In Deutschland gibt es seit dem 1. Juli 2021 eine Glücksspielsteuer für Online Casinos. Die neue Steuer ist umstritten, da sich um eine Spieleinsatzsteuer handelt. Von jedem Einsatz müssen die Glücksspielanbieter im Internet einen Anteil von 5,3 Prozent in Form einer Steuer an den Staat abführen. Wie handhaben andere Länder in Europa die Besteuerung des Online-Glücksspiels? Ein Blick über die Grenzen zeigt, dass Deutschland einen Sonderweg gewählt hat, der dazu beitragen könnte, dass die Glücksspielregulierung am Ende nicht gut funktioniert. In anderen Ländern werden die Gewinne der Glücksspielanbieter besteuert. Die Kritiker der neuen Glücksspielsteuer fordern diese Form der Besteuerung auch für Deutschland.

Gewinnbesteuerung anstelle von Spieleinsatzsteuer

Online Casino Glücksspielstaatsvertrag

Wenn es um einen Vergleich mit anderen Ländern bei der Besteuerung des Glücksspiels geht, bietet es sich an, zunächst in die Schweiz und Österreich zu schauen. Schon durch die Sprache sind diese beiden Länder eng mit Deutschland verbunden. In beiden Ländern dürfen ausschließlich staatliche Glücksspielanbieter Online-Glücksspiele anbieten. Vor allem in Österreich hat sich jedoch ein großer Schwarzmarkt etabliert. Auch in der Schweiz funktioniert der Glücksspielmarkt nicht optimal seit der Verbannung der privaten Glücksspielanbieter. In Österreich und der Schweiz ist die Bemessungsgrundlage für die Besteuerung des Glücksspiels der Bruttospielertrag. Etwas einfacher formuliert: Die Höhe der steuerlichen Belastung ist abhängig vom Bruttogewinn. Die Regeln unterscheiden sich teilweise deutlich in Österreich und der Schweiz. Schaut man nur auf die Online Casinos, gilt zum Beispiel in der Schweiz eine Besteuerung von 20 Prozent bei einem Bruttospielertrag unter 3 Millionen Franken im Jahr. Bei höheren Beträgen steigt der Steuersatz schrittweise an auf bis zu 80 Prozent. In Österreich gilt hingegen ein Steuersatz von 40 Prozent auf den gesamten Bruttospielertrag. Der entscheidende Punkt ist an dieser Stelle, dass die Glücksspielanbieter auf der Grundlage des erzielten Gewinns besteuert werden.

Auch in Großbritannien, einem der größten Glücksspielmärkte in Europa, wird der Bruttospielertrag besteuert. Die Glücksspielanbieter müssen 21 Prozent des Bruttogewinns als Steuer abführen. Besonders spannend ist an dieser Stelle vielleicht, dass Großbritannien eines der wenigen Länder ist, das Erfahrungen mit einer Spieleinsatzsteuer gesammelt hat. Bis zum Jahr 2001 mussten die Glücksspielanbieter 6,75 Prozent von jedem Spieleinsatz als Steuer an den Staat abführen. Das Ergebnis dieser Glücksspielsteuer war allerdings, dass sich die Glücksspielanbieter auf eine Gebühr in Höhe von neun Prozent geeinigt haben, um die Kosten auf die Kunden zu übertragen. Deswegen wurde diese Steuer im Jahr 2001 abgeschafft. Zudem muss berücksichtigt werden, dass das Online-Glücksspiel zu diesem Zeitpunkt noch keine große Rolle spielte. Warum Deutschland nun die Spieleinsatzsteuer aus der Mottenkiste holt, um die neue Glücksspielregulierung gleich von Anfang an in Schwierigkeiten zu bringen, lässt sich nicht genau erklären. Aber auch ein Blick in andere europäische Länder zeigt, dass die Besteuerung des Spieleinsatzes nicht weit verbreitet ist. In Spanien, Italien, Schweden, Dänemark und Belgien werden beispielsweise ebenfalls die Bruttospielerträge besteuert. Das ist auch logisch, denn wie jedes andere Unternehmen sollten auch Glücksspielanbieter Steuern abhängig vom erzielten Gewinn erzielen.

Glücksspielsteuer in Deutschland zum Scheitern verurteilt?

Die Besteuerung von virtuellen Automatenspielen in Deutschland auf der Basis des Spieleinsatzes birgt ein großes Problem. Ein moderner Spielautomat, der in einem Online Casino angeboten wird, hat in der Regel eine Auszahlungsquote um die 96 Prozent. Wenn nun von jedem Spieleinsatz 96 Prozent an den Kunden ausgeschüttet werden und 5,3 Prozent an den Staat, ist das eine Rechnung, die für die Glücksspielanbieter nicht funktioniert. Ohne Veränderungen am Geschäftsmodell müssten die Glücksspielanbieter sogar ihren Kunden Geld dafür bezahlen, dass sie die virtuellen Automatenspiele nutzen. Das ist selbstverständlich kein taugliches Geschäftsmodell. Deswegen haben die Glücksspielanbieter in Deutschland letztlich nur zwei Möglichkeiten. Entweder wird eine Glücksspielgebühr eingeführt, die genauso wie bei der Wettsteuer die steuerliche Belastung auf den Kunden umgelegt. Oder aber die Auszahlungsquote der angebotenen Spielautomaten wird so weit reduziert, dass die Glücksspielanbieter den gleichen Gewinn machen können wie bisher. In beiden Fällen werden die Online Casinos mit deutscher Lizenz aber unattraktiver im Vergleich mit den Online Casinos ohne deutsche Lizenz.

Ein großes Ziel bei jeder Glücksspielregulierung ist die Kanalisierung. Damit ist gemeint, dass der legale Markt einen großen Teil des tatsächlichen Marktes abdeckt. Wenn beispielsweise die Hälfte des Glücksspielmarktes ein Schwarzmarkt ist, ist die Kanalisierung denkbar schlecht. Warum entsteht ein Schwarzmarkt? Wenn die Angebote auf dem legalen Markt nicht attraktiv sind, suchen sich die Kunden attraktivere Angebote auf dem Schwarzmarkt. Genau das könnte auch in Deutschland passieren. Es ist gerade beim Online-Glücksspiel nicht möglich, beliebig restriktive Gesetz zu beschließen und gleichzeitig noch eine gute Kanalisierung zu erreichen. Zwar hat Deutschland angekündigt, gegen die Online Casinos ohne Lizenz vorzugehen. Aber ob die angekündigten Maßnahmen, bei denen es zum Beispiel darum geht, die Zahlungsströme zu den nicht lizenzierten Online Casinos zu unterbinden, wirklich funktionieren, ist doch höchst zweifelhaft. Immerhin ist der gesamte Glücksspielmarkt in Deutschland ohne entsprechende Gesetze in Deutschland entstanden. Lange Zeit waren die Online Casinos im Graubereich. Die neue Glücksspielsteuer könnte dazu führen, dass es schon bald einen großen Schwarzmarkt in Deutschland gibt.