Die Landesregierung von Schleswig-Holstein hat eine neue Glücksspielsteuer vorgeschlagen, mit der die Online-Tischspiele besteuert werden sollen. In Deutschland hat jedes Bundesland die Möglichkeit, Online-Tischspiele innerhalb enger Grenzen zu genehmigen. Auch die Besteuerung der Online-Tischspiele ist Ländersache. Nordrhein-Westfalen hat bereits einen Vorschlag vorgelegt und nun zieht Schleswig-Holstein nach. In Schleswig-Holstein sollen nach dem Willen der Landesregierung Online-Tischspiele mit bis zu 44 Prozent besteuert werden. Die Bemessungsgrundlage ist dabei der Bruttospielertrag. Das ist ein erheblicher Unterschied zur bundesweiten Spieleinsatzsteuer, die von den Online Casinos mit virtuellen Spielautomaten verlangt wird.

Gestaffelter Steuersatz für Online-Tischspiele in Schleswig-Holstein

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Der Vorschlag der Landesregierung zur Besteuerung der Online-Tischspiele in Schleswig-Holstein sieht vor, dass bis zu einem Bruttospielertrag von 300.000 Euro ein Steuersatz von 34 Prozent erhoben werden soll. Von 300.000 bis 750.000 Euro wird ein Steuersatz von 39 Prozent erhoben. Bei Summen über 750.000 Euro gilt ein Steuersatz von 44 Prozent. Das progressive Steuermodell ist auch aus anderen Bereichen bekannt. Unter anderem steigt der Steuersatz auch bei der Einkommensteuer progressiv. Der Bruttospielertrag ist der Betrag, der dem Glücksspielanbieter übrigbleibt, nachdem der Spieler seinen Gewinn ausgezahlt bekommen hat. Bei den klassischen Tischspielen wie Roulette und Blackjack liegt die Auszahlungsquote üblicherweise über 97 Prozent. Nimmt man eine Auszahlungsquote von 97 Prozent an, läge der durchschnittliche Bruttospielertrag beim Einsatz von 100.000 Euro bei 3.000 Euro. Davon würde dann eine Steuer in Höhe von 34 Prozent erhoben, also etwas mehr als 1000 Euro. Das ist eine vernünftige Vorgabe, die den Glücksspielanbietern die Möglichkeit gibt, ordentlich zu wirtschaften.

Im internationalen Vergleich ist die vorgeschlagene Glücksspielsteuer in Schleswig-Holstein hoch. Aber für die Glücksspielanbieter ist es zunächst wichtig, dass der Bruttospielertrag besteuert wird. Auf dieser Basis wird es auch in Zukunft möglich sein, gute Geschäfte zu machen. Niedrigere Steuern sind immer besser für Unternehmen. Aber immerhin hat sich die Landesregierung Schleswig-Holstein nicht dazu hinreißen lassen, eine Spieleinsatzsteuer vorzuschlagen. Die virtuellen Automatenspiele in Deutschland werden mit einer Spieleinsatzsteuer von 5,3 Prozent belastet. Das führt dazu, dass die Glücksspielanbieter die Auszahlungsquoten senken müssen. Viele Experten kritisieren die Spieleinsatzsteuer und halten die Besteuerung des Bruttospielertrags für zweckmäßiger. Aufgrund der hohen Steuersätze wird Schleswig-Holstein ordentlich partizipieren am Spielaufkommen. Es lässt sich darüber diskutieren, ob die Steuer nicht ein bisschen niedriger angesetzt werden könnte. Aber letztlich können die Glücksspielanbieter, die demnächst in Schleswig-Holstein Online-Tischspiele zur Verfügung stellen möchten, mit dem Steuermodell wohl leben.

Unterschiedliche Steuern für Tischspiele in jedem Bundesland

Die Steuerbelastung für Glücksspielanbieter, die Online-Tischspiele in Deutschland anbieten, kann in Zukunft sehr unterschiedlich aussehen. Da jedes Bundesland die Steuerhoheit hat, könnte es durchaus zu erheblichen Abweichungen kommen. Allerdings wird es keinen Wettbewerb geben, denn wenn ein Glücksspielanbieter in Schleswig-Holstein Kunden haben möchte, wäre es keine Hilfe, wenn beispielsweise Hessen sehr niedrige Steuern für Online-Tische beschließen würde. Grundsätzlich muss sich deswegen jeder Glücksspielanbieter, der Online-Tischspiele in Zukunft in Deutschland anbieten will, mit der Frage auseinandersetzen, ob es auf der Basis der jeweils geltenden Glücksspielsteuer möglich ist, Gewinne zu erzielen. In Schleswig-Holstein dürfte das der Fall sein, denn auch bei sehr hohen Umsätzen dürfen die Glücksspielanbieter immerhin mehr als die Hälfte des Bruttospielertrags behalten.

Ob es grundsätzlich eine gute Idee ist, Online-Tischspiele von jedem Bundesland individuell organisieren zu lassen, ist eine ganz andere Frage.  An der Glücksspielsteuer wird deutlich, dass der zusätzliche Aufwand erheblich ist. Nicht nur müssen die Bundesländer, die Online-Tischspiele genehmigen, Aufwand betreiben, um ein Lizenzierungssystem umzusetzen. Die Landesparlamente müssen sich auch mit Gesetzen, unter anderem auch zur Glücksspielsteuer, befassen. All das wäre überflüssig, wenn sich die Bundesländer auf einen Kompromiss geeinigt hätten und nicht nur die virtuellen Automatenspiele, sondern auch die Online-Tischspiele gemeinsam reguliert hätten.  Aber dazu ist es nicht kommen, da sich einige Landesregierungen bei diesem Thema quer gestellt haben.

Online-Tischspiele nicht für alle Glücksspiel-Fans in Deutschland

Nach dem aktuellen Stand sind nur Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen unmittelbar davor, Online-Tischspiele zu genehmigen. Entsprechende Lizenzen werden bereits vorbereitet. Auch die passende Glücksspielsteuer ist in beiden Bundesländern bereits vorgeschlagen worden. Aber es ist völlig unklar, wie die Situation in den anderen Bundesländern sein wird. Es wäre jedoch eine große Überraschung, wenn am Ende alle Bundesländer Online-Tischspiele in irgendeiner Weise genehmigen würden. Grundsätzlich gilt, dass nur Bundesländer, die Spielbanken-Lizenzen haben, auch Online-Tischspiele genehmigen können. Allerdings gibt es eine Kompromisslösung für die Bundesländer, die keine Spielbanken haben. Theoretisch können sich mehrere Bundesländer zusammentun, um gemeinsam Online-Tischspiele zu genehmigen.

Für die Glücksspiel-Fans, die gerne Roulette, Blackjack, Baccarat und vielleicht auch noch ein paar andere Klassiker spielen möchten, ist es nicht einfach zu verstehen, warum die Regeln in jedem Bundesland in Deutschland anders sein müssen. Aber der Glücksspielstaatsvertrag steht und wird auch so schnell nicht aufgebohrt. Deswegen müssen sich die Tischspiel-Fans in Deutschland darauf einstellen, dass es Bundesländer geben wird, in denen ein sehr breites Tischspiel-Portfolio online verfügbar sein wird, während es andere Bundesländer geben wird, in denen überhaupt keine Tischspiele online angeboten werden dürfen. Ob dieses Lizenzierungsmodell am Ende den gewünschten Erfolg im Sinne einer vernünftigen Kanalisierung bringt, muss sich in der Praxis zeigen. Viele Experten sind allerdings skeptisch, da es einen großen Schwarzmarkt gibt.