Der neue Glücksspielstaatsvertrag tritt nun in Kraft und die Bundesländer feilen an ihren eigenen Auslegungen. Dazu gehören auch Bestimmungen über stationäre Spielhallen. In manchen Bundesländern werden die Bestimmungen verschärft, in manchen anderen gelockert, wie z.B. in Nordrhein-Westfalen beim Mindestabstand zwischen einzelnen Spielhallen. In einem Artikel der Frankfurter Sonntagszeitung (FAS) äußerte sich soeben Dr. Daniel Henzgen, Mitglied der Geschäftsführung von Löwen Entertainment, zur Lage der Spielhallen in Deutschland und zum neuen Glücksspielstaatsvertrag

Löwen Entertainment wehrt sich gegen Verschärfung der Spielhallen-Verordnungen

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Die Löwen Entertainment GmbH mit Sitz in Bingen am Rhein ist einer der drei größten Anbieter von Spiel- und Unterhaltungsautomaten in Deutschland und gehört seit 2003 zum österreichischen Novomatic Konzern. Parallel betreibt das Unternehmen unter dem Namen ADMIRAL Entertainment mehrere hunderte Spielhallen in Deutschland. Dr. Henzgen sprach sich im FAS-Interview unter Berücksichtigung des Umstandes, dass mehrere Bundesländer die Vorschriften für Spielhallen verschärfen, gegen eine prohibitive Tendenz aus:  „Es gab kein Zeitalter in der Menschheitsgeschichte, wo es das nicht gab. Die Menschen stimmen jeden Tag mit dem Füßen ab, indem sie unsere Angebote zu Millionen nutzen." Er verwies dabei auf die amerikanische Prohibition, in welcher der Genuss, Verkauf sowie der Ausschank von Alkohol verboten war, aber Henzgens Meinung nach nicht dazu geführt hatte, dass die Menschen keinen Alkohol konsumiert hätten. „Es wurde genauso viel getrunken, aber es gab zusätzlich auch noch Erblindete wegen illegaler minderwertiger Schnapsbrenner. Und als Konsequenz des Alkoholverbotsversuchs ist die Mafia in Amerika entstanden." Dies dient ihm auch als Fingerzeig in Richtung Berlin, der Hochburg des illegalen Glücksspiels in der BRD. „Die Politik muss unser legales, gut kontrolliertes Angebot als Erfüllungsgehilfen für ihre Ziele sehen", fordert Dr. Henzgen.

Besonders empfindlich reagiert er bei dem Thema Spielhallenbesucherinnen und -besucher und wehrt sich vehement gegen eine Stigmatisierung. „Ich finde es eine Unverschämtheit und Hochnäsigkeit einer pseudointellektuellen Mittelschicht, die Besucher von Spielhallen pauschal als Gescheiterte gesellschaftlich abzuqualifizieren." Weiter führte er aus, dass die Spielhalle vielleicht der letzte Ort sei, wo sich Menschen ohne soziale Schichtung frei bewegen könnten. „Hier kann keiner mit einem 500-Euro-Schein den dicken Max markieren wie in der Spielbank. Hier sind alle gleich." Und weiter führte er aus: „Wir sehen hier ein Abbild der Gesellschaft, Partygänger vor dem Disco-Besuch ebenso wie Bewohnerinnen aus dem Altersheim, die den Geldeinwurf als Eintrittsgeld für die Teilhabe am Leben betrachten.“ In Bezug auf den neuen Glücksspielstaatsvertrag und das lizenzierte Online Spiel äußert er sich in dem Interview eher ambivalent. Zum 1.000,- Euro Limit sagte er: „Das macht keinen Sinn," und ergänzte: „Für den pathologischen Spieler ist null das richtige Limit. Den anderen würde ich selbst überlassen, wie viel sie spielen mögen. Die sind ja nicht blöd."

Löwen Entertainment hat schwer zu kämpfen

Kritisch gegenüber zu starken Restriktionen des legalen Spiels steht auch die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Daniela Ludwig (CSU). Für sie ist eine strengere Kontrolle das Mittel der Wahl. „Mit der Erlaubnis von bestimmten Arten des Online-Glücksspiels mit klaren Regeln zum Jugend- und Spielerschutz wollen die Länder dem Abdriften ins illegale, komplett unregulierte Zocken im Netz etwas entgegenhalten. Das klingt erst mal gar nicht schlecht", sagte sie gegenüber der FAS. „Damit das aber in der Praxis funktioniert, sollte die gemeinsame Glücksspielbehörde idealerweise von Tag eins voll einsatzfähig sein. Das dauert aber leider noch, was alles andere als optimal ist." Sie führte aus, dass es daher umso wichtiger sei, dass schon während der Übergangsphase ab Juli genau darauf geachtet werde, wer da was anbiete. „Wir brauchen Kontrolle, und zwar vom ersten Tag an. Dafür müssen Länder und Kommunen sorgen."

Die verschiedenen Maßnahmen der einzelnen Länder haben natürlich auch Auswirkungen auf die Geschäfte von Löwen Entertainment. Dr. Henzgen führte aus, dass sich das Unternehmen beispielsweise aus Berlin komplett zurückziehen werde, da man dort den Gästen in der Spielhalle noch nicht mal ein Glas Wasser anbieten dürfte. „Da lacht sich so manch einer in den Shisha-Bars kaputt," stellte der Löwen-Geschäftsführer fest. Auch sieht er bei weiteren Restriktion Arbeitsplätze gefährdet, wie u. a. in Rheinland-Pfalz. Dort drohe die Schließung von 300 der 550 Spielhallen und somit der Verlust von 2.500 sozialversicherungspflichtigen Stellen. „Wenn sich andere Bundesländer daran ein Beispiel nehmen, wird es bald nur noch viel mehr illegale Spielorte geben," stellte er fest. Dr. Daniel Henzgen sieht eine große Gefahr darin, dass bei immer mehr Beschränkungen der legalen Spielhallen diese weiter zurückgedrängt werden und der illegale Markt boomen würde. Damit würde man den Intentionen des neuen Glücksspielstaatsvertrages konträr laufen, und letztendlich würde niemandem damit geholfen sein.