen. Die Spieler schließen sich selbst vom Spiel aus, indem sie sich auf eine Liste des Anbieters setzen lassen. Da in Spielbanken und Spielhallen, aber auch in Online Casinos beim Zugang überprüft werden muss, ob die nötigen Voraussetzungen zur Teilnahme am Spiel gegeben sind, ist es sehr leicht, Sperren umzusetzen. Wenn ein Spieler in eine Spielbank möchte und bei der Überprüfung festgestellt wird, dass der Name des Spielers auf der Sperrliste steht, wird der Zutritt verweigert. Auch in Online Casinos gibt es schon seit Jahren entsprechende Systeme, mit denen sich Spieler temporär oder dauerhaft sperren lassen können.

Warum ist es wichtig, dass es nun eine neue Sperrliste in Deutschland gibt? Die bisherigen Systeme, die in Deutschland umgesetzt wurden, galten oft nur für einzelne Glücksspielanbieter. Bestenfalls wurde eine gesamte Kette von Spielbanken, Spielhallen oder Online Casinos mit einer Sperre abgedeckt. Zuletzt gab es auch Sperrlisten für ganze Bundesländer, insbesondere in Hessen. Aber eine bundesweite Sperrliste, die von allen Spielbanken, Spielhallen und Online Casinos beachtet werden muss, existierte vor dem Glücksspielstaatsvertrag 2021 nicht. Zum ersten Mal überhaupt ist es durch den neuen Glücksspielstaatsvertrag möglich, eine Eigensperre durchzuführen, die das gesamte legale Glücksspielangebot in Deutschland umfasst. Das ist ein wichtiger Schritt hin zu einem besseren Spielerschutz.

Neue Sperrliste kann leicht umgangen werden

Auf dem Papier sieht die neue Sperrliste großartig aus. Ohne jeden Zweifel ist es ein Fortschritt, dass alle legalen Angebote mit einem einheitlichen Sperrsystem in Deutschland erfasst werden. Das führt in der Praxis dazu, dass sich viele Spieler besser schützen können. Aber es gibt ein fundamentales Problem, speziell beim Online-Glücksspiel: Das illegale Angebot ist nach wie vor verfügbar, auch und gerade für Spieler, die auf der neuen Sperrliste stehen. Speziell die Spieler, die gerne um hohe Beträge spielen, werden ohnehin nicht fündig auf dem deutschen Glücksspielmarkt im Internet. Deswegen tendieren diese Spieler generell dazu, die Angebote außerhalb des legalisierten Marktes zu nutzen. Bedauerlicherweise ist dies sehr einfach, denn eine Bekämpfung des illegalen Online-Glücksspiels findet kaum statt.

Wer ist zuständig für die Bekämpfung des illegalen Online-Glücksspiels? In erster Linie soll die neue Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder das illegale Online-Glücksspiel bekämpfen. Aber es gibt einen Haken: Die GGL ist noch im Aufbau und erst ab Mitte 2022 überhaupt dazu in der Lage, die Bekämpfung des illegalen Online-Glücksspiels zu übernehmen. Bis dahin werden die Behörden der Länder für diese Aufgabe zuständig sein. Zuletzt war jedoch wenig zu hören von konkreten Maßnahmen gegen Anbieter illegaler Online-Glücksspiele. Die Kanalisierung des Online-Glücksspielmarkts liegt nach aktuellen Schätzungen irgendwo zwischen 20 und 50 Prozent. Auch daran wird deutlich, dass es nicht ausreicht, eine bundesweite Sperrliste einzuführen. Ohne eine erfolgreiche Bekämpfung des illegalen Glücksspiels kann keine Glücksspielregulierung erfolgreich sein.

Auch offline können Eigensperren umgangen werden

Wenn sich ein Spieler auf die neue Sperrliste setzen lässt, hat er keinen Zutritt mehr zu Spielbanken und Spielhallen in Deutschland. Aber die zahlreichen Hinterhof-Casinos, in denen Poker, Roulette, Blackjack und Spielautomaten, nicht selten in manipulierter Form, angeboten werden, kennen keine Sperrlisten. Wer genügend Geld hat für die Teilnahme an den Spielen, wird zugelassen. Auch offline gilt, dass restriktive Maßnahmen nur dann erfolgreich sind, wenn das illegale Glücksspiel konsequent bekämpft wird. Bedauerlicherweise findet weder offline noch online derzeit eine ausreichende Bekämpfung des illegalen Glücksspiels statt. Deswegen ist die Wirkung der neuen Sperrliste in der Praxis nicht optimal.